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Nach den Olympischen Spielen 2000 übernahm Kurt Gravemeier das Amt des Bundestrainers © getty

Der Bundestrainer der Springreiter wird seinen Vertrag nicht verlängern. Dopingfall und Fehler-Debakel von Hongkong waren zuviel.

Warendorf - Nach Doping-Desaster und Parcours-Pleiten bei Olympia in Hongkong hat Springreit-Bundestrainer Kurt Gravemeier den Weg für einen Neuanfang freigemacht.

Der 50-Jährige wird seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN nicht verlängern.

Die Spekulationen um seine Nachfolge sind bereits voll entbrannt.

"Ich musste durch die Entwicklungen und Gespräche der letzten Wochen erfahren, dass Verantwortung und Vertrauen ganz neu aufgebaut werden müssen. Hieran bin ich bereit, bis zum Ende des Jahres mitzuwirken", sagte der 50-Jährige, fügte aber auch hinzu: "Gleichzeitig will ich aber den Weg für neue personelle Konstellationen freimachen."

Widersprüchliche Aussagen

Nach Mitteilung der FN hat Gravemeier Verbands-Präsident Breido Graf zu Rantzau bereits vor den Olympischen Spielen beim CHIO in Aachen mitgeteilt, dass er Ende des Jahres aufhören wolle. Am letzten Wochenende hatte sich der Trainer allerdings noch ganz anders angehört.

Beim "Turnier der Sieger" in Münster hatte Gravemeier betont, dass er um das Amt des Bundestrainers kämpfen wolle, "solange die richtigen Leute hinter mir stehen".

Gravemeiers Sinneswandel

Der überraschende Sinneswandel kam am Donnerstag bei einer mehrstündigen Sitzung der Verbandsspitze.

Seit den Olympischen Spielen war der Coach aus dem münsterländischen Sendenhorst in die Kritik geraten. Die deutschen Springreiter waren ohne Medaille nach Deutschland zurückgekehrt.

Zudem sorgte die Suspendierung von Reiter Christian Ahlmann (Marl) für einen weiteren unrühmlichen Höhepunkt. Bei dem 15 Jahre alten Wallach des 33-Jährigen war die verbotene Substanz Capsaicin festgestellt worden.

In Bedrängnis

Ausgerechnet nach den Olympischen Spielen 2004 in Athen hätte sich ein solcher Doping-Verdacht im deutschen Team nicht wiederholen dürfen. Damals war der deutschen Equipe die Goldmedaille nach einer positiven Medikationsprobe bei Ludger Beerbaums Pferd Goldfever aberkannt worden.

Alle Reiter mussten sich vor Hongkong schriftlich dazu verpflichten, jede Medikation mit dem Tierarzt abzusprechen. Ahlmann kam der Absprache nicht nach und brachte damit auch den Bundestrainer in große Not.

Seit 2000 im Amt

Gravemeier hatte nach den Olympischen Spielen in Sydney 2000 das Amt des Bundestrainers von Herbert Meyer übernommen.

Zunächst konnte er mit zwei Doppel-Erfolgen bei den Europameisterschaften 2003 und 2005 Triumphe feiern. In den letzten Jahren blieb das Pech der deutschen Equipe allerdings treu.

Bei der Heim-WM 2006 kam die deutsche Mannschaft mit Mühe auf Rang drei, bei der EM 2007 sorgte die Stute Küchengirl von Reiter Marcus Ehning mit einer Reihe von Verweigerungen für ein großes Fiasko.

Kritik an Olympia-Nominierung

Der Höhepunkt aller Pleiten war Hongkong, als die deutschen Springreiter auf der ganzen Linie enttäuschten. Bereits in der ersten Einzelqualifikation blieb kein Reiter fehlerlos. Gravemeier hatte es nicht geschafft, seine Reiter auf den Punkt in Top-Form zu bekommen.

Zudem wurde kritisiert, dass er sich bei der Nominierung frühzeitig auf seine Kandidaten festgelegt und kein richtiges Ausscheidungsverfahren zugelassen hatte.

Nach dem Ende der Ära Gravemeier steht das deutsche Springreiten vor einem notwendigen Neuanfang. Spekulationen über die Nachfolge machen seit Tagen die Runde. Neben Team-Olympiasieger Otto Becker wird auch immer wieder der Name von Markus Beerbaum, Ehemann von Meredith Michaels-Beerbaum, genannt.

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