Der frühere Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), Richard Pound, hat den Radsport-Weltverband UCI für dessen Aufklärungspolitik in Bezug auf die Spenden von Lance Armstrong kritisiert. "Es geistern so viele verschiedene Informationen herum, dass keiner Bescheid weiß", sagte der Kanadier dem "Deutschlandfunk". Es liege im Interesse des Sports, präzise offen zu legen, "was das für Zahlungen waren, warum sie erfolgt sind, wie hoch sie waren und wann sie eingegangen sind".

UCI-Präsident Pat McQuaid hatte offiziell zwei Spenden Armstrongs eingeräumt. Im Jahr 2002 habe der Texaner 25.000 Dollar gezahlt, drei Jahre später noch einmal 100.000 Dollar. Pound, Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), betonte, dass die Aufklärung im Fall Armstrong nicht allein amerikanischen Ermittlern überlassen werden dürfe.

Überdies empfahl er, die Ethik-Kommission des IOC einzuschalten. "Jemand könnte die Frage stellen, ob es korrekt ist, dass ein internationaler Verband solche Zahlungen von einem seiner wichtigsten Athleten akzeptiert", sagte Pound.

Scharfe Kritik äußerte Pound auch an seinem IOC-Kollegen und früheren UCI-Präsidenten Hein Verbruggen, der dem geständigen Dopingsünder Floyd Landis den Gang zum Psychiater nahegelegt hatte. Verbruggen sei ein typischer Vertreter des Weltsports. "Wenn ein Athlet in einem Verband als Whistleblower auftritt, dann wird er isoliert und kritisiert. Das ist leider die Praxis", sagte Pound. Wichtig sei jedoch, ob er die Wahrheit sage.

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