Didi Thurau im Gelb-Rausch bei der Tour 1977: Das war nicht immer ein reines TV-Bild-Vergnügen. Wolfgang Kleine erinnert sich.

Tour de France - TV-Bilder aus London, Lille, den Alpen, Pyrenäen und aus Paris:

Sie kommen gestochen scharf in HD-Format über Satellit, Kabel oder digitale Technik auf den Fernsehschirm.

Wenn Marcel Kittel zum Sprinter-Duell mit Peter Sagan ansetzt, wenn Alberto Contador im Kampf ums Gelbe Trikot startet(e) oder Tony Martin gegen Fabian Cancellara um die Zeitfahr-Krone fährt - die Radprofis sind stets gut zu erkennen.

Heute sind die Fans vor den TV-Schirmen live und mit tollen Bildern von den Moto-Kameras live dabei.

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Mageres Bildangebot

Das war jedoch nicht immer so:

Als Didi Thurau bei der Tour 1977 in den Pyrenäen schon im Prolog ins Gelbe Trikot fuhr und das dann insgesamt 15 Tage lang trug, war die Begeisterung in Deutschland zwar groß.

Das Bildangebot allerdings nicht.

Die Tour wurde damals zum medialen Ereignis aus der Gründerzeit von TV-Übertragungen - zumindest für die Live-Fans in Deutschland.

Die "ARD" und das "ZDF" verzichteten auf das Live-Bild und brachten am Nachmittag nur eine Aufzeichnung von den Etappen.

Also schauten die meisten Fans in die Röhre. Zeitungen und der Rundfunk ließen sich dagegen von der aufkommenden Thurau-Euphorie anstecken.

Wo fahren sie denn?

Klaus-Jürgen Haller, Moderator beim "WDR"-Hörfunk, begann das "Mittagsmagazin" an diesem Juli-Tag 1977 mit folgenden Worten: "Ich gucke schon die ganze Zeit aus dem Fenster. Aber ich sehe sie nicht. Die Zeitungen berichten heute überall 'Die Alpen kommen', aber wo kommen sie denn? Jetzt ist mir aber alles klar."

Und weiter: "Heute läuft die erste Alpen-Etappe der Tour de France (tägl. im LIVE-TICKER). Und deshalb versuchen wir schon seit einiger Zeit, unsere Reporter vor Ort ans Mikrofon zu bekommen. Aber meinen Sie, die melden sich, die Brüder?! Ich begrüße Sie zum Mittagsmagazin."

Den Belgiern sei Dank

Kein Live-Bild in Deutschland. Doch in Köln hatte man mehr Glück.

Es gab ja die beiden belgischen TV-Sender "BRT" und "RTBF". Dank der belgischen Militär-Einheiten, die im Westen der Stadt stationiert waren.

Die sollten mit Live-Bildern versorgt werden. So konnte man auch in der Redaktion in der Stadtmitte über eine Zimmerantenne die Live-Reportagen von "BRT" und "RTBF" empfangen.

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Scharfe Konturen - Fehlanzeige!

Aber wie! Das TV-Bild sah aus, als wenn Mengen von Gries verstreut worden wären.

Didi Thurau, Eddy Merckx und der spätere Sieger Bernhard Thevenet waren bestenfalls an der Farbe ihrer Trikots zu erkennen. Scharfe Konturen - Fehlanzeige!

Von 15 Uhr an also das tägliche Bilderraten. Wer könnte den Ausreißversuch gewagt haben? Wer nimmt die Verfolgung auf? Ist das nun Merckx, Lucien van Impe, Thevenet oder doch Thurau?

Kollege als Antennenleiter

Als das TV-Bild wetterbedingt nun ganz schlecht wurde, kam ein Kollege auf eine Idee, auf die kaum ein Fernsehtechniker kommt.

Er hatte irgendwie mal gehört, dass der menschliche Körper die Leit- Leitungsqualität eines Antennenkabels erhöht.

So nahm er den Kabelstecker aus der Fernsehbuchse, hielt einen Finger der rechten Hand in die Antennenbuchse und einen Finger der linken Hand an den Stecker des Antennenkabels.

Der Fluch der guten Tat

Wie durch ein Wunder (oder auch nicht) wurde das TV-Bild auf einmal besser. Wir konnten wieder die Protagonisten Thurau, Merckx und Thevenet erkennen.

Der Fluch der guten Tat: Der gewiefte Kollege musste in diesen Juli-Tagen des Jahres 1977 nun 45 Minuten lang Antennenleiter spielen...

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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