Nach den Enthüllungen um den ehemaligen Radstar Lance Armstrong hat BDR-Präsident Rudolf Scharping mehr Kompetenzen für die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) gefordert.
"Die USADA (US-Anti-Doping-Agentur, d. Red.) hat Möglichkeiten, die unsere Nationale Anti Doping Agentur leider nicht hat - oder nur eingeschränkt. Beispielsweise kann die USADA eine Kronzeugenregelung anbieten, die NADA leider nicht", sagte Scharping dem "Tagesspiegel": "Nur so konnte die USADA doch überhaupt erst die Enthüllungen vorantreiben."
Staat und Sport müssten besser zusammenarbeiten, um der Dopingproblematik entschlossen entgegenzutreten.
"Das Zusammenwirken staatlicher Ermittlungsbehörden und der Sportgerichtsbarkeit ist in Deutschland verbesserungsfähig und auch verbesserungsbedürftig", sagte der ehemalige Bundesminister, der seit 2005 dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) vorsteht.
Im Juli hatte die bayerische Innenministerin Beate Merk eine Verschärfung der bestehenden Gesetze und eine Kronzeugenregelung ins Spiel gebracht. Bisher unterliegen in Deutschland dopende Sportler nur der Sportgerichtsbarkeit.
Bei der Verschärfung des Arzneimittelgesetzes 2007 war der Straftatbestand Sportbetrug nicht mit in das Gesetz aufgenommen worden. "Ich stehe hier den Standpunkten von Frau Merk näher als manch einer in Politik und Sport", sagte Scharping.
Heftige Kritik äußerte Scharping am ehemaligen Manager des Teams Telekom, Rudy Pevenage.
Dieser hatte in der vergangenen Woche Doping eingeräumt, dies aber damit gerechtfertigt, nur so eine Chance gegen den schwer belasteten siebenmaligen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong gehabt zu haben.
"Ich halte das für absoluten Quatsch. Nach dem Motto: Wenn alle betrügen, dann hat man nur eine Chance, wenn man mitbetrügt. Solche Methoden bringen den Sport um", betonte Scharping.
Er befürwortete zudem die ersatzlose Streichung aller gedopten Radfaher aus den Ergebnislisten: "Damit die Lücken sichtbar werden - als Symbol für ein verseuchtes Jahrzehnt."
