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Lance Armstrong heißt mit bürgerlichem Namen Lance Edward Gunderson © getty

Der Schock nach dem Sturz und der schweren Verletzung in Kastilien sitzt tief. Der Giro-Direktor hofft auf "ein weiteres Wunder".

Madrid/Rom - Als Lance Armstrong mit schmerzverzerrtem Gesicht im verdorrten Gras von Kastilien hockte, stockte den Radsport-Fans in ganz Italien der Atem.

Nach seinem Schlüsselbeinbruch ist der Start bei der 100. Auflage des Giro d'Italia am 9. Mai in Venedig äußerst fraglich, auch wenn der siebenmalige Tour-Sieger selbst noch optimistisch ist.

"Ich werde mich in ein paar Tagen operieren lassen. Dann werde ich meine Pläne mitteilen. Aber ich kann nicht verleugnen, dass die Dinge komplizierter geworden sind", sagte Armstrong.

Der Texaner war auf der ersten Etappe der Rundfahrt Castilla y Leon 20 Kilometer vor dem Ziel im hinteren Teil des Feldes in einen Massensturz verwickelt und brach sich das rechte Schlüsselbein (Armstrong stürzt - Schlüsselbeinbruch).

Tour-Start nicht gefährdet

Die Verletzung zieht im Normalfall eine Pause von vier bis sechs Wochen nach sich. Sein Start bei der Tour ab 4. Juli ist demnach nach derzeitigem Stand nicht gefährdet.

"Das ändert unsere Tour-Pläne überhaupt nicht. Ein Schlüsselbeinbruch im März beeinträchtigt die Leistungen bei der Tour keineswegs", sagte Astana-Teamchef Johann Bruyneel und spricht auch von einem Start beim Giro: "Wir schließen das auf keinen Fall aus. Das ist sehr gut möglich."

Heimreise angetreten

Nach kurzer Behandlung in der Universitätsklinik von Valladolid, verbrachte Armstrong die Nacht im Haus seines Teamchefs Johan Bruyneel in Madrid und machte sich am Dienstagmorgen auf in Richtung Heimat.

Den Arm in eine Schlinge gehüllt, genoss der 38-Jährige eine Tasse Kaffee am Flughafen und lächelte bereits wieder. "Ich bin am Leben! Aber es schmerzt wie die Hölle. SMS zu schreiben ist mit links verdammt schwierig", berichtete er via Kurzmitteilung.

Presse und Volk zittern

Schmerz erfüllte beim Anblick der Bilder wohl auch die Herzen der Giro-Veranstalter und die italienische Presse zitterte stellvertretend für das Volk um den US-Amerikaner. "Angst um Armstrong", titelten "Corriere dello Sport" und "Tutto Sport".

Die "Gazzetta dello Sport" brachte die Verwundbarkeit des vermeintlichen Übermenschen auf den Punkt: "Der Mann der Wunder ist nur noch ein Mann am Boden."

Giro-Direktor hofft auf ein Wunder

Im Fahrerfeld ist die Hoffnung auf den Champion noch vorhanden. "Als ich das gehört habe, habe ich nicht an den Giro, sondern an einen Freund gedacht. Ich hoffe sehr, dass er dabei ist", sagte der frühere Giro-Sieger Ivan Basso, der nach abgessener Doping-Sperre wieder auf dem Rad sitzt.

Giro-Direktor Angelo Zomegnan meinte: "Wir sind es gewohnt, dass Armstrong Wunder verbringt und hoffen auf ein weiteres."

Debüt mit Contador geplatzt

Armstrongs Teilnahme in Kastilien sollte das erste und einzige gemeinsame Rennen vor der Tour de France mit Alberto Contador werden.

Unter traumhaft blauem Himmel ließ sich das Duo gemeinsam mit dem amtierenden Tour-Sieger Carlos Sastre am Start fotografieren, 150 Kilometer später war die Show für Armstrong bereits vorbei.

Bisher mit Schutzengel unterwegs

Dabei hatte der Astana-Profi in seiner bisherigen Karriere stets einen Schutzengel.

Als der Spanier Joseba Beloki auf der neunten Etappe der Tour 2003 in einer Abfahrt vor ihm auf den Asphalt knallte, wich Armstrong geistesgegenwärtig aus, steuerte sein Rad in einer spektakulären Aktion über ein Stoppelfeld und fand wieder Anschluss an die Spitze.

Auf der 15. Etappe blieb Armstrong auf dem Weg zur Bergankunft in Luz Ardiden mit dem Lenker an der Tüte eines Zuschauers hängen und stürzte. Sein Dauerrivale Jan Ullrich verhielt sich fair, attackierte nicht und ließ ihn wieder heranfahren. Armstrong bedankte sich - und gewann die Etappe im Alleingang.

Glück aufgebraucht?

Dieses Glück scheint nach 17 Jahren im professionellen Radsport aufgebraucht.

Sollte Armstrong für den Giro ausfallen, kann er wenigstens gut erholt die Vorbereitungen für die Teilnahme an der Tour de France aufnehmen.

Er wird sich in den Rennen davor sicherlich im vorderen Teil des Feldes aufhalten.

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