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Kittel hat bei allen drei großen Rundfahrten mindestens eine Etappe gewonnen. ZUM DURCHKLICKEN: Die Karriere von Marcel Kittel © getty

Er ist die deutsche Hoffnung auf Siege bei der 101. Tour de France. Im SPORT1-Interview verrät Marcel Kittel seine Ziele.

Von Raphael Weber

München - Porto-Vecchio, Saint-Gildas-des-Bois, Fougeres und Paris.

Was klingt wie ein Urlaubstrip durch Frankreich, sind die Orte des Triumphes für Marcel Kittel.

Der SPORT1-Gewinner des Jahres 2013 konnte gleich vier Etappen bei der letztjährigen Tour de France gewinnen. Für einen Tag schlüpfte er gar ins gelbe Trikot.

Am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) startet zum 101. Mal die Frankreich-Rundfahrt (bis 27. Juli) im englischen Leeds - und der 26-Jährige ist heiß aufs erneute Jubeln.

Im SPORT1-Interview spricht Kittel über seine Ziele, den deutschen Aufschwung und sein Amt als Klassensprecher der deutschen Fahrer.

SPORT1: Herr Kittel, die Tour de France steht bevor. Sie haben bei SPORT1 schon gesagt, dass es Ihnen nicht darum geht, die vier Siege von 2013 zu toppen. Was haben Sie sich vorgenommen?

Marcel Kittel: Ich bleibe dabei. Für mich wäre es eine erfolgreiche Tour, wenn ich sie beenden kann und eine Etappe gewinne.

SPORT1: Wie im Vorjahr geht es mit einer Sprintetappe los - diesmal in England. Kann ein gutes Ergebnis zum Auftakt gleich wieder einen Schub geben?

Kittel: Das wäre natürlich großartig. Wir waren dort und haben uns die Etappen angeschaut. Das wird eine harte Nuss und in jedem Fall schwerer als im vergangenen Jahr. Sorgen mache ich mir aber nicht, denn wir haben für diese Fälle ja auch noch John Degenkolb im Team, der als guter Sprinter auch die schweren Rennen überlebt. Was möglich ist, wird der Rennverlauf bestimmen.

SPORT1: Mit in Ihrem Team Giant-Shimano ist auch Cheng Ji, der erste Chinese überhaupt bei der Tour dazu. Was dürfen wir von ihm erwarten?

Kittel: Es wird seine Aufgabe sein, das Rennen auf den Sprintetappen zu kontrollieren und Löcher zu Ausreißergruppen zuzufahren.

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SPORT1: Wie würden Sie ihn als Typ beschreiben?

Kittel: Er ist ein sehr ruhiger und zuverlässiger Teamkollege. Er kennt seinen Job und seine Aufgabe bei der Tour. Er identifiziert sich damit zu 100 Prozent. Außerdem ist er ein guter Koch und macht exzellente Chicken Wings.

SPORT1: Wir haben schon kurz über Ihre extrem erfolgreiche Tour 2013 gesprochen. Hat sich Ihr Leben als Sportler seither verändert?

Kittel: Geändert hat sich auf jeden Fall die Art und Weise, in der die anderen Fahrer mit uns als Team umgehen. Da ist mehr Respekt vorhanden - auch vor mir persönlich. Das war vorher noch anders.

SPORT1: Sie sind ja in Interviews auch immer eine Art Klassensprecher des neuen deutschen Radsports. Inwiefern hat Ihnen dabei das Abschneiden bei der Tour geholfen?

Kittel (lacht): Klassensprecher ist gut! Ich glaube, die Tour 2013 war mit sechs deutschen Siegen insgesamt sehr gut für den Radsport in unserem Land. Umso wichtiger ist es mir, immer wieder zu unterstreichen, wie viele starke Rennfahrer wir momentan haben.

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SPORT1: Passend dazu ist erstmals seit vier Jahren wieder ein deutsches Team am Start. Bei NetApp Endura sind viele junge Tour-Debütanten dabei. Wie wichtig ist dieses Zeichen für den Radsport?

Kittel: Es ist natürlich wichtig, gleichzeitig sollte man sportlich keine Wunderdinge erwarten. NetApp ist an dem Punkt, wo wir 2009 bei unserer ersten Teilnahme waren. Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, um das Team weiterentwickeln zu können. Auf jeden Fall ist es auch medial ein gutes Zeichen, dass sie dabei sind.

SPORT1: Im Frühjahr haben Sie gesagt, der Radsport verdient mehr Vertrauen. Spüren Sie diesbezüglich eine Besserung?

Kittel: Ja. Es haben sich schon ein paar Dinge verändert. Beispielsweise wurde erstmals seit Jahren die deutsche Meisterschaft wieder live im TV übertragen (Sieger: Andre Greipel, Anm. d. Red., News). Das freut uns Fahrer sehr. Das große Ziel, ein deutsches Team in der ProTour zu haben oder die Tour wieder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen, ist noch nicht erreicht, aber die Richtung stimmt und das Interesse wächst wieder.

SPORT1: Seit September 2013 ist Brian Cookson Präsident des Weltradsportverbandes UCI und hat als Nachfolger des umstrittenen Pat McQuaid eine Kommission zur Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit einberufen. Was hat dieser Neuanfang bewirkt?

Kittel: Es ist vielleicht besser, es als Prozess zu sehen. Allein dass McQuaid weg ist und sich überhaupt etwas getan hat, ist schon ganz wichtig. Was Cookson macht, wird man sehen. Wichtiger ist aber das Signal nach außen, jemanden an der Spitze zu haben, der sich von der Vergangenheit abgrenzt und für Aufklärung und Aufarbeitung steht. Das erwarte ich auch von ihm.

SPORT1: Tour-Sieger Chris Froome war zuletzt in den Schlagzeilen, weil ihm die UCI ein umstrittenes Attest ausgestellt hat. Zucken Sie bei solchen Meldungen zusammen?

Kittel: In manchen Teilen der Presse werden solche Meldungen sicher zu bestimmten Zeitpunkten gern aufgegriffen. Ich kenne in diesem Fall die Einzelheiten nicht, aber mittlerweile hat die UCI gesagt, es soll alles einwandfrei gewesen sein. Er hatte wohl schon im Vorfeld die Erlaubnis für dieses Spray erhalten. Darauf muss ich dann vertrauen, da ich keine anderen Informationen habe.

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