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Thibaut Pinot (l.) gewann bereits 2012 eine Tour-Etappe. Die Bilder der Tour de France ZUM DURCHKLICKEN © getty

Romain Bardet und Thibaut Pinot trumpfen bei der Tour de France auf und lassen Frankreich von zukünftigen Gesamtsiegen träumen.

Carcassonne - Es ist in etwa so, als würde Franz Beckenbauer einen jungen deutschen Fußballer adeln.

Wenn Chefkritiker Bernard Hinault einen französischen Radprofi würdigt, dann hat das Gewicht, es kommt einem Ritterschlag nahe. Hinault ist jahrelang sehr sparsam mit seinem Lob gewesen, doch Thibaut Pinot und Romain Bardet haben sich den Zuspruch verdient.

"Es gefällt mir, wie sich diese neue Generation durchsetzt. Das zeigt, dass sie Charakter hat", sagte Hinault (917113DIASHOW: Die Bilder der Tour de France).

Pinot und Bardet verkörpern die neue Hoffnung der Grande Nation auf einen Sieger bei ihrer Tour de France (tägl. im LIVE-TICKER). Keineswegs schon in diesem Jahr, da scheint der Italiener Vincenzo Nibali übermächtig. Doch in absehbarer Zeit.

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Pinot und Bardet haben Podium im Visier

Obwohl das Tour-Organ "L'Equipe" vor den Alpen da noch ganz anderer Ansicht war: `Dieses Jahr oder nie", titelte das Blatt euphorisch in der Annahme einer historischen Gelegenheit nach den Ausfällen von Christopher Froome und Alberto Contador.

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Pinot (24) und Bardet (23) standen am zweiten Ruhetag der Tour unter den besten Vier der Gesamtwertung, sie hinterließen hinter Nibali den bisher stärksten Eindruck im Hochgebirge.

Wenigstens einer von beiden könnte in Paris tatsächlich auf dem Podium stehen, es wäre der erste Franzose seit dem international umstrittenen Richard Virenque, der während der Epo-Ära 1997 hinter Jan Ullrich Zweiter wurde.

Zeitfahren droht

Zudem kämpfen Pinot und Bardet um das Weiße Trikot des besten Jungprofis. "Es ist noch viel zu früh, daran zu denken", sagt Bardet zwar. Doch schon die Aussicht auf diese Erfolge zieht Frankreich in den Bann (DATENCENTER: Die Gesamtwertung der Tour de France).

Die Pyrenäen dürften ab Dienstag dann auch deutlich stärker als zuletzt von französischen Anhängern bevölkert werden, und die können sich auf eine offensive Taktik ihrer Lieblinge freuen.

Denn Pinot und Bardet brauchen vor dem langen Einzelzeitfahren am Samstag, ihrer Problemdisziplin, gerade auf den Amerikaner Tejay van Garderen ein komfortables Polster. "Die Pyrenäen sind mir am liebsten. Ich bin in einer großartigen Ausgangslage und bereit zum Angriff", sagt Bardet.

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Frankreich liebt Angriffsstil

Es ist ohnehin eine Eigenschaft, die Pinot und Bardet so beliebt machen. Beide sind keine Zauderer, sie gehen Wagnisse ein. AG2R-Profi Bardet zeichnen dem Vernehmen nach neben seinen Kletterkünsten auch ein gutes taktisches Gespür und mentale Stabilität aus (581743DIASHOW: Die Tour der Leiden).

FDJ-Fahrer Pinot darf für sich beanspruchen, dass er bereits eine veritable Krise durchstanden hat. Bei seiner ersten Tour 2012 hatte er gleich eine Etappe gewonnen, 2013 stieg er dann deprimiert vorzeitig vom Rad, weil nahezu alles schief ging.

Hinault ist begeister

Frankreichs Radsport-Renaissance wird gerne auch mit dem generellen Wandel erklärt. Seit dem Festina-Skandal 1998 befand sich die Grande Nation in einem regelrechten Trauma.

Vermeintlich rigider als anderswo gingen die Behörden gegen Dopingsünder zu Werke und Frankreich sah sich über Jahre schwer benachteiligt. Über den "Radsport der zwei Geschwindigkeiten" wurde oft debattiert. Nun vermutet man wieder Waffengleichheit (914879DIASHOW: Die Etappen der Tour de France).

Und der fünfmalige Tour-de-France-Sieger Hinault ist froh, dass sich jemand sein ewiges Lamentieren zu Herzen genommen hat. "Es hat lange gedauert, bis jemand auf meine Worte so reagiert. Das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft."

Seinem Nachfolger will er schließlich noch selbst die Hand schütteln. Im November wird Hinault 60.

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