Der Betrugsprozess gegen Radprofi Stefan Schumacher dreht sich weiter im Kreis. Die entscheidene Frage, ob Schumachers früherer Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer von den Dopingpraktiken seines Schützlings gewusst hat oder nicht, konnte auch am vierten Verhandlungstag vor dem Stuttgarter Landgericht nicht geklärt werden. Weiter steht Aussage gegen Aussage. Am Dienstag feierten sich beide Parteien bereits als Sieger.

"Herr Schumacher hat selbst zugegeben, zehn Jahre gelogen und betrogen zu haben. Bei seinen Anschuldigungen mir gegenüber hat er genauso gelogen wie in den zehn Jahren zuvor. Er hat Dinge so dargestellt, um sich zu retten. Das zeugt von grenzenlosem Egoismus", sagte Holczer, dessen Zeugenbefragung am Dienstag endete: "Ich gehe davon aus, dass nur ein kleiner Kreis von drei Personen vom Doping wusste. Es herrscht ganz klar Betrug."

Die Anwälte Schumachers bewerteten den Stand des Prozesses naturgemäß völlig anders. "Das war schon ein Durchbruch der Verteidigung. Bei Holczer war Erfolg alles. Wer glaubt, dass Holczer an Erfolg ohne Doping geglaubt hat?", sagte Verteidiger Michael Lehner nach der Aussager Holczers vor der 16. Großen Strafkammer.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem inzwischen geständigen Dopingsünder Schumacher vor, seinen einstigen Boss hintergangen und sich mit seinen Verfehlungen laut Anklageschrift einen "rechtswidrigen Vermögensvorteil" erschlichen zu haben. Es geht um rund 150.000 Euro in den betreffenden Monaten 2008. Schumacher beruft sich darauf, dass Holczer bestens über seine Dopingpraktiken Bescheid wusste und deshalb nicht betrogen worden sein können.

Konkret betrogen habe Schumacher mit einer Falschaussage während der Tour de France 2008. Dort habe er seinem Teamchef in einem Gespräch versichert, keine Dopingmittel zu nehmen. Nachtests überführten Schumacher später. Vor Gericht bestätigte Schumacher zwar die Lüge - allerdings sei er nach Bekanntwerden der Nachweisbarkeit der Epo-Modifikation Cera so aufgelöst und verwirrt gewesen, dass die Teamleitung ihm kein Wort hätte glauben können.

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