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Maximilian Levy wurde bei der WM 2008 mit Rene Enders und Stefan Nimke Vierter im Teamsprint © getty

Nach dem "süßen Sieg" ist der neue Keirin-Weltmeister voller Genugtuung. Auch der, der Levy degradierte, sieht sich bestätigt.

Pruszkow - Auch in der Stunde seines größten Triumphes war beim neuen Bahn-König Maximilian Levy der Ärger der letzten Monate nicht vergessen.

"Die Genugtuung ist sehr groß. Ich wollte den Leuten zeigen: Vergesst mich nicht. Ich kann es noch. Vielleicht war es doch die falsche Entscheidung, mich im Teamsprint nicht

einzusetzen", stichelte der 21-Jährige nach dem Gewinn des Keirin-Titels bei der WM im polnischen Pruszkow mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen in Richtung Bundestrainer Detlef Uibel. (Alle Radsport-News)

Seit Monaten liegen Levy und Uibel über Kreuz.

Nichtnominierung ein Vorteil?

Nachdem der Cottbuser gegen den Coach vergeblich den Aufstand geprobt hatte, war er zwischenzeitlich sogar aus dem Nationalkader gestrichen worden.

Auch im Teamsprint war für Deutschlands derzeit besten Sprinter kein Platz, Levy musste für Robert Förstemann weichen. Dabei hatte er noch bei den Olympischen Spielen in Peking mit der Mannschaft Bronze und Platz vier im Sprint geholt.

Uibel sah die Nichtnominierung Levys im Teamsprint dagegen als Vorteil. "Dass er sich auf den Keirin konzentrieren konnte, ist ihm vielleicht zugute gekommen", meinte der Coach und verknüpfte den WM-Titel mit der Hoffnung, "dass jetzt endlich Ruhe einkehrt".

Ärger mit dem Verband

Ruhig war es die letzten Wochen keineswegs um Levy, der sich auch mit dem Verband angelegt hatte.

Eine generelle Einladung zu einer Keirin-Serie in Japan hatte der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) erst verspätet an den fünfmaligen Junioren-Weltmeister weitergeleitet. Bis zu 60.000 Euro hätte er in Fernost verdienen können.

Levy hatte sich jüngst auch vor der emotionsgeladenen Präsidumswahl um Amtsinhaber Scharping für "eine Veränderung im Verband" ausgesprochen.

Nicht seine Lieblingsdisiplin

So war bei Levy gehörig Wut im Bauch, als er mit einem überragenden Sprint von der Spitze weg dem Franzosen Francois Pervis und Teun Mulder nicht den Hauch einer Chance ließ.

Dabei war Keirin immer seine Problemdisziplin. "Ich habe mal gesagt: Ich will einmal Weltmeister im Keirin werden, dann fahre ich nie wieder diese Disziplin. Damit muss ich jetzt wohl brechen", meinte der Youngster, der den ersten deutschen Keirin-Titel seit 1999 (Jens Fiedler) gewann.

Dass es sein Tag werden würde, hatte Levy bereits am Morgen geahnt. "Ich habe im Kalender gesehen, dass Neumond ist. Das bedeutet, dass eine neue Zeit beginnt. Ich bin ein wenig abhängig vom Mond. Bei Vollmond kann ich nie so gut schlafen", berichtete der gebürtige Berliner von seinem Aberglaube.

Freundin feiert ihr Comeback

Er sei den ganzen Tag konzentriert gewesen, nichts hätte ihn aus der Ruhe bringen können. "Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man so einen Tag erwischt", meinte Levy, der den größten Erfolg seiner Kariere ohne seine Freundin Madeleine Sandig feiern musste.

Die Radfahrerin war in Kalifornien im Einsatz und gab nach langer Krankheit (Eppstein-Barr-Virus) dort ihr Comeback.

Für Levy könnte es in Polen aber noch besser kommen. Am Wochenende steht der Sprint auf dem Programm, und da gehört er nach den gezeigten Leistungen zu den Mitfavoriten. Zumal Olympiasieger Chris Hoy und der niederländische Ex-Champion Theo Bos nicht am Start sind.

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