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Hans-Michael Holczer war seit der Gründung des Gerolsteiner-Teams 1998 dessen Manager © getty

Das Eiffel-Team als Mogelpackung: Die neuen Dopingfälle treffen seinen Ex-Teamchef hart: Holczers Pläne stehen auf der Kippe.

München - Von Gerolsteiner zu CERA-steiner: Die einstige Erfolgsgeschichte des Radrennstalls aus der Eifel entpuppt sich im Nachhinein als riesengroßer Schwindel und bringt den früheren Teamchef Hans-Michael Holczer immer mehr in Erklärungsnot.

"Seit den Fällen Kohl und Schumacher glaube ich an Nichts mehr. Wir haben alle den Fehler gemacht, uns die Leistungen als plausibel zu erklären. Sie sind es aber nicht", räumte Holczer selbstkritisch ein.

Stefan Schumacher (Nürtingen) wurde nun in den Nachkontrollen der Olympischen Spiele erneut positiv auf das EPO-Präparat CERA getestet, auch der italienische Olympiazweite Davide Rebellin wurde überführt. (Schumacher im finsteren CERA-Sextett)

Schumacher kämpft gegen Sperre

Schumacher war bereits im Oktober in Nachuntersuchungen der Proben von der Tour de France in der A-Probe des CERA-Dopings überführt worden. Die B-Probe wurde bisher noch nicht geöffnet, Schumacher dennoch vom Weltverband UCI für zwei Jahre gesperrt.

Wegen Verfahrensfehlern kämpft Schumacher vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS dagegen an. Sein langjähriger Kapitän Rebellin ist bereits der dritte Leistungsträger aus dem alten Gerolsteiner-Team, der in die CERA-Falle getappt ist.

Neben Schumacher war bereits Bernhard Kohl (Österreich) bei den Nachtests zur Tour de France positiv getestet worden. Kohl legte inzwischen ein Geständnis ab.

Rebellin beschert den ersten Weltcup-Sieg

Gerade der Fall Rebellin trifft Holczer besonders hart. "Davide war ein Stück weit noch meine Hoffnung, dass er es auf ehrliche Weise geschafft hat", meinte der Mathematik- und Geschichtslehrer.

Vor allem der Italiener hatte es ihm angetan. Mit seiner Verpflichtung im Jahr 2002 schaffte es das Team, ein wenig aus dem Windschatten der übermächtigen Telekom-Mannschaft zu fahren.

Rebellin, der bis zum Ende des Teams im vergangenen Jahr für Gerolsteiner fuhr, war es auch, der dem Rennstall 2004 beim Amstel Gold Race den ersten Weltcup-Sieg beschert hatte und anschließend zum historischen Ardennen-Triple (Amstel, Fleche Wallonne und Lüttich-Bastogne-Lüttich) gefahren war.

Prozess wegen einer dubiosen Ampulle

Sollte sich der Verdacht bestätigen, dürfte die Karriere des 37-Jährigen, der in der vergangenen Woche noch den Fleche gewonnen (Rebellin wieder der Pfeil-Schnellste) und in Lüttich Platz drei belegt hatte, wohl beendet sein.

Rebellin hatte schon einmal unter Dopingverdacht gestanden. Beim Doping-Prozess in Padua vor gut fünf Jahren hatten die Staatsanwälte den Richtern ein im Mai 2001 aufgenommenes Video gezeigt.

Die Aufnahmen zeigten damals Rebellin und seine Frau Selina in der Praxis des skandalumwitterten Sportarztes Enrico Lazzaro bei der Entgegennahme einer Ampulle mit einem angeblich verbotenem Mitteln. Zu einer sportrechtlichen Verurteilung war es gegen den kleinen Italiener aber nicht gekommen.

Totschnig Teil der Humanplasma-Affäre

Im Nachhinein wäre Rebellin aber nur ein weiterer Gerolsteiner-Fahrer mit einer Doping-Vergangenheit. Neben Kohl und Schumacher war zuvor auch Sprinter Danilo Hondo positiv getestet worden.

Der Name des Rundfahrtfahrt-Spezialisten Georg Totschnig, der 2005 für Gerolsteiner die erste Tour-Etappe gewonnen hatte, tauchte zuletzt in Verbindung mit der Humanplasma-Affäre in Österreich auf.

Außerdem wurde der Italiener Andrea Moletta im vergangenen Jahr suspendiert, nachdem dessen Vater bei einer Razzia mit 82 Viagra-Packungen erwischt worden war.

Berater-Pläne in der Schwebe

Auch Ex-Gerolsteiner-Fahrer David Kopp wurde im vergangenen Jahr im Collstrop-Team positiv auf Kokain getestet.

Eine Doping-Vergangenheit hatten auch die beiden Sportlichen Leiter Christian Henn und Udo Bölts aus ihrer Telekom-Zeit.

Mein Gesamtwerk ist ohnehin schon im Oktober den Bach runtergegangen, aber der Schock sitzt tief", ergänzte Holczer, der zuletzt ein Angebot als Berater für das geplante britische Sky-Team vorliegen hatte: "Die Option halte ich mir offen, aber im Nachhinein wird mir dafür sukzessive die Grundlage enthoben." (Haussler: "In Deutschland glaubt man keinem Radprofi mehr")

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