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Andre Greipel (l.) und Marcel Kittel haben zusammen 2014 schon 4 Tour-Etappen gewonnen. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder der ersten Woche © getty

Andre Greipel trotzt dem Angst-Vorwurf seines Teamchefs und setzt nach Marcel Kittels Siegen das nächste deutsche Ausrufezeichen.

Nancy - Erst raste Hüne Marcel Kittel von Erfolg zu Erfolg, dann zog Kraftprotz Andre Greipel nach:

Die deutschen Sprinter haben die Auftaktwoche der Frankreich-Rundfahrt zu einer "Tour d'Allemagne" gemacht. (917113DIASHOW: Die Bilder der Tour de France)

Nach vier Etappensiegen auf den ersten sechs Abschnitten bahnt sich eine zum Vorjahr vergleichbare Bilanz an, als letztlich sechs Erfolge und das beste Abschneiden seit 36 Jahren zu Buche standen.

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Neuer deutscher Rekord?

Selbst wenn die deutschen Fahrer ab diesem Wochenende, wenn das Peloton die Vogesen erreicht, erst einmal etwas in den Hintergrund treten, ist der Siegeszug wohl nur vorübergehend gestoppt.

Mindestens drei Chancen kommen noch für Kittel und Greipel, dazu am vorletzten Tour-Tag mit dem einzigen Zeitfahren die Paradedisziplin von Weltmeister Tony Martin.

Der deutsche Rekord, der von 1977 stammt und bei der Jubiläumstour egalisiert worden war, könnte diesmal übertroffen werden.

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Greipel kontert Angst-Vorwurf

Am Donnerstag zeigte endlich Greipel seine Klasse. Der Rostocker hatte davor manche Enttäuschung verkraften und sogar öffentliche Kritik seines Lotto-Teamchefs Marc Sergeant ertragen müssen.

Der Belgier hatte vor allem Greipels Leistung im Sprint von London moniert. Sergeant sagte, Greipel habe nach dem einsetzenden Regen im Finale "Angst" bekommen.

Entsprechend erleichtert war der 31-Jährige nach seinem insgesamt sechsten Tour-Etappensieg. (DATENCENTER: Die Gesamtwertung der Tour de France)

"Du musst in Bruchteilen von Sekunden entscheiden. Manchmal liegst du richtig, manchmal falsch. Aber weder die Mannschaft noch ich haben den Glauben verloren", sagte Greipel zu Sergeants Kritik.

Respekt statt Rivalität

Jetzt erhofft sich der Mecklenburger auch ein direktes Duell mit Kittel, der in der Anfahrt zum Sprint zu viele Kräfte gelassen hatte.

Von einer richtigen Rivalität will Greipel aber nichts wissen.

"Wir haben beide Respekt voreinander. Wir versuchen beide das Beste, wir sprinten beide richtig gut", sagte er.

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Bratwurst tröstet Kittel

Kittel hatte unterdessen seine Probleme in der Schlussphase der sechsten Etappe am Donnerstag schnell verdaut.

"Im Ziel wurde ich von Bekannten aus meinem Heimatort Ichtershausen mit einer Knackwurst von Fleischer Fritz überrascht", verriet der Thüringer: "Ich sage euch, die ist echt super lecker. Es war also doch noch ein gelungener Tag."

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Degenkolb von Verletzung geplagt

Und vielleicht kann auch John Degenkolb noch einen Trumpf ausspielen, wenn er sich rasch von seiner Verletzung erholt.

Den 25-Jährigen kostete der Sturz auf der fünften Etappe, bei dem er sich einen kleinen Muskelriss am Gluteus maximus zuzog, bereits zwei Gelegenheiten.

Das spektakuläre Teilstück über das Kopfsteinpflaster hatte der Paris-Roubaix-Zweite ebenso anvisiert wie die Etappe nach Nancy am Freitag. (914879DIASHOW: Die Etappen der Tour de France)

Doch stattdessen muss Degenkolb erst einmal seine optimale Fitness zurückerlangen.

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Deutsche setzen Signal

Schon jetzt sind die Leistungen ein weiteres starkes Signal in Richtung der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, die seit einiger Zeit auf Live-Berichte von der Tour verzichten.

Die deutschen Protagonisten setzen um, was sie am Rande der nationalen Meisterschaften angekündigt hatten und werben mit ihren besten Argumenten - mit Siegen und ihrer klaren Haltung im Anti-Doping-Kampf.

"Verdienen es, gezeigt zu werden"

"Uns bleibt nicht anderes übrig, als zu sagen, was wir denken, und einfach weiter Rennen zu gewinnen", hatte Kittel dort betont.

"Wir verdienen es, gezeigt zu werden", ergänzte Martin.

Auch Verbandspräsident Rudolf Scharping spielen die Auftritte in die Karten. "Wenn die Erfolge bestätigt werden", sagte er, "dann entsteht ein gewisser Druck. Unsere Sportler sind nicht nur erfolgreich, sondern auch glaubwürdig."

Im September stehen Beratungen in den maßgeblichen Gremien der "ARD" an, in diese Diskussionen dürften die aktuellen Auftritte einfließen.

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