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Heinrich Haussler ist im australischen Inverell geboren © getty

Im zweiten Teil des Interviews der Woche spricht Heinrich Haussler über die mögliche Sperre gegen Rückkehrer Lance Armstrong.

Sport1.de: Zum Thema Gerolsteiner: Im letzten Jahr sorgten zwei Ihrer Ex-Kollegen, Stefan Schumacher und Bernhard Kohl, mit positiven Dopingtests für Negativschlagzeilen. Wie kam das bei Ihnen an?

Haussler: Das hat mich natürlich geärgert. Wegen der beiden waren unsere Gehälter in Gefahr, es gab viel Stress und der deutsche Radsport ist jetzt am Ende. Jetzt gibt es mit Milram nur noch ein Profi-Team.

Sport1.de: Wird sich der deutsche Radsport jemals wieder erholen?

Haussler: Ich hoffe es. Es gibt in Deutschland so viele Talente. Aber die momentane Lage ist bitter. Es gibt auch weniger U-23-Teams in Deutschland, ebenso weniger Amateurteams, generell weniger Sponsoren, die sich engagieren wollen.

Sport1.de: Sie sind sozusagen zur Zeit ein Lichtblick. Nur bei Paris-Roubaix landeten Sie nicht auf dem Podest. Warum hat es da nicht geklappt?

Haussler: Das war letztlich ein Anfängerfehler. Ich hatte eigentlich gute Beine, wir waren zu dritt vorne in der Gruppe. Dann hat Tom Boonen attackiert, mein Teamkollege Thor Hushovd kam mit, ich aber nicht, weil ich in dem Moment ziemlich weit hinten fuhr. Und dann musste ich taktisch im Sinne des Teams agieren. Ich kann nicht nach vorne fahren und die anderen starken Leute wie Cancellara mitziehen, wenn vorne ein Kollege fährt.

Sport1.de: Paris-Roubaix gilt als eines der härtesten Rennen des Jahres. Haben Sie das auch so empfunden?

Haussler: Ja. Natürlich ist auch Alpe d'Huez bei der Tour de France hart. Es kommt aber immer darauf an, wie man die Rennen fährt. Die Bergetappen bei der Tour fahre ich im Gruppetto mit, gebe also nicht 100 Prozent. Bei den Kopfsteinpflaster-Rennen und bei Paris-Roubaix gebe ich alles, weil ich da gewinnen kann.

Sport1.de: Wie sieht Ihre weitere Saisonplanung aus?

Haussler: Zunächst einmal mache ich ein bisschen Urlaub. Ich fahre seit Anfang Januar Rennen und stehe permanent unter Strom. Ich fange dann Ende Mai bei der Bayern-Rundfahrt wieder an. Und dann startet schon die Vorbereitung für die Tour.

Sport1.de: Dort wird sich Ihr Team aber wohl eher auf die Unterstützung von Titelverteidiger Carlos Sastre konzentrieren, oder?

Haussler: Das ist noch offen. Das muss letztlich Cervelo entscheiden. Klar, Carlos Sastre hat im letzten Jahr die Tour gewonnen. Aber Thor Hushovd ist bei den Flachetappen immer für einen Sieg gut und wird wohl ums Grüne Trikot fahren. Da muss man mal abwarten, wie es da aussieht.

Sport1.de: Im September steht dann noch die WM in der Schweiz an. Rechnen Sie sich da Medaillenchancen aus?

Haussler: Nein, da werde ich nicht mitfahren. Das ist ein sehr schwerer Kurs. Da sind eher Leute wie Rebellin, Cunego oder Ballan in der Favoritenrolle.

Sport1.de: Heiß diskutiert wurde die Rückkehr von Lance Armstrong? Was halten Sie von dessen Comeback?

Haussler: Ich finde es gut, dass Lance zurückkommt. Er ist ein Typ, der uns wieder etwas mehr Medienaufmerksamkeit bringt.

Sport1.de: Allerdings ist sein Tour-Start wegen eines verzögerten Doping-Tests in Gefahr. Meinen Sie, er sollte starten dürfen?

Haussler: Ich habe leider nicht mitbekommen, was da genau vorgefallen ist. Aber ich fände es schlimm, wenn er nicht starten dürfte.

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