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Jens Voigt hat 2001 und 2006 jeweils eine Etappe bei der Tour de France gewonnen © getty

Jens Voigt plagen vor seiner Rekord- und Abschiedstour Zweifel, ob er durchhält. Dabei hat er das Aufbäumen just wiederentdeckt.

Leeds - So kennt man Radsport-Altmeister Jens Voigt eigentlich überhaupt nicht. Der unverwüstliche Kämpfer gegen alle Prognosen und Widerstände ist unsicher.

Unsicher, ob das alles richtig so ist, ob er zweieinhalb Monate vor seinem 43. Geburtstag tatsächlich noch zur Tour de France gehört, dem schwersten Radrennen, das es gibt.

"Ich freue mich schon darauf", sagte Voigt kurz vor dem Grand Depart, "aber ich habe auch eine gehörige Portion Bammel."

Der Mecklenburger wird am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) im englischen Leeds zum 17. und letzten Mal antreten, im Trikot der Trek-Mannschaft - so oder so.

Noch einmal heil nach Paris

Vergangene Woche wurde Voigt nominiert, er schließt zu den Rekordstartern George Hincapie (USA) und Stuart O'Grady (Australien) auf. Und wenn er schon mal da ist, dann möchte er "gut und heil nach Paris kommen und mit dem Wissen, ich habe meine Arbeit gemacht". SHOP: Jetzt Radsport-Artikel kaufen

Bis zum 27. Juli muss Voigt dafür durchhalten. Dass es tatsächlich so kommt, daran zweifelt der zweimalige Etappensieger, der auch zweimal das Gelbe Trikot trug, ein wenig.

Voigt spürt das Alter, er spürt, dass er nur mit großer Mühe noch mithalten kann, dass es lange dauerte, bis sein Körper das nötige Niveau erreicht hatte.

Plötzlich wieder der Rebell

Am Saisonende ist deshalb auch endgültig Schluss. "Ich habe das nicht kommen sehen, ich habe lange nicht daran geglaubt, dass ich die Tour fahre", bekennt Voigt, und in der Tat hatte der Wahl-Berliner noch Ende Mai größte Skepsis geäußert.

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Doch dann kam das Criterium du Dauphine, eine der Generalproben für die Tour, und Voigt war plötzlich wieder am TV-Bildschirm zu sehen.

Und zwar nicht als Anhängsel des rasenden Pelotons, sondern als dessen Rebell, der sich auflehnt, sich aufbäumt, sich gegen das Unvermeidliche sträubt - so wie all die Jahre, seit er 1998 erstmals bei einer Frankreich-Rundfahrt antrat.

Edelhelfer für Fränk Schleck

Und Voigt beeindruckte damit auch seine Teamchefs bei Trek.

Ein Plus war für ihn zudem, bisher noch nie enttäuscht zu haben, wenn die Große Schleife anstand. Seine Frau, verriet Voigt am Wochenende bei der Deutschen Meisterschaft in Baunatal, hatte es geahnt und den Sommer mit den sechs Kindern, aber ohne Ehemann geplant: "Ihr war immer klar, dass es so kommt."

Und nun? Ein Jens Voigt rollt doch nicht drei Wochen lang einfach nur mit. "Ich sehe mich als Mädchen für alles", meint er. Also helfen, wo immer Hilfe gebraucht wird, vor allem dem Luxemburger Fränk Schleck, der sich bei seiner Rückkehr nach einjähriger Dopingsperre im Klassement vorn platzieren soll.

Martin drückt die Daumen

Und sonst? Keine Attacke? "Ob mein Körper Freiheiten nutzen kann, das ist die Frage", sagt Voigt. Er fühle sich, als sei er ein Ford Galaxy und würde an einem Formel-1-Rennen teilnehmen: "Da kann ich auch nicht sagen, ich will auf die Pole Position fahren."

Die muss es ja nicht sein, es reicht auch die eine oder andere Runde an der Spitze. "Ich", sagt Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin, "würde mich freuen, wenn er noch mal einen seiner berüchtigten Ausreißversuche starten könnte."

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