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Vincenzo Nibali gewann die Tour de France 2014
Nibali hat seine vierte Etappe bei der Tour de France gewonnen. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder der Tour © getty

Vincenzo Nibali stellt bei der finalen Bergetappe seine Ausnahmestellung unter Beweis. Alejandro Valverde fällt dagegen zurück.

Hautacam - Nachdem Vincenzo Nibali zum finalen Schlag ausgeholt hatte, klopfte sich der Dominator der Tour de France auf sein Gelbes Trikot und reckte triumphierend die Arme in der Höhe.

Im Stile eines Champions hat Vincenzo Nibali seinen ersten Tour-Titel zementiert, der Italiener kann sich als designierter Sieger der 101. Tour de France (tägl. im LIVE-TICKER) feiern lassen und den Sekt kaltstellen.

Bergtrikot für Majka

Hinter dem alles beherrschenden Sizilianer bejubelte im Teamfahrzeug Astana-Manager Alexander Winokurow frenetisch die beeindruckende Darbietung und drückte seinen Schützling im Ziel fest an sich.

"Ich habe zwei Jahre daran gearbeitet, bei der Tour in dieser Form zu sein", sagte Nibali, der bei der Siegerehrung feuchte Augen zu haben schien. Winokurow reagierte euphorisch: "Wir können Paris schon sehen."

Der Pole Rafal Majka darf am Sonntag als Gewinner des gepunkteten Bergtrikots das Podium auf den Champs-Elysees betreten.

Sieg für die Mannschaft

"Ich wollte einfach einen weiteren Etappensieg haben. Das ist für die ganze Mannschaft, die so hart gearbeitet hat", sagte Nibali.

Nur ein Sturz auf den letzten drei Etappen kann den Giro-Sieger von 2013 noch von seinem Meisterstück abbringen, angesichts zweier Flachetappen und eines Zeitfahrens ist davon aber nicht auszugehen (914879DIASHOW: Die Etappen der Tour de France).

Der Vorsprung auf den zweitplatzierten Thibaut Pinot (FDJ.fr) beträgt nach der 145,5 km langen 18. Etappe von Pau nach Hautacam komfortable 7:10 Minuten. "Das ist eine große Lücke. Ich glaube, dass ich in einer relativ sicheren Position bin", sagte Nibali.

Nibali kontert Attacke von Horner

Auf dem Schlussanstieg demonstrierte der "Hai von Messina" seine ganze Klasse und stellte seine Ausnahmestellung bei der Tour 2014 erneut eindrucksvoll unter Beweis.

Rund zehn Kilometer vor dem Ziel konnte der 29-Jährige als einziger Fahrer eine Attacke des amerikanischen Vuelta-Siegers Chris Horner (Lampre), der Nibali bei der Spanien-Rundfahrt 2013 noch auf den zweiten Platz verdrängt hatte, parieren (917113DIASHOW: Die Bilder der Tour de France). Kurz darauf verschärfte Nibali selbst das Tempo und ließ den verdutzten 42 Jahre alten Oldie wie einen Amateur stehen.

Nur eine leichtsinnige Zuschauerin hätte seine Triumphfahrt beinahe gestoppt. Nibali kollidierte mit der jungen Frau, die mit dem Rücken zum Rennen stand und mit ihrem Telefon spielte. Er kam kurz aus der Balance, fing sich jedoch wieder und setzte sein einsames Rennen fort.

"Bei der Tour passieren solche Sachen, aber das hätte wirklich schief gehen können", sagte Nibali.

Nachfolger von Pantani

Der restliche Weg zur Bergankunft wurde für Nibali zu einer einzigen Triumphfahrt. Im Alleingang flog der Astana-Kapitän an den letzten Ausreißern vorbei und bejubelte am Ende seinen vierten Etappensieg.

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Er wird aller Voraussicht nach am Sonntag als erster Italiener seit Marco Pantani 1998 die Tour gewinnen. "Er ist eine Wahnsinnstour gefahren", sagte Astana-Kollege Michele Scarponi.

Durch seine herausragende Leistung setzte Nibali besonders Majka unter Druck. Der zweimalige Etappensieger vom Team Tinkoff-Saxo ging jedoch wie Nibali in den roten Bereich und kämpfte sich zum dritten Platz - damit ist dem 24 Jahre alten Tour-Debütanten der Gewinn der Bergwertung nicht mehr zu nehmen.

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Fluchtgruppe ohne Deutsche

Kurz nach dem Start bildete sich eine 20-köpfige Fluchtgruppe, in der sich allerdings keiner der zehn deutschen Fahrer engagierte.

Mit rund drei Minuten Vorsprung erreichte die Gruppe geschlossen den Fuß des legendären Col du Tourmalet, dem einzigen der vier "heiligen Berge" der Tour, der es in das Programm der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt geschafft hat (925664DIASHOW: Tourmalet: Schicksalsberg der Tour de France).

Auf dem 17,1 km langen Weg zum wolkenverhangenen Gipfel flog die Spitzengruppe aber schnell auseinander, als erster Fahrer überquerte der französische Sieger der achten Etappe, Blel Kadri (AG2R), die Kuppe und sicherte sich das mit 5000 Euro dotierte Souvenir Jacques Goddet. Dieses wird zu Ehren des langjährigen Tour-Direktors vergeben.

Valverde fällt zurück

Gemeinsam mit dem Spanier Mikel Nieve (Sky) hielt sich Kadri in der Folge lange an der Spitze, ehe sich Nieve absetzte. Gegen den fulminanten Soloritt Nibalis war der 30-Jährige aber komplett machtlos.

Im Rennen um die Podestplätze musste der Spanier Alejandro Valverde eine Schlappe hinnehmen.

Der Movistar-Kapitän konnte auf dem Weg ins Ziel dem Tempo nicht mehr folgen und verlor seine französischen Rivalen Pinot und Jean-Christophe Peraud (AG2R) aus den Augen. Valverde rutschte auf den vierten Platz hinter Pinot und Peraud ab (DATENCENTER: Die Gesamtwertung der Tour de France).

Nach den schmerzhaften Tagen in den Pyrenäen können sich die Sprinter am Freitag endlich für die Schindereien entschädigen. Auf dem Weg in Richtung Paris steht eine 208,5 km lange Flachetappe von Maubourguet nach Bergerac auf dem Programm.

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