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Ahlmann holte bei Olympia 2004 mit der Mannschaft Bronze © getty

Nach dem Dopingfall bei Olympia streicht der Springausschuss Ahlmann aus dem Team. Auch der Bundestrainer zieht Konsequenzen.

Warendorf/Berlin - Noch mehr Doping-Kontrollen, der Rauswurf von Christian Ahlmann aus dem Championatskader, aber keine Eile bei der Suche nach einem neuen Bundestrainer.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN hat ihre Aufräumarbeiten nach der Affäre Ahlmann und den Parcours-Pleiten ihrer Springreiter bei den Olympischen Reiterspielen in Hongkong fortgesetzt und will sich weiterhin nicht unter Druck setzen lassen.

"Wir werden in der Bundestrainer-Frage keinen Schnellschuss machen. Zurzeit gibt es noch keine Kandidaten für das Amt", betonte Reinhard Wendt, Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR), nach einem Sitzungsmarathon der Verbandsspitze.

Weg frei für Neuaufbau

Noch-Bundestrainer Kurt Gravemeier hatte am Donnerstag angekündigt, dass er seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag nicht verlängern werde.

"Ich musste durch die Entwicklungen und Gespräche der letzten Wochen erfahren, dass Verantwortung und Vertrauen ganz neu aufgebaut werden müssen", sagte Gravemeier, der damit den Weg für den Neuaufbau frei machte.

Anhörung am 26. September

Die Folgen von Hongkong bekam auch Ahlmann zu spüren.

Nachdem der Springausschuss den 33-Jährigen in Folge der positiven Proben bei seinem Pferd Cöster aus dem Championatskader gestrichen hat, blickt der Marler nun seiner Anhörung vor dem FEI-Tribunal entgegen.

Am 26. September muss sich Ahlmann in Lausanne verantworten. Zudem bestätigte der Weltverband eine positive B-Probe bei Rodrigo Pessoas Pferd Rufus, so dass auch dem brasilianischen Springreiter ein Verfahren bevorsteht.

"Es besteht Handlungsbedarf"

"Es besteht unbedingt Handlungsbedarf. Die Tatsache, dass es sich um insgesamt fünf positive Fälle im Springen handelt, ist Anlass genug, sich noch intensiver mit der Thematik auseinanderzusetzen", sagte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau (Breitenburg).

Mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket will die FN den Kampf gegen Doping forcieren. Kurzfristig werden Medikationskontrollen auf Turnieren verstärkt und das Kontrollsystem erweitert. Bei allen Prüfungen, die für Weltranglistenpunkte relevant sind, sollen in Zukunft die Pferde der drei Erstplatzierten kontrolliert werden.

Zudem sind mehr Kontrollen auf den Abreiteplätzen und in den Ställen vorgesehen. In Abstimmung mit der FEI soll es zusätzliche Veterinär-Checks geben.

Hoffen auf NADA

Hilfe erhofft sich der Verband von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA).

Bislang lehnte die NADA eine verstärkte Zusammenarbeit ab und überließ die Arbeit den Verbänden.

"Ich glaube, es wäre für uns eine große Erleichterung, wenn sich die NADA auch um die Pferdeproben kümmern würde", so Wendt.

Suche nach Gravemeier-Nachfolger

Derweil machen Spekulationen um die Nachfolge Gravemeiers die Runde. Markus Beerbaum (Thedinhausen), Ehemann von Top-Reiterin Meredith Michaels-Beerbaum, hat den Job bereits abgelehnt.

"Für mich kommt das Amt den Bundestrainers nicht in Frage. Ich habe ein paar gute Pferde und will noch einige Jahre reiten", sagte der 37-Jährige.

Team-Olympiasieger Otto Becker (Albersloh), noch aktiver Springreiter und wie Beerbaum ebenfalls häufig genannter Kandidat, zeigte sich überrascht: "Mit dieser Frage habe ich mich noch nicht befasst. Deshalb kann ich dazu nichts sagen."

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