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Scharping: "Es wird eine Strafanzeige geben, wir prüfen die Forderung auf Schadensersatz" © getty

Michael Lehner äußert sich zu den neuen Vorwürfen gelassen und sieht einen Zusammenhang. Seinem Klient droht das Olympia-Aus.

Leipzig - Karriereende für den "Schummel-Schumi": Rudolf Scharping will den dreimal positiv getesteten Radprofi Stefan Schumacher endgültig aus dem Verkehr ziehen.

"Ich glaube, er wird nie mehr Radrennen fahren. Sein Fall hat selbstzerstörerische Konsequenzen. Es wird eine Strafanzeige geben, wir prüfen die Forderung auf Schadensersatz, und schließlich wird der Ausschluss aus dem BDR folgen", sagte der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer am Rande des Henninger-Nachfolgers Eschborn-Frankfurt City Loop.

Schumachers Anwalt Michael Lehner bleibt trotz der erneuten Negativ-Schlagzeilen über seinen Mandanten gelassen.

Lehner: "Keine neue Qualität"

"Ich sehe da keine neue Qualität. Es ist derselbe Stoff. Man muss die Tour de France und Olympia da im Zusammenhang sehen", sagte Lehner.

Der Anwalt habe nur kurz mit Schumacher telefoniert, in der kommenden Woche wolle man die Unterlagen des BDR sichten und über die Öffnung der B-Probe entscheiden.

Zwei Jahre Sperre

Schumacher war in den Nachtests der Olympischen Spiele von Peking in einer A-Probe das Epo-Präparat Cera nachgewiesen worden (Schumacher im finsteren CERA-Sextett).

Bereits während der kurz vor Olympia ausgetragenen Tour war bei Schumacher nachträglich Cera-Doping durch zwei A-Proben festgestellt worden.

Der inzwischen für zwei Jahre gesperrte WM-Dritte von 2007 hatte Doping stets bestritten und gegen das Fahrverbot am Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne geklagt.

Doping bei Olympia unwahrscheinlich

Sollte Schumacher vor oder bei der Tour wirklich zu Cera gegriffen haben, könnte das sehr lange nachweisbare Mittel noch bei Olympia in dessen Körper gewesen sein.

Gegen ein Doping für Peking (Weitere Dopingproben positiv?) sprechen zudem auch Schumachers schwache Vorstellungen im Reich der Mitte.

Das Straßenrennen gab der Schwabe auf, im Zeitfahren belegte er als Mitfavorit Platz 13. Bei der Tour hatte Schumacher noch beide Zeitfahren gewonnen.

Probe erregt Ärger bei Lehner

Lehner gab zwar offen zu, dass die Situation für alle Beteiligten traurig sei. Gleichzeitig kritisierte der Jurist jedoch, dass auch die neuen Proben offenbar im französischen Labor in Chatenay-Malabry untersucht wurden.

Sowohl Schumacher als auch Lehner hatten sich bei der Auswertung der Tour-Proben öffentlich über die Behandlung durch das Labor sowie die französische Anti-Doping-Agentur AFLD beschwert.

"Unabhängig vom Fall Schumacher kann ich nur sagen, dass es das skandalöseste Verfahren war, dass ich in 15 Jahren erlebt habe", meinte Lehner.

Rückzahlungsforderungen folgen

Unabhängig von den durch die Verfahren entstandenen Anwaltskosten dürfte Schumacher bei einer positiven B-Probe eine weitere saftige Rechnung ins Haus flattern.

Der DOSB hatte bereits angekündigt, die Entsendungskosten für die Sommerspiele in Peking zurückzufordern. Dabei soll es sich um eine fünfstellige Summe handeln.

Zudem wäre die olympische Karriere des Nürtingers im Fall der Fälle wohl beendet.

Laut eines Beschlusses des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist jeder Sportler nach einem Dopingverstoß für die kommenden Spiele gesperrt.

Schumacher dürfte also erst 2016 wieder starten. Fraglich, ob er dann im Alter von 35 Jahren noch die sportlichen Kriterien für eine Nominierung erfüllen kann. Für welchen Verband er dann auch immer fährt.

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