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SPD-Politiker Rudolf Scharping wurde im März 2005 erstmals zum BDR-Präsidenten gewählt © getty

Nach einigen Pannen bleibt Scharping BDR-Präsident. Der Gegenkandidat ist frustriert. Der Sportdirektor erhält einen Aufpasser.

Leipzig - In einer chaotischen Wahl ist Rudolf Scharping als Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) für weitere vier Jahre bestätigt worden.

Der frühere Verteidigungsminister setzte sich bei der Bundeshauptversammlung in Leipzig gegen Herausforderer Dieter Berkmann mit 399:174 Stimmen durch. (Alle Radsport-News)

Dabei musste die Wahl wiederholt werden, weil ein TV-Team die Stimmabgabe gefilmt hatte und zudem Fehler in den Wahlblöcken aufgetreten waren.

Berkmann kritisiert Delegierte

"Die Prognosen waren ja ganz andere. Es war eine sehr faire Auseinandersetzung mit einem klaren Ergebnis. So fair, wie sich Herr Berkmann hier präsentierte, hätte ich mir das von Einigen auch im Vorfeld gewünscht", sagte Scharping.

Am Ort der BDR-Gründung vor 125 Jahren war erstmals seit 1948 eine Kampfabstimmung um das Präsidentenamt nötig.

Gegenkandidat Berkmann zeigte sich nach der Abstimmung enttäuscht. "Ich bin an der Sturheit der Delegierten gescheitert. Sie haben ihre Kritik nicht zum Ausdruck gebracht", sagte der Orthopäde aus Miesbach. (Aufstand gegen Scharping)

"Aggressiver wollte er nicht"

Dennoch wolle er, wenn gewünscht, auch künftig im BDR mitarbeiten. Erste Gespräche mit Scharping gab es bereits.

Laut des heimlichen Oppositionsführers Dieter Kühnle war auch Berkmanns persönliche Vorstellung kurz vor der Abstimmung entscheidend: "Die großen Blöcke Bayern und Baden-Württemberg standen. Etwa 150 Leute waren noch unentschieden."

Berkmann habe sich entsprechend seiner Persönlichkeit fair gegeben und nicht auf Scharpings Polemik reagiert. "Ich hatte ihm geraten, aggressiver zu sein, doch das wollte er nicht", sagte Kühnle.

Bremer erhält einen Aufpasser

Scharping stellte sich auch im Wahlkampf-Endspurt vor den von vielen Athleten kritisierten Sportdirektor Burckhard Bremer (Wird Bremer Scharpings Stolperstein?). "Ich weiß, dass sich Bremer manchmal so ausdrückt, dass sich der eine oder andere verletzt fühlt", meinte Scharping. Aber ohne Bremers konzeptionelle Fähigkeiten hätte man viele Dinge nicht erreicht.

Dennoch muss sich Bremer in Zukunft umstellen. Der Berliner erhält einen Vizepräsidenten Leistungssport als Aufpasser zur Seite gestellt, der gemeinsam mit Bremer und den Cheftrainern den Bereich koordinieren soll.

Günter Schabel, in Hessen Vize-Präsident Rennsport, wurde auf der Versammlung in dieses Amt gewählt.

Angriff auf Spitz

Scharping hatte vor der Abstimmung in seinem Bericht nochmals kräftig Wahlkampf betrieben und sich einige Kritiker vorgeknöpft.

"An dieser Stelle zerreißt es mich innerlich", sagte Scharping über Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz, die ihm angekreidet hatte, sie nach dem Gewinn der Goldmedaille nicht angerufen zu haben.

Er habe per SMS und durch Bremer gratuliert, "und wenn ich dann höre, der produziert nur Luftblasen, dann erfordert es ein hohes Maß an Selbstbeherrschung, nicht zu explodieren."

Keine Förderung für Bartko

Auch Sydney-Olympiasieger Robert Bartko bekam sein Fett weg. "Wir werden in unsere Förderung keine Sportler aufnehmen, die uns sagen, dass ihre Ziele eher in Sechstagerennen liegen", sagte Scharping.

Bartko war als einer der Hauptschuldigen ausgemacht worden, dass sich der BDR-Vierer nicht für Peking qualifiziert hatte.

Der Potsdamer hatte zur Qualifikation wichtige Weltcups ausgelassen, um Sixdays zu fahren.

Nicht auf Rosen gebetter

Finanziell wird künftig der BDR ohnehin nicht auf Rosen gebettet sein. Für das laufende Jahr mussten die Ausgaben um 550.000 Euro reduziert werden.

Der neue und alte Präsident Scharping brachte die finanzielle Situation auf den Punkt: "Wir müssen uns bescheiden."

Gleichzeitig rühmte er sich, auf seiner Geburtstagsparty 35.000 Euro für den Radsport gesammelt zu haben.

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