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Brian Cookson ist seit September 2013 Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI
Brian Cookson will den Radsport aus den Negativ-Schlagzeilen führen © getty

Der neue Präsident Brian Cookson kämpft für den nachhaltigen Image-Wandel im Radsport und gegen alte und neue Doping-Sünder.

London - UCI-Präsident Brian Cookson hat ein schweres Erbe angetreten.

Der Radsport lag praktisch auf dem Sterbebett mit wenig Aussicht auf eine Wunderheilung, als sein Vorgänger Pat McQuaid den Weltverband von einem Skandal in den nächsten steuerte.

Im letzten September drängte ihn Cookson aus dem Amt und versprach einen Kampf um Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Wo ist der Wandel?

Deutsche Radprofis wie Tony Martin oder Marcel Kittel fragen sich bei der 101. Tour de France (täglich im LIVE-TICKER), wo der Wandel geblieben ist, der deutsche Verbandspräsident Rudolf Scharping forderte den Briten auf, er müsse Ergebnisse vorweisen.

"Wir alle werden liefern, wir alle arbeiten sehr hart daran. Du änderst die Richtung eines Öltankers nicht, in dem du auf einen Knopf drückst, es dauert nun mal", sagte Cookson.

Der 63-Jährige ist aber von klaren Signalen des Wandels überzeugt, und prophezeit in glänzenden Farben eine glorreiche Zukunft (917113DIASHOW: Die Bilder der 1. Tour-Woche).

Cookson sieht goldene Ära

"Wir stehen vor einer goldenen Ära, da bin ich ganz sicher", sagte er.

Dass es immer noch Dopingfälle oder Verdachtsmomente wie zuletzt beim Südafrikaner Daryl Impey oder dem Tschechen Roman Kreuziger gebe, sei nicht zu verhindern.

Er könne aber "mit gutem Gewissen" sagen, dass der Radsport im Gegensatz zu anderen Sportarten "eine Menge" unternehme. "Ich werde den Radsport vehement verteidigen. Wir sind der Standard für alle anderen", sagte Cookson.

Umstrittener Zorzoli immer noch da

Auch dass die UCI noch immer Mario Zorzoli beschäftigt, der bereits zur Armstrong-Ära tätig war, sieht Cookson erst einmal nicht als Imageschaden an.

In spektakuläre Fälle involviert gewesen zu sein, sei "sein Job" gewesen und deswegen müssten Zorzoli nicht zwingend Fehler unterlaufen sein. "Ich habe Vertrauen in Zorzolis Berufsauffassung - bis das Gegenteil bewiesen ist."

Entsprechende Unterlagen sollten der unabhängigen Kommission (CIRC), die gerade die dunkle Vergangenheit aufarbeitet, zugetragen werden.

Lob für CIRC

Die CIRC, berichtet Cookson, komme gut voran, habe viele maßgebliche Personen gesprochen.

Einzelheiten kenne der UCI-Boss jedoch nicht.

Spätestens im nächsten Jahr solle der Bericht fertigestellt sein, der unter anderem das Verhalten der UCI im Fall Armstrong bewertet. Es werde "ein wichtiger Beitrag, um die Reputation des Radsports wiederherzustellen", kündigt Cookson an.

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Deutschland auf einem guten Weg

Auf diesem Weg befindet sich auch der deutsche Radsport, den der Brite ebenso im Aufwärtstrend wähnt. "Es gibt eine Reihe von Anzeichen, dass Deutschland wieder stärker aktiv wird", sagte er.

Der Einstieg eines deutschen Unternehmens als Hauptsponsor des bisherigen Teams NetApp-Endura zählt dazu.

Cookson ist sicher, dass ein Grand Depart der Tour de France in Deutschland inzwischen wieder eine genauso große Begeisterung auslösen könnte.

"Nichts unter den Teppich kehren"

So wie am Wochenende in der Region Yorkshire in seinem Heimatland, als weit über zwei Millionen Menschen die Straßen säumten.

Mit einer Politik der Offenheit will er ein neues Desaster verhindern.

"Wir werden nichts unter den Teppich kehren."

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