vergrößernverkleinern
Jens Voigt ist Rekordstarter bei der Tour de France
Jens Voigt debütierte 1998 bei der Ausgabe "Tour de Dopage". ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder der Tour © getty

Jens Voigt kämpft sich bei seiner letzten Tour dem Ziel entgegen. Bis zum Schluss kämpft er gegen das Schmuddelimage des Klassikers.

Bagneres-de-Luchon - Jens Voigt hat es nicht bereut, und es war schon jetzt alles dabei.

"Das ganze Kaleidoskop", sagt der Radsport-Altmeister, habe er erlebt bei dieser Tour de France (tägl. im LIVE-TICKER), seiner 17. und letzten.

Die Freude, gut genug für eine Nominierung gewesen zu sein. Der Genuss, wenn ihm die Menschen applaudieren.

Aber auch das Leiden, wenn der Schmerz der Anstrengung durch den Körper kriecht, und ein bisschen Angst, wenn der beinharte Kampf um die Positionen das Sturzrisiko dramatisch erhöht (917113DIASHOW: Die Bilder der Tour de France). Er genießt es noch einmal.

Auf dem Prachtboulevard

Voigt hat es bald geschafft, die Pyrenäen hat er durchgestanden - sich auf der Königsetappe ein allerletztes Mal über den mythischen Col du Tourmalet gequält (925664DIASHOW: Tourmalet: Schicksalsberg der Tour de France). Spätestens jetzt ist Paris ganz nah.

Der fast 43-Jährige würde die französische Metropole zum 14. Mal in seiner Tour-Karriere erreichen, sich noch einmal feiern lassen von den Millionen Menschen, die den Prachtboulevard Champs Elysees am Sonntag säumen werden.

"Ein toller Augenblick, das werde ich nochmal in vollen Zügen genießen", sagt der gebürtige Mecklenburger. Champagner schlürfen kann er aber erst, wenn die 3664 km geschafft sind und die Ehrenrunde dran ist.

"Es war eine schwere Arbeit für mich", sagte der Profi des Teams Trek am zweiten Ruhetag. Helferdienste hatte er zu verrichten vor allem für den Luxemburger Fränk Schleck, der noch in die Top 10 der Gesamtwertung vorstoßen möchte (DATENCENTER: Die Gesamtwertung der Tour de France).

"Man wird demütiger"

Die Pyrenäen sind für den Berliner ein Ort des sportlichen Überlebenskampfes geworden. Früher hätte er dort der Konkurrenz zugesetzt.

"Vor zehn Jahren hätte ich gesagt: Na klar greife ich an. Jetzt gucke ich, wo das Zeitlimit ist. Man wird demütiger", schildert er. Ein für Ausreißer wie ihn förmlich prädestinierter Kurs käme ja auch gar nicht mehr, meint er (914879DIASHOW: Die Etappen der Tour de France).

SHOP: Jetzt Radsport-Artikel kaufen

Und so denkt Voigt darüber nach, was passiert, wenn es endgültig vorbei ist am Saisonende. "Man ist ein bisschen unsicher. Ich bin jetzt in meinem 33. Jahr Radfahrer, also ein Drittel eines Jahrhunderts. Wenn das auf einmal weg ist, das ist schon ein großer Schnitt in meinem Leben - ein respekteinflößender Gedanke."

Vielleicht macht er als sSportlicher Leiter in seinem Team weiter, vielleicht kehrt er im nächsten Sommer als TV-Experte zur Tour zurück, vielleicht als Fan - Voigt weiß das noch nicht. "Vielleicht bin ich auch am Baggersee mit unseren sechs Kindern und grille."

[tweet url="//twitter.com/letour"]

Gegen das Schmuddelimage

Die Große Schleife ohne Jens Voigt - es ist nicht mehr weit bis dahin. 1998 debütierte er bei der Ausgabe, die durch den Festina-Skandal als "Tour de Dopage" in die Analen eingegangen ist.

Voigt gewann in seiner Laufbahn zwei Etappen, er trug zweimal das Maillot jaune (Gelbe Trikot), er eroberte zum diesjährigen Auftakt in Yorkshire noch einmal das Bergtrikot.

Er tritt ab mit dem Teilnahmerekord und der Ansicht, dass der Radsport etwas Besseres als ein Schmuddelimage verdient hat.

Andere Zeiten erlebt

"Ich sehe in dieser Tour nicht ein einziges Ergebnis, das nicht erklärbar ist mit Trainingsfleiß und Talent. Das Roboterhafte gibt es heutzutage nicht mehr. Da bin ich sicher", meint er.

Und dass er mit seinen fast 43 Jahren noch mitfahren könne, sei ein weiteres Indiz. "Wer vernünftig trainiert und hart arbeitet, der hat seine Chancen."

Voigt beweist, dass er auf seinen letzten Kilometern der Tour noch mithalten kann.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel