Es war die knappste Entscheidung bei der Tour: Greg LeMond und Laurent Fignon trennten Sekunden. Wolfgang Kleine erinnert sich

Tour de France - Vor 25 Jahren war die Entscheidung bei der Tour de France (tägl. im LIVE-TICKER) so knapp wie nie.

Es war das Duell zwischen Greg LeMond und Laurent Fignon.

Der Anblick sorgte bei den Radsport-Fans für Aufsehen. Da raste ein Profi beim Zeitfahren mit einer eigenartigen Lenker-Konstruktion sehr windschnittig auf seiner Maschine in Richtung Champs-Elysees. Unglaublich schnell.

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LeMond mit Tropfenhelm

Es war LeMond. Der US-Amerikaner benutzte an diesem 23. Juli 1989 erstmals den Triathlon-Lenker und den Tropfenhelm, um im abschließenden Kampf gegen die Uhr doch noch die Tour de France zu gewinnen.

Über 1000 Kilometer entfernt hockte an diesem Tag vor 25 Jahren ein damals 15-Jähriger vor dem Fernsehschirm und verfolgte begeistert das Duell zwischen LeMond und dem bis zu der Schlussetappe nach Paris führenden Franzosen Fignon.

Der Ausgang ist bekannt. LeMond nutzte die technische Innovation, war im Zeitfahren 58 Sekunden schneller als Fignon und gewann die Tour mit dem bisher minimalsten Vorsprung von acht Sekunden.

Inspiration für Jan Ullrich

Völlig erschöpft, aber überglücklich die Finger hebend saß LeMond im Ziel auf dem Asphalt, während Fignon nach dem Drama viel Zuspruch der Betreuer benötigte.

Der vor dem TV-Schirm saß, war einer, der dann am 29. Juni 1996 in seine erste Tour startete und ein Jahr später in Paris triumphierte: Jan Ullrich.

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Wie er während der Tour 1996 immer wieder betonte, habe ihn das packende Duell 1989 zwischen den beiden Protagonisten LeMond und Fignon so fasziniert, dass er sich vornahm, auch einmal auf den Champs-Elysees im Gelben Trikot zu fahren. Doping war für ihn da noch weit weg?

Kampf gegen das Schicksal

Zurück zu LeMond und Fignon - zwei Ex-Profis, die auch gegen Schicksale kämpfen mussten.

LeMond wurde ein Jahr nach seinem ersten Tour-Erfolg 1986 mit dem drohenden Tod konfrontiert. Der Amerikaner erlitt Ostern 1987 bei einem Jagdunfall mit seinem Schwager lebensgefährliche Verletzungen.

Er war versehentlich mit Schrotkugeln angeschossen worden. LeMond überlebte, weil ein zufällig in der Nähe vorbeifahrender Rettungswagen im Einsatz war. Dutzende der Kugeln sind noch heute in seinem Körper.

Damals kämpfte sich LeMond durch, setzte sich wieder aufs Rad und gewann 1989 sowie 1990 die Tour.

Kampf gegen Krebs verloren

Laurent Fignon stand noch der größte Kampf seines Lebens bevor. Mit 49 Jahren litt er an Bauchspeicheldrüsen-Krebs. Der Franzose erklärte nach einigen Chemotherapien: "Ich weiß nicht, wie lange mir noch bleibt." Und dann wies er auf ein Problem hin, das auch heute viele Diskussionen überlagert: Doping!

"Ich kann nicht behaupten, dass Doping bei meiner Krankheit keine Rolle gespielt hat." Und er sagt: "Was wir damals nahmen, ist gegenüber dem, was heute läuft, noch harmlos. Ich rechne damit, dass die heutigen Profis in zehn oder 20 Jahren dafür bezahlen müssen."

Am 31. August 2010 hatte Fignon kurz vor seinem 50. Geburtstag den Kampf gegen den Krebs verloren.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 bis 1998 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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