Stefan Schumacher hat zum Auftakt des Betrugsprozesses vor dem Landgericht Stuttgart seinen einstigen Teamchef Hans-Michael Holczer erneut Mitwisserschaft über Dopingpraktiken in der damaligen Gerolsteiner-Mannschaft vorgeworfen.

"Es war nie ausgesprochen, ich habe ihm nie gesagt, dass ich gedopt habe. Aber es hat eine Form der Kommunikation gegeben, wo man wusste, was da gespielt wird. Es gab viele Gespräche, die in diese Richtung gingen", sagte Schumacher am Mittwoch.

Gleichzeitig gab Schumacher Einblicke, wie Doping bei Gerolsteiner organisiert gewesen sein soll. "Es gab Anlaufstellen im Team. Ich wusste, mit wem ich reden kann", sagte Schumacher.

So sei ihm Anfang 2008 von einem Teamarzt das verbotene Mittel Cera empfohlen worden. Dies habe er im "April oder Mai" des gleichen Jahres erstmals eingenommen.

"Ich habe aktiv danach gefragt, der Mann wollte mir helfen, weil er es auch nicht besser wusste", sagte Schumacher, der den Namen des Mediziners auch nach mehrfacher Nachfrage des Richters nicht nennen wollte.

"Ich will Leute, die vor sechs oder sieben Jahren Fehler gemacht haben, nicht vor 20 Journalisten denunzieren. Ich trage ja selber die Verantwortung. Aber auch sie haben sicherlich Fehler gemacht", sagte Schumacher.

Der 31-Jährige muss sich vor der 16. Großen Strafkammer des Landgerichts Stuttgart verantworten.

Laut Anklageschrift soll sich Schumacher einen "rechtswidrigen Vermögensvorteil" verschafft haben, indem er mehrfach wahrheitswidrig ausgeschlossen hatte, jemals mit Cera in Kontakt gekommen zu sein. Dadurch soll er Holczer hintergangen haben. Es geht um rund 150.000 Euro, Schumachers Gehalt in den betreffenden Monaten.

In nachträglichen Analysen von Proben der Tour und der Olympischen Spiele 2008 war Schumacher positiv auf Cera getestet worden. Sein damaliges Team Gerolsteiner kündigte ihm daraufhin im Oktober 2008.

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