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Heinrich Haussler kam als 14-Jähriger aus Australien nach Deutschland © getty

Im Interview der Woche spricht Heinrich Haussler über seinen starken Saisonstart und die Rückkehr in seine Heimat Australien.

Von Andreas Kloo

München - Es ist seine Saison bislang: Der Deutsch-Australier Heinrich Haussler überzeugte bei den Klassikern Mailand-San Remo und der Flandern-Rundfahrt mit zwei zweiten Plätzen, liegt in der Weltrangliste ganz vorn.

Doch nicht nur auf der Strecke sorgte er für Aufsehen: Anfang April gab der 25-Jährige bekannt, ab 2010 für die australische Nationalmannschaft zu starten (Haussler plant den Abgang)

"Ich hatte das schon in den letzten zwei, drei Jahren vorgehabt, werde wohl auch in ein paar Jahren zurück nach Australien ziehen", erklärt Haussler bei Sport1.de seine Auswanderungspläne.

Im Interview der Wochespricht der Profi vom Team Cervelo außerdem über die Gründe für seine derzeitige Top-Form, seine weitere Saisonplanung und die Rückkehr von Lance Armstrong.

Sport1.de: Herr Haussler, Sie haben einen sehr guten Saisonstart hingelegt mit drei Siegen und zwei zweiten Plätzen bei Klassikern, führen in der Weltrangliste.(DATENCENTER: Alle Ergebnisse) Dennoch werden ihre Erfolge in der Öffentlichkeit nicht stark gewürdigt oder sogar argwöhnisch betrachtet. Wünschen Sie sich derzeit manchmal in einer anderen Sportart tätig zu sein?

Heinrich Haussler: Nein, ich hoffe und glaube, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es mit dem Radsport in Deutschland wieder bergauf geht. In den anderen Ländern ist die Situation völlig anders. Ich war in den letzten Wochen in Frankreich und Belgien, da musste ich täglich viele Interviews geben. Generell bin ich aber kein Typ, der ständig seinen Namen in der Zeitung lesen muss.

Sport1.de: War das aktuell schlechte Image des Radsports in Deutschland ausschlaggebend dafür, dass Sie sich entschieden haben, ab 2010 für die australische Nationalmannschaft zu starten?

Haussler: Ich bin ja halb Australier, halb Deutscher, meine Mutter ist Australierin, mein Vater ist Deutscher. Ich bin in Australien aufgewachsen und mit 14 bin ich dann nach Deutschland gekommen, um Radprofi zu werden. Viele denken jetzt: 'der ist sauer, weil er bei den letzten Großereignissen nicht für Deutschland starten durfte'.

Sport1.de: Und das ist nicht der Fall?

Haussler: Nein, das war eine rein persönliche Entscheidung aus dem Bauch heraus. Ich hatte das schon in den letzten zwei, drei Jahren vorgehabt. Aber da fuhr ich noch für Gerolsteiner, und Herr Holczer (Ehemaliger Teamchef Gerolsteiner) meinte, ich solle für Deutschland fahren. Jetzt ist die Lage anders. Ich bin in einem internationalen Team mit vielen Australiern. Ich denke, dass ich auch in sieben, acht Jahren zurück nach Australien ziehen werde.

Sport1.de: Die Sprinter-Konkurrenz ist allerdings in Australien auch nicht gerade klein: McEwen, O'Grady, Davis, Cook?

Haussler: Ja, aber es geht mir nicht um einen Startplatz bei der WM, meine Entscheidung hat damit wirklich nichts zu tun.

Sport1.de: Wie erklären Sie sich denn Ihre enorme Leistungssteigerung in den ersten Monaten des Jahres? Haben Sie mit diesen Erfolgen gerechnet?

Haussler: Nein, auf keinen Fall. Ich wusste zwar, dass es diese Saison viel besser laufen würde als zuletzt. Ich habe im Winter besser und anders trainiert. Ich war drei Wochen im Dezember in der Höhe in St. Moritz. Ich habe viel Krafttraining für die Beine gemacht. Sonst bin ich auch immer nach Australien über den Winter, diesmal blieb ich in Europa. Ich habe auch viel früher angefangen, habe nur zwei Wochen Pause nach der Vuelta gehabt.

Sport1.de: Was sagen Sie denn Leuten, die hinter Ihrer Leistungssteigerung Doping vermuten?

Haussler: Was soll ich denen sagen? Am Besten gar nichts. In Deutschland glaubt man sowieso keinem Radsportler mehr. Das Vertrauen wurde leider durch die Leute zerstört, die in den letzten Jahren positiv waren.

Sport1.de: Spielte das neue Team auch eine Rolle für Ihre Verbesserung?

Haussler: Ja, ich habe die hundertprozentige Unterstützung vom Team. Die Mannschaft fährt voll für mich, wenn es zum Sprint kommt oder wenn es bei den Klassikern auf die Kopfsteinpflaster geht. Vor dem Zielspurt habe ich noch 100 Prozent Kraft, weil die Kollegen alles für mich machen.

Sport1.de: Mit anderen Worten: Bei Gerolsteiner fehlte Ihnen diese hundertprozentige Unterstützung?

Haussler: Das waren andere Zeiten. Bei Gerolsteiner war ich überhaupt nicht in der Position, um die volle Unterstützung der Mannschaft zu fordern. Das macht einen Riesenunterschied aus. Wir haben bei Cervelo meiner Meinung nach die beste Klassikermannschaft der Welt. Bei Gerolsteiner aber waren die Kopfsteinpflaster-Rennen nicht so wichtig. Da spielten beispielsweise die Ardennen-Klassiker eine größere Rolle, weil Davide Rebellin da stärker war. Hier gehts zum zweiten Teil des Interviews

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