vergrößernverkleinern
Oben auf der Ziellinie feiert der Pole von Tinkoff-Saxo bereits seinen zweiten Etappensieg bei dieser Tour de France
Rafal Majka hat seine zweite Etappe bei der Tour de France gewonnen. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder der Tour © getty

Majka holt bei der schweren Bergankunft der 17. Etappe seinen zweiten Sieg, der Triumph hat aber einen bitteren Beigeschmack.

Saint-Lary - Tour-Debütant Rafal Majka hat sich auf der Königsetappe der 101. Tour de France (tägl. im LIVE-TICKER) zum Sieg geschummelt, Vincenzo Nibali fährt unbeirrt seinem ersten Tour-Sieg entgegen.

Beim zweiten Pyrenäen-Showdown auf der 124,5 km kurzen, aber sehr intensiven Etappe von Saint-Gaudens nach Saint-Lary Pla d'Adet zeigte der Italiener erneut eine dominante Vorstellung.

Nibali baute seinen ohnehin großen Vorsprung trotz vier schwerer Bergwertungen weiter aus. (917113DIASHOW: Die Bilder der Tour de France)

Majka schummelt

Majka setzte bei der anspruchsvollen Kletterpartie mit seinem zweiten Etappensieg zwar die jüngste Erfolgsserie des Teams Tinkoff-Saxo fort, bediente sich dabei aber unlauterer Mittel:

Im Schlussanstieg hielt sich Majka - wenn auch nur kurz - bei seiner entscheidenden Attacke an einem TV-Motorrad fest und zog sich nach vorne.

SHOP: Jetzt Radsport-Artikel kaufen

Glückwunsch von Riis

Majka feierte seinen erneuten Triumph gebührend. Strahlend klopfte er sich mit der Faust auf die Brust und nahm nach der Zieldurchfahrt die Glückwünsche seines Teamchefs Bjarne Riis entgegen.

"Riis hat gesagt, 'hol' dir die Etappe und du wirst das Bergtrikot bekommen'. So habe ich es gemacht, unser Plan ist aufgegangen", sagte Majka.

Die Tinkoff-Mannschaft des verletzt ausgestiegenen Mitfavoriten Alberto Contador hat durch Majka und den Australier Michael Rogers nun drei der vergangenen vier Etappen gewonnen.

Französische Allianz fordert Nibali

Nibali kontrollierte lange Zeit scheinbar mühelos das Geschehen im Hauptfeld und verbrachte fast die gesamte Renndistanz an der Seite seiner Herausforderer.

Erst als die französischen Podestkandidaten Romain Bardet (AG2R), Thibaut Pinot (FDJ) und der 37-jährige Peraud attackierten, machte auch Nibali ernst.

Erst parierte er ohne Probleme die Offensive seiner Rivalen, dann setzte der "Hai von Messina" prompt zum Gegenangriff an. (914879DIASHOW: Die Etappen der Tour de France)

"Vier Anstiege auf 124 Kilometern, das war sehr gefährlich. Das Rennen hätte explodieren können", sagte Nibali, der nun 5:26 Minuten vor dem Spanier Alejandro Valverde liegt. Das beachtliche Trio aus der Grande Nation folgt dahinter.

Peraud folgt, Valverde fällt zurück

Auf den rund zehn Prozent steilen Rampen folgte nur Peraud dem Tempo Nibalis und erreichte an dessen Seite 46 Sekunden nach Majka das Ziel.

Der Spanier Alejandro Valverde (Movistar) verteidigte als Etappenzehnter den zweiten Gesamtplatz zwar erfolgreich, verlor Nibali aber weiter aus den Augen.

Valverdes Rückstand wuchs auf stattliche 5:26 Minuten an. (DATENCENTER: Die Gesamtwertung der Tour de France)

Der Tscheche Leopold König aus dem deutschen Team NetApp-Endura hält indes weiter Kurs auf die Top-Ten.

König verlor am Mittwoch zwar mehr als drei Minuten auf Nibali, ist als Gesamtneunter aber weiterhin gut platziert.

Nibali schon von Renzi eingeladen

Nibali kann wohl nur noch ein nicht zu erwartender Einbruch auf der letzten Bergetappe am Donnerstag vom Gesamtsieg abhalten.

Italien hat sich jedenfalls bereits auf den ersten heimischen Tour-Sieger seit Marco Pantanai 1998 eingestellt: Bereits am Dienstag wurde Nibali vom italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi zu dessen Amtssitz Palazzo Chigi in Rom eingeladen.

Stehvermögen bewiesen

Mit Ausnahme eines Tages trägt Nibali seit dem 7. Juli das Gelbe Trikot auf seinen Schultern und selten stand es ihm so gut wie nach der kurzen, aber sehr intensiven Etappe zum Skiresort Pla d'Adet.

"Es war wichtig, intelligent zu fahren und ruhig zu bleiben", sagte Nibali, der auch während einer Offensive der starken französischen Fraktion das nötige Stehvermögen bewies.

Als Tagesdritter rollte der 29-Jährige ins Ziel, nur Routinier Peraud (AG2R) hielt sein Hinterrad bis zum Schluss.

Voigt in der Fluchtgruppe

Unmittelbar nach dem Start hatte sich eine achtköpfige Fluchtgruppe gebildet, zu der auch Oldie Jens Voigt gehörte. (581743DIASHOW: Die Tour der Leiden)

Entscheidend setzte sich die Gruppe auf dem rund 50 km langen Flachstück bis zur ersten Bergwertung aber nicht ab und wurde am Col du Portillon umgehend gestellt.

Kyrienka setzt sich ab

An dem Anstieg der ersten Kategorie folgten zahlreiche Attacken, schließlich bildete sich eine 22-köpfige Fahrergemeinschaft. Viel hielt Vasil Kyrienka von allzu großem Zusammenhalt allerdings nicht.

Der Weißrusse vom Sky-Team setzte sich vor dem Col de Peyresourde rund 70 km vor dem Ziel ab und begann eine Solofahrt, die kurz vor dem Gipfel des Col de Val Louron-Azet nach weiteren 50 km aber Geschichte war.

Kampf ums Bergtrikot

In der Verfolgergruppe entbrannte ein heißer Zweikampf zwischen Majka und dem Vorjahresdritten Joaquim Rodriguez (Spanien/Katjuscha) um das Bergtrikot.

Lange schien Rodriguez das bessere Ende für sich zu haben, doch durch seinen regelwidrigen, aber auch beherzten Antritt auf dem Weg ins Ziel sicherte sich der Pole nicht nur den Tagessieg, sondern baute auch seine Führung im Kampf um das Gepunktete Trikot aus.

Mit 149 Punkten führt Majka die Wertung vor Nibali (118) und Rodriguez (112) an.

Legendärer Tourmalet

Bevor es allmählich in Richtung Paris geht, wird es am Donnerstag noch einmal richtig schmerzhaft. Die letzte Bergetappe führt über 145,5 km von Pau nach Hautacam.

Neben zwei kleineren Anstiegen zu Beginn muss das Peloton auch zwei Bergwertungen der Ehrenkategorie bewältigen. Dabei geht es auch über den legendären Col du Tourmalet.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel