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Sprung ins Ungewisse: Wohin geht die Reise für den deutschen Reitsport? © getty

Mit der Auflösung der Olympia-Kader als Folge der Doping-Anschuldigungen weckt die FN Hoffnungen auf einen baldigen Neuanfang.

Berlin - Sport und Politik sind voll des Lobes, die Reiter kündigen ihre Kooperation an, und das Fernsehen will jetzt wieder an den Verhandlungstisch zurück.

Nach der Revolution im Reitsport mit der Auflösung der Olympia-Kader als Folge der nicht enden wollenden Doping-Anschuldigungen hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN Hoffnungen auf einen baldigen Neuanfang geweckt.

Vor allem die Einsetzung einer unabhängigen Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) stößt auf breite Unterstützung (FN löst alle Kader auf) .

"Wir halten die Maßnahmen im Sinne unserer Null-Toleranz-Politik im Anti-Doping-Kampf für richtig. Es ist gut, dass alle Fakten auf den Tisch kommen", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach.

Danckert: "Der richtige Schritt"

"Das ist der richtige Schritt. Ich habe seit Wochen eine unabhängige Kommission gefordert", sagte Peter Danckert (SPD), Vorsitzender im Sportauschusses des Deutschen Bundestag.

Bevor ein Reiter in den Kader zurückkehren kann, muss er sich der Kommission unter Vorsitz von Ex-Bundesverfassungsrichters Udo Steiner stellen.

Sollten Fragen zu Doping- oder Manipulationsvorwürfen aus der Zeit seit Olympia 2009 ungeklärt bleiben, drohen Sanktionen.

Auch FN-Funktionäre werden befragt

Beachtlich ist, dass sich auch die FN-Funktionäre der Befragung stellen. So soll FN-Präsident Graf Breido zu Rantzau mit als Erster aussagen.

Damit gesteht der Verband ein, dass er selbst das Problem nicht mehr lösen kann.

"Die Funktionäre sind alle schon zu lange und zu nah dran. Da fehlt die Außensicht", meint Danckert.

Anhörung für Beerbaum eine Chance

Ludger Beerbaum, der mit seinem Geständnis im Umgang mit Medikationen die Debatte verschärft hatte, sieht in der Anhörung eine Chance (Beerbaum droht Kader-Rauswurf) .

"Ich werde denen ganz klar die Missstände in unserem Sport aufzeigen", sagt Beerbaum, der auf das mangelnde Regelwerk hinweisen will: "Wir machen Leistungssport und keinen Streichelzoo."

Selbst seine Sperre für Nationenpreise als Sonderbestrafung akzeptiert der viermalige Olympiasieger.

Lob von Balkausky

Beeindruckt zeigt sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das die Verhandlungen um eine Verlängerung des zum Jahresende auslaufenden TV-Vertrages mit dem Verband fortsetzen will.

"Das ist ein mutiger und bemerkenswerter Schritt", sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky und kündigte an: "Wir haben jetzt eine große Bereitschaft, die Verhandlungen fortzuführen."

Becker erwartet "harte Zeit"

In Otto Becker gibt es aber auch einen Leidtragenden der neuen Maßnahmen. Der Bundestrainer weiß nun nicht mehr, mit welchen Reitern er für die Saisonhöhepunkte planen kann.

"Da steht mir eine harte Zeit bevor", sagte der 50-Jährige. Durch die Anhörungen und möglichen Bestrafungen können Kandidaten kurzfristig für die Europameisterschaften in Windsor (25. bis 31. August) ausfallen.

Zusätzliche Maßnahmen auch beim CHIO

Becker, seit Januar Bundestrainer, hofft, dass er zum CHIO in Aachen (30. Juni bis 5. Juli) weiß, welche Reiter er für die EM nominieren darf. Die Kommission soll rasch arbeiten und ihre Arbeit Anfang Juni aufnehmen. Vier Wochen später sollen die ersten Ergebnisse vorliegen.

Beim CHIO selbst ist man zufrieden. "Die jetzt beschlossene Auflösung der Kader und das Einsetzen einer unabhängigen Kommission sind ein klarer Neustart für einen sauberen und transparenten Sport", sagt Geschäftsführer Michael Mronz.

Für die diesjährige Austragung des größten Pferdesportfestes der Welt kündigte er zusätzliche Maßnahmen im Anti-Doping-Kampf an.

Capellmann übt Kritik

Unverständnis erntete die FN-Revolution bei den Dressurreitern.

"Ich kann nachvollziehen, dass der Verband auf die anhaltende Doping-Debatte bei den Springreitern reagiert. Dass aber auch wir Dressurreiter da mit reingezogen werden, verstehe ich nicht", sagte Team-Olympiasiegerin Nadine Capellmann der "Rheinischen Post".

Die FN hatte für alle Olympia-Disziplinen im Springen, in der Dressur und auch in der Vielseitigkeit die Kader aufgelöst.

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