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Darwin Atapuma aus Kolumbien erlitt einen Oberschenkelbruch © getty

Die erste Woche der Tour de France verlangt den Fahrern alles ab. Auch drei deutsche Radprofis müssen leiden.

Mulhouse - Inzwischen kann John Degenkolb schon wieder ein bisschen lachen.

Der Schmerz sei "nicht mehr bestialisch", sagte der Thüringer Radprofi im Ziel der achtenTour-de-France-Etappe in Gerardmer. Der Schmerz ist aber immer noch da.

Für Degenkolb ist aus dem schönsten, schwersten und wichtigsten Radrennen der Welt (tägl. im LIVE-TICKER) erst einmal ein einziger Kampf um das sportliche Überleben geworden - seine ganz persönliche Tour der Leiden.

Seit seinem Sturz auf der fünften Etappe über das Kopfsteinpflaster von Paris-Roubaix fährt Degenkolb mit einem kleinen Muskelriss im Gluteus maximus. Bis zum Samstag waren die Qualen für den 25-Jährigen fast unerträglich (917113DIASHOW: Die Bilder der Tour de France).

"Baseballschläger an Oberchenkel"

"Ich habe das Gefühl, mir haut jemand bei jedem Tritt mit einem Baseballschläger an den Oberschenkel", erzählte Degenkolb.

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Trotz der nun wiedergewonnenen Zuversicht, wird er "nicht in Euphorie ausbrechen. Ich hoffe, dass es von Tag zu Tag stabiler wird".

Nur im Sitzen

Eine ähnlich harte Zeit durchlebt der Zschopauer Marcus Burghardt. Der Sachse hat einen Bänderriss in der rechten Schulter, er kann nur im Sitzen fahren, was gerade auf Bergetappen das Leiden zusätzlich verstärkt.

Burghardt stürzte während der sechsten Etappe. Max Testa, sein Teamarzt bei BMC Racing, bezifferte die Chance auf eine Weiterfahrt auf 50 Prozent. Drei Tage später ist der 31-Jährige immer noch dabei, opfert sich für die Mannschaft auf (914879DIASHOW: Die Etappen der Tour de France).

"Offizieller Teufelskerl"

Sein Kapitän Tejay van Garderen hat ihm so etwas wie einen Ritterschlag verpasst. Burghardt sei wegen seines Kampfgeistes jetzt ein "offiziell anerkannter Teufelskerl", twitterte der Amerikaner.

Burghardt hat indes noch Rückenprobleme bekommen, weil er eine Schonhaltung einnimmt, um die Schulter zu entlasten. Das lässt er von den Physiotherapeuten intensiv behandeln, "denn die Beine sind gut", wie er sagte. Und die sind für einen Radprofi noch immer das Wichtigste.

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Kopfüber ins Absperrgitter

Auch der Rostocker Paul Voss weiß jetzt, warum man die Frankreich-Rundfahrt auch die Tour der Leiden nennt. Am Freitag prallte der Debütant kopfüber in ein Absperrgitter, brach sich die Nase und den kleinen Finger der linken Hand.

Kurz nach der Sturz war das Gesicht voller Blut, niemand hätte sich vorstellen können, dass Voss tags darauf am Start steht. Doch der NetApp-Profi fand schnell seinen Humor wieder. "Jetzt sehe ich wenigstens wie ein richtiger Mann aus", twitterte er (DATENCENTER: Die Gesamtwertung der Tour de France).

Das Risiko eines verheerenden Unfalls fährt immer mit, gerade bei solch schlechtem Wetter wie in der vergangenen Woche, und die Profis nehmen es bewusst in Kauf. Es ist genauso wie die Aussicht auf den großen Ruhm ein Teil der Tour, ihrer großen Bühne.

"Man ist bei der Tour jedes Jahr aufs Neue bereit, alles zu riskieren. Die Motivation, die Faszination, der Druck ist so groß, dass man es einfach macht", sagt Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin.

Viele "Aussteiger"

Es gab genügend Fahrer, bei denen nützte der größte Kampfgeist nichts. Bis zum Sonntag waren 14 Profis ausgestiegen, allen voran Titelverteidiger Christopher Froome mit Frakturen an beiden Händen.

Der Kolumbianer Darwin Atapuma und der Schweizer Mathias Frank landeten mit einem Oberschenkelbruch im Krankenhaus. Der Luxemburger Andy Schleck erlitt einen Totalschaden im Knie, beim Briten Mark Cavendish rissen alle Bänder der linken Schulter.

Nächstes Jahr ist das wieder vergessen.

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