Nach der lebenslangen Sperre gegen Lance Armstrong wegen Dopings und der Forderung nach der Aberkennung aller Titel des siebenmaligen Tour-Siegers hat Präsident Rudolf Scharping vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) sich gegen automatische Einsetzungen anderer Fahrer als Sieger der jeweiligen Wettbewerbe ausgesprochen.
"Man muss nicht zwingend jemanden nachrücken lassen", sagte der frühere Politiker bei "hr-iNFO":
"Stellen Sie sich mal vor, gegen irgendeinen derer, die da nachgerückt sind, wird nach Jahren aufgrund neuer Methoden etwas entdeckt und Anklage erhoben. Ich glaube, das führt zu nichts", sagte Scharping.
Hintergrund von Scharpings Haltung sind Doping-Verdächtigungen gegen alle in Betracht kommenden Fahrer.
So könnten auch dem einzigen deutschen Tour-Sieger Jan Ullrich, der als Profi wegen Doping-Vergehen gesperrt wurde, gleich drei Tour-Siege von Armstrong (2000, 2001, 2203) zufallen.
Auch die vier übrigen Fahrer, die bei Armstrongs Tour-Siegen zweite Plätze erreicht hatten, haben entweder eine Doping-Vergangenheit oder sind wie der Deutsche Andreas Klöden (2004) umstritten.
Die US-Anti-Doping-Agentur USADA forderte nach ihrer Entscheidung für Armstrongs Sperre den Weltverband UCI zur Aberkennung aller Ergebnisse des US-Amerikaners seit dem 1. August 1998 auf. Die UCI kann als einzige Instanz Armstrongs Resultate annullieren.
Scharping glaubt, dass der Fall Armstrong keinen Einfluss auf den deutschen Radsport hat.
"Es ist die Aufarbeitung einer Vergangenheit, die schon seit vielen Jahren hinter uns liegt. Seit 2006 verfolgen wir in Deutschland eine komplett andere Linie. Insofern ist das, was da jetzt aus der Vergangenheit aufgearbeitet werden muss, für uns nicht wirklich beachtlich", sagte der 64-Jährige.
