vergrößernverkleinern
2008 in Aachen noch am Start, 2009 suspendiert: Isabell Werth © getty

Beim weltweit größten Pferdsportfest beginnt der Kampf um die EM-Tickets. Doch nicht nur der Fall Werth sorgt für Unmut.

Aachen - Wettkampf-Alltag trotz Doping-Ohnmacht: Nach dem Sündenfall von Dressur-Queen Isabell Werth müssen sich die deutschen Top-Reiter ab Dienstag beim CHIO in Aachen wieder der sportlichen Herausforderung stellen (Werth: "Bin keine Kriminelle").

Beim weltweit größten Pferdsportfest beginnt in Dressur und Springen der Kampf um die Tickets für die Europameisterschaften Ende August in Windsor.

"Das ist eine heftige Zeit. Viel schlimmer gehts nicht", sagt Springreit-Bundestrainer Otto Becker angesichts der alles erdrückenden Doping-Debatte.

Seinem Kollegen aus der Abteilung Dressur fehlt nach dem jüngsten Fall durch den Briten Michael Whitaker jedes Verständnis.

"Das ist übel. Man hat nicht das Gefühl, dass die Reiter zur Vernunft kommen", sagt Holger Schmezer (Werth bedauert positive Probe).

Keine Zuschauer-Einbußen

Die Verantwortlichen des CHIO wollen jedoch kein Trübsal blasen. "So schlimm der Fall Werth für den Reitsport war, so gut ist er für die neuen Regeln", sagt CHIO-Geschäftsführer Michael Mronz. Nur dank zusätzlicher Doping-Kontrollen sei die fünfmalige Dressur-Olympiasiegerin aufgeflogen.

"Wir müssen diesen Weg weiterverfolgen. Nur so haben wir eine Chance auf sauberen Sport", sagt Mronz, der trotz der Krise keine Zuschauer-Einbußen zu beklagen hat.

Jedes achte Pferd zur Kontrolle

Die Turnier-Macher kündigten verschärfte Maßnahmen im Anti-Doping-Kampf an. Jedes achte Pferd wird kontrolliert, die Beine der Tiere werden mit einer Thermografie-Kamera auf unerlaubte Scharfmacher untersucht.

Die Zahl der "Aufpasser" (Stewards) wurde auf 42 erhöht. Beim Turnier in Balve vermeldeten die Stewards einen Fahndungserfolg.

In der Jacke des irischen Springreiters Cameron Hanley wurde eine benutzte Spritze gefunden. Hanley hat seinen Start in Aachen abgesagt.

Werth zieht Konsequenzen

Unterdessen gab Werth an, dass sie sich nach dem Doping-Fall bei ihrem Pferd Whisper von ihrem Tierarzt Hans Stihl trennen wird.

"Sie muss diesen Schritt unternehmen, weil das Vertrauensverhältnis zu Stihl gestört ist", sagte Werths Anwalt Ulf Walz. Stihl habe sich nach der Behandlung des Pferdes Whisper mit Fluphenazin einen "kapitalen Fehler" bei der Angabe der Abbauzeit erlaubt.

Indes wurde Walz aufgefordert, seine Stellungnahme einzureichen und einen Termin für die Anhörung anzugeben.

Dokumentaton aller Medikationen

In der anhaltenden Doping-Debatte werden die Springreiter in Aachen ein Zeichen setzen. Erstmals soll gemäß der geplanten Neu-Regel jede Medikation dokumentiert und mit dem neuen Mannschaftstierarzt Jan-Hein Swagemakers abgestimmt werden.

"Dank dieser Dokumentation können wir alle Behandlungen zurückverfolgen", sagt Becker.

Generalprobe für EM in Windsor

In sportlicher Hinsicht ist der CHIO eine wichtige Sichtung für die Europameisterschaften in Windsor (25. bis 31. August).

Meredith Michaels-Beerbaum, Marcus Ehning, Carsten-Otto Nagel und Philipp Weishaupt werden am Donnerstag für Deutschland im Nationenpreis reiten und haben auch beste Chancen auf ein Ticket für die EM-Mannschaft, zu der vier Reiter und ein Ersatzmann gehören.

Hoffnung für Beerbaum und Kutscher

"Es sind aber noch vier, fünf weitere Kandidaten im Rennen", sagt Becker. Die endgültige EM-Nominierung muss am 10. August erfolgen.

Auch der viermalige Olympiasieger Ludger Beerbaum und der nach einer Armverletzung wiedergenesene Marco Kutscher dürfen sich Hoffnungen machen.

Allerdings müssen alle Kandidaten ab dem 13. Juli zunächst die Überprüfung der Doping-Kommission überstehen, ehe sie nominiert werden können.

Schulten-Baumer ersetzt Werth

In der Dressur wird Ellen Schulten-Baumer mit Donatha die suspendierte Isabell Werth vertreten. Am Mittwoch reiten im Grand Prix Schulten-Baumer und Heike Kemmer mit Bonaparte, Donnerstag treten Ulla Salzgeber mit Herzrufs Erbe und der deutsche Meister Matthias Alexander Rath mit Sterntaler an.

Die Vielseitigkeit startet am Freitag ohne Doppel-Olympiasieger Hinrich Romeike und dessen Top-Pferd Marius, das noch verletzt ist.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel