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JOHN DEGENKOLB: Aus deutscher Sicht der Pechvogel der Tour. Degenkolb kämpft sich nach Sturz mit Muskelriss im Gesäß durch und ist mehrmals nah dran am ersten Etappensieg. Zwei Ausreißer verhindern aber, dass sich Degenkolb für seine Höllenqualen belohnt
John Degenkolb wurde auf der 11. Etappe nur knapp geschlagen. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder der Tour de France © imago

John Degenkolb tritt erstmals aus dem Schatten eines deutschen Trios, doch noch muss er auf die Erfüllung seines Traums warten.

Oyonnax - John Degenkolb hatte einen festen Plan. Was ihm beim Giro d'Italia und der Vuelta in Spanien schon gelungen war, wollte der deutsche Radprofi nun auch bei der Tour de France (tägl. im LIVE-TICKER) schaffen.

"Ich möchte einen Etappensieg und mich in die Riege der Rennfahrer eintragen, die bei allen großen Rundfahrten eine Etappe gewonnen haben", sagte der 25-Jährige im Vorfeld der Großen Schleife.

200 Meter fehlen zum Sieg

Am Mittwoch stand Degenkolb ganz dicht vor der Erfüllung seines Traums - doch die Tour war ihm noch nicht gewogen. Der Thüringer musste auf der elften Etappe (Bericht) bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr erleben, wie unberechenbar das wichtigste Radrennen der Welt ist.

In Höchsttempo sprintete er um den Sieg, doch am Ende ging ihm schlichtweg die Straße aus (917113DIASHOW: Die Bilder der Tour de France).

Als Zweitplatzierter musste Degenkolb mitansehen wie Tagessieger Tony Gallopin jene Pose zeigte, die auch er endlich vorführen will: jubelnd als Erster über die Ziellinie zu fahren. "Das Rennen war 200 Meter zu kurz. Das kann man nicht ändern", sagte Degenkolb.

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"Mit 95 Prozent bist du chancenlos"

Seit seinem folgenreichen Sturz auf dem fünften Tagesabschnitt waren Degenkolbs Ambitionen eigentlich erst einmal wesentlich profaner geworden. Der gebürtige Geraer wollte einfach nur am 27. Juli in Paris ankommen - an mehr mochte er auch am ersten Ruhetag noch nicht denken.

"Mit 95 Prozent Leistung bist du bei der Tour chancenlos und ich bin von 95 Prozent noch weit entfernt", sagte der Giant-Shimano-Profi in Besancon. Am Mittwoch bewies er, dass er wohl doch über größere Reserven verfügt (DATENCENTER: Die Gesamtwertung der Tour de France).

Nur die Faszination der Tour ließ bislang den Kampfgeist des angeschlagenen Degenkolb, der an einem kleinen Muskelriss im Gluteus maximus leidet, nicht erlahmen.

"Bei jedem anderen Rennen würde ich nach Hause fahren", sagte er und berichtete von teils "höllischen" Qualen an den vorherigen Tagen. Nur unter der Zuhilfenahme von erlaubten Schmerzmitteln hatte der Klassiker-Spezialist die erste Tour-Hälfte überhaupt durchstehen können.

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Mit Leidensmiene über die Straßen

Seine Landsleute Andre Greipel, Tony Martin und insbesondere Teamkollege Marcel Kittel waren mit insgesamt fünf Etappensiegen ins internationale Rampenlicht gefahren, während Degenkolb sich mit Leidensmiene über die französischen Straßen plagte.

"Der einzige Wermutstropfen bin ich", sagte Degenkolb. In Ziel von Oyonnax hätte er die deutsche Erfolgsgeschichte fast fortgeschrieben.

Dennoch war es ein nicht für möglich gehaltener Überraschungscoup. "Ich spüre keine Baseballschläger mehr an der Hüfte", sagte Degenkolb, als er schon wieder entspannt lachen konnte: "Der Ruhetag hat wirklich gut getan." Degenkolb, der Ende März bei Gent-Wevelgem gewann, hat inzwischen sein großes Ziel wieder im Visier.

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Kittel erkennt Angriffslust" bei Degenkolb

Marcel Kittel hatte die "Angriffslust" bei Degenkolb schon zuvor erkannt. "Ich würde ihn nicht abschreiben, ich bin sicher, dass er noch ein Ding raushauen kann", sagte der siebenmalige Tour-Etappensieger.

Schon am Donnerstag kommt wieder ein Teilstück, das Degenkolb liegen dürfte (914879DIASHOW: Die Etappen der Tour de France).

"Es ist nicht ganz so schwer wie heute", sagte er über den Abschnitt von Bourg-en-Bresse nach St. Etienne (185,5 km), in dem auf seine Giant-Kollegen viel Arbeit wartet, damit es erneut zum Sprint einer größeren Gruppe kommt.

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