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Vincenzo Nibali dominiert die Tour de France 2014

Vincenzo Nibali dominiert die Tour de France. Er sieht sich als Teil einer neuen Ära - obwohl ihn viele Zweifel begleiten.

Nimes - Für Glückwünsche war noch keine Zeit, Vincenzo Nibali hätte sie trotz seines dominanten Auftritts in den Alpen gewiss auch nicht angenommen. Wegen der Unberechenbarkeit der Tour de France und weil ja noch die Pyrenäen kommen.

Doch der Patron der 101. Tour-Ausgabe (tägl. im LIVE-TICKER) muss sich erst einmal weiterhin unangenehmen Fragen stellen - zu "Dottore Epo" Michele Ferrari zum Beispiel.

2009 hatte es Anschuldigungen gegeben, Nibali sei in der Nähe Ferraris gesehen worden und arbeite mit ihm zusammen. (DATENCENTER: Die Gesamtwertung der Tour de France).

Mit Gelassenheit gegen böse Vorwürfe

Der Sizilianer ließ gerichtlich dagegen intervenieren und die Verdächtigungen wurden zurückgezogen.

Nibali wurde also am Samstag nach der Bergankunft in Risoul noch einmal damit konfrontiert, ob er denn den skandalumwitterten Trainer je getroffen habe und entgegnete mit Bestimmtheit: "Nein, ich bin ihm nie persönlich begegnet."

Die angeblichen Fotos mit ihm und Ferrari habe es nie gegeben.

Doping ein Teil der Vergangenheit

Ähnlich gelassen war Nibali auch in Saint-Etienne mit Zweifeln an der Glaubwürdigkeit seines Teams Astana umgegangen - dem staatlichen Rennstall des autoritären Kasachstan, bei dem mehrere überführte Doper die Fäden ziehen, an vorderster Stelle Teammanager Alexander Winokurow.

"Es ist doch normal, ich hatte dieselben Fragen letztes Jahr beim Giro", sagte er, und das Doping aus seiner Sicht ein Teil der Vergangenheit sei.

Glanzvolle Alpen-Überquerung

Diese dunkle Ära könne man aber hinter sich lassen mit den Fahrern der neuen Generation, zu denen Nibali sich zählt. (917113DIASHOW: Die Bilder der Tour de France).

Dieser Nibali, er wirkt unantastbar bei dieser Tour. Nicht nur auf dem Rad, er meistert auch die Begleitumstände des größten Radrennens mit merklicher Souveränität und einem höflichen Auftreten. Das Renngeschehen beherrschte Nibali schon auf dem Kopfsteinpflaster Nordfrankreich, dann auch weitgehend in den Vogesen.

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Den Alpenetappen drückte er eindrucksvoll seinen Stempel auf, gewann dazu bislang drei Etappen. Der 29-Jährige ist unbestritten der stärkste Fahrer im Peloton, vor allem seit Titelverteidiger Chris Froome und Alberto Contador ausgeschieden sind.

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Bei der mit 237,5 km längsten Etappe nach Bagneres-de-Luchon kam Nibali mit der ersten Verfolgergruppe ins Ziel und behauptete seinen Vorsprung in der Gesamtwertung.

"Ich habe letztes Jahr jedes Rennen gewonnen"

Auseinandersetzen muss sich Nibali mit beiden gleichwohl, denn so mancher sieht die Wertigkeit des möglichen Triumphs nun gemindert.

"Warum denn?", entgegnet der Träger des Maillot jaune: "Ich habe letztes Jahr so ziemlich jedes Rennen gewonnen, auch mit Contador und Froome. Ich habe den Giro gewonnen und ich war Zweiter bei der Vuelta. Ich war eben nur nicht bei der Tour." (914879DIASHOW: Die Etappen der Tour de France)

Er sei einfach in großartiger Verfassung zur Frankreich-Rundfahrt angetreten und definitiv mit Contador und Froome auf Augenhöhe. "Außerdem habe ich auf den Straßen von Paris-Roubaix schon wertvolle Zeit herausgeholt."

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Der "Sonnenkönig" der Tour

In der Tat hatte sich Nibali dort mit einer sowohl taktisch als auch fahrtechnisch erstklassigen Vorstellung eine glänzende Ausgangsposition verschafft.

"Mut und Klasse, Laseraugen und ein Herz, das für einen Traum schlägt", attestierte ihm danach die "Gazzetta dello Sport", die auch seine überzeugende Kletterkünste feierte: Nibali sei jetzt "der Sonnenkönig" der Tour. (581743DIASHOW: Die Tour der Leiden).

Neuer Hoffnungsträger

Der "Corriere dello Sport" verfasste gar eine Liebeserklärung an den neuen Helden der Tifosi, der in Paris 16 Jahre nach Marco Pantani der erste Italiener in Gelb wäre.

"Wenn der Radsport eine Hoffnung hat, das Vertrauen Hunderter Fans zurückzuerobern, dann muss man jetzt Vincenzo Nibali voll genießen. Wir haben uns in Nibali verliebt."

"La Repubblica" findet, der italienische Meister dirigiere die Tour wie einen Walzer.

Wenn er in den Pyrenäen den Takt nicht verliert, läuft alles auf einen grandioses Finale hinaus.

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