Deutschland ist für Organisations-Chef Christian Prudhomme von der Tour de France trotz seiner spürbar gesunkenen Radsport-Begeisterung im Zuge der Doping-Schlagzeilen weiterhin ein potenziell interessanter Markt.

"In Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren eine Art verrückte Liebe entwickelt. Und jetzt fühlen sich einige Medien düpiert und wirken wie verschnupft. Dabei vergessen sie, dass es die deutschen Zuschauer sind, die den Radsport lieben", sagte der Franzose in einem Interview mit "Sonntag aktuell" eine Woche vor dem Tour-Start am 2. Juli mit Blick auf den für 2012 beschlossenen Ausstieg der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF aus der Liveberichterstattung von der "Großen Schleife".

Zur Wiederbelebung des Interesses auch der deutschen Wirtschaft unterstrich Prudhomme die Entschlossenheit zum konsequenten Umgang mit der Doping-Problematik: "Wir tun alles, um diese unappetitlichen Geschehnisse zu bekämpfen. Schließlich ist vor allem der deutsche Sponsorenmarkt, bekanntlich der größte in Europa, auch für die Welt des Radsports ganz wichtig."

Seine Hoffnungen auf ein wieder wachsendes Interesse deutscher Medien gründet der Tour-Chef auch auf die Riege vielversprechender Newcomer unter den deutschen Profis.

"Wenn es einem Fahrer wie Tony Martin gelingt, gut über die Berge zu kommen und er in Paris eine Topplatzierung erkämpfen kann, könnte es bald ganz anders aussehen", sagte Prudhomme und führte weiter aus: "In keinem anderen Land ist die Zahl der Hobbyfahrer inzwischen so gestiegen wie ausgerechnet in Deutschland. Die neue deutsche Radsportwelle steht in der internationalen Rennsportszene derzeit hoch im Kurs."

Generell hat sich seiner Einschätzung zufolge die Doping-Diskussion nicht negativ auf das Interesse an der Tour ausgewirkt.

"2011 wird die Tour sogar in nicht weniger als 190 Ländern im Fernsehen zu sehen sein. Das ist neuer Rekord. Die Liste der Städte, die sich Hoffnungen machen, um die Tour in den kommenden Jahren einzuladen, wächst und wächst. Ebenso die der Mannschaften", sagte Prudhomme.

Entsprechend erwartet der Tour-Macher auch bald wieder Anfragen deutscher Städte für eine Berücksichtigung als Etappenort bei der Frankreich-Rundfahrt: "Derzeit liegen keine Bewerbungen aus Deutschland vor. Sind einmal deutsche Fahrer weit vorne mit dabei, könnte sich die Situation schnell ändern."

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