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Ludger Beerbaum wurde 2006 zum Sportler des Jahres gewählt © getty

Die Doping-Vorwürfe bleiben vorerst im Raum stehen, Beerbaum ist geschockt. Hilft ein biometrischen Pass für Pferde?

Berlin - Den deutschen Reitern droht ein stressiger Sommer. Erst vom 13. bis zum 15. Juli wird die unabhängige Kommission des Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) die Befragung der Top-Reiter vornehmen.

Dann soll Licht in das Dunkel der Doping-Anschuldigungen kommen. Das teilte die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) mit.

Ursprünglich sollten die Anhörungen durch die Kommission um den ehemaligen Bundesverfassungsrichter Udo Steiner viel früher beginnen.

Ende Juni wollte man erste Ergebnisse vorlegen, nachdem Ende Mai die Olympiakader für Springen, Dressur und Vielseitigkeit aufgelöst worden waren. Nur wer vor der Kommission besteht, darf zurück in den Kader.

Beerbaums Zwangspause dauert länger

Nun aber kommt alles anders:

"Mit dem Termin habe ich nicht gerechnet. Doch das ist ja kein Wunschkonzert. Man muss erst abwarten wie es weitergeht", sagte Ludger Beerbaum (Riesenbeck).

Der viermalige Olympiasieger ist besonders betroffen. Wegen seiner Äußerungen zum Umgang mit Medikationen wurde er bis zur Anhörung für den Nationenpreis gesperrt. Diese Zwangspause verlängert sich nun.

Fraglich bleibt, wo und in welcher Reihenfolge die Befragungen stattfinden.

Wahrscheinlich beginnen Spring- und Dressurreiter, weil ihre Europameisterschaften (25. bis 30. August) einen Monat früher über die Bühne gehen als die der Vielseitigkeit.

Neben Reitern werden auch Funktionäre befragt, um sämtliche Vorfälle um Medikationen deutscher Pferde seit Olympia 2008 zu klären.

Komission arbeitet mit großer Sorgfalt

"Ich werde wie geplant nominieren und muss sehen, was sich kurzfristig ändert", sagte Otto Becker.

Für den Bundestrainer Springen erschwert sich die Lage so oder so: Nach den deutschen Meisterschaften in Balve an diesem Wochenende und dem CHIO in Aachen Ende Juni sollte der Stamm für die EM feststehen.

Doch nun weiß Becker nach beiden Sichtungen immer noch nicht, welche Kandidaten vor der Kommission bestehen und starten dürfen. (FN löst alle Kader auf)

Die FN verteidigte die Terminierung dagegen: "Das hat mit einer Verzögerung nichts zu tun. Am 29. Mai hat die Kommission nach ihrer Berufung die Arbeit aufgenommen", sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach.

Und weiter: "Der Prozess der Einarbeitung benötigt Zeit. Die Mitglieder müssen sich einen umfassenden Überblick verschaffen." Lauterbach wandte sich gegen jeden Zeitdruck: "Das spricht dafür, dass die Kommission mit großer Sorgfalt vorgeht."

"Alles wäre leicht zu prüfen"

Derweil schlug Turnier-Veranstalter Volker Wulff im Anti-Doping-Kampf die Anwendung von Datenchips bei Pferden vor.

Das Speichergerät könnte genaue Angaben über die Medikationen bei den Vierbeinern liefern.

"Ich bin für eine Art biometrischen Pass für Pferde. Dort ist ein Chip, auf dem Daten gespeichert werden und zu dem nur einige wenige Veterinärmediziner Zugang haben", sagte Wulff der Leipziger "Volkszeitung".

Jeder Tierarzt müsse seine Behandlung in den Pass eintragen. Danach bekäme der Reiter vom Veterinär eine Wirkungszeit genannt, in der das Pferd nicht starten dürfe.

"Alles wäre leicht zu überprüfen", sagte Wulff.

Sollte man einen Wirkstoff finden, der auf keine Medikation der vergangenen sechs Monate passt, dann hätte man eine verbotene Medikation.

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