vergrößernverkleinern
Ludger Beerbaum trug bei Olympia 2004 die deutsche Fahne © getty

Die DOSB-Kommission gibt den deutschen Reitern ihr Gütesiegel. Beerbaum und Kutscher gelten als geläutert. Buhmann ist der Arzt.

Warendorf - Es war zwar erst ein Zwischenbericht, doch er lässt auf ein gutes Ende hoffen.

"Der deutsche Reitsport ist nicht strukturell unredlich, er steht nur im Schatten einiger spektakulärer Fälle", lautete das erste Fazit von Udo Steiner, dem Vorsitzenden der unabhängigen Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), nach sechs Anhörungstagen.

Dabei waren insgesamt 53 Reiter und 13 Funktionäre nach den jüngsten Dopingfällen im deutschen Reitsport zu ihrer Haltung zu den Themen Doping und Medikation befragt worden. (Sportliche Ernüchterung in der Doping-Krise)

Nach dem zweiten von drei Anhörungsblöcken kann die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN auch ihre im Mai in einer bislang einmaligen Aktion aufgelösten Kader (A, B und B2) wieder installieren.

"Erlaubt ist, was nicht gefunden wird"

"Alle haben eine Ehren- und Verpflichtungserklärung abgegeben. Das war Bedingung für die Rückkehr in die Kader", sagte Steiner.

Zum Kader wird künftig auch wieder der zuletzt für Nationenpreise suspendierte Ludger Beerbaum (Riesenbeck) gehören.

Dieser hatte mit Aussagen zu seiner Haltung zum Thema Medikation die Auflösung der Kader letztlich initiiert. "Erlaubt ist, was nicht gefunden wird", hatte Beerbaum gesagt und damit für großen Wirbel gesorgt. (Schockemöhle: "Nicht als Doping bezeichnen")

Empfehlung für Kutscher und Deußer

Beerbaum, 2004 bei Olympia in Athen deutscher Fahnenträger, war über die Aufhebung seiner Suspendierung erleichtert.

"Ich habe darauf gehofft, dass ich auf diese Weise rehabilitiert werde. Nun wünsche ich mir, dass die Empfehlungen der Kommission, das Regelwerk zu überarbeiten, auch schnell angegangen werden. Der ganze Aufwand hat sich aus meiner Sicht nur dann gelohnt, wenn das Reglement hinsichtlich der verbotenen Medikation geändert wird", sagte Beerbaum.

Die DOSB-Kommission empfahl der FN, neben dem viermaligen Olympiasieger auch dessen Angestellte Marco Kutscher und Daniel Deußer unter Vorbehalt wieder in den Kader aufzunehmen. "Beerbaum hat glaubwürdig vorgetragen, dass er die Dinge künftig anders sehen muss", sagte der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Steiner.

Enge Auflagen

Marco Kutscher muss sich wegen des Verdachts der verbotenen Medikation seines Olympiapferdes Cornet Obolensky noch vor der Ethik-Kommission des Weltverbandes FEI verantworten.

Der im niederländischen Valkenswaard lebende Deußer war bereits zweimal durch positive Doping-Proben bei zwei verschiedenen Pferden aufgefallen.

Alle drei Reiter müssen bis zum 31. Dezember 2011 "jede medizinisch indizierte Maßnahme" mit dem Mannschaftstierarzt und dem Bundestrainer abstimmen. Die Aufnahme in den Kader kann widerrufen werden, wenn gegen die Auflage verstoßen wird.

Becker winkt Beerbaum herbei

Ludger Beerbaum wird nach dem "grünen Licht" der Kommission in den nächsten Tagen auch auf der Longlist von Bundestrainer Otto Becker für die Spring- und Dressur-EM vom 25. bis 30. August im englischen Windsor stehen.

"Ohne der Veröffentlichung vorgreifen zu wollen, kann ich sagen, dass Ludger auf dieser Liste stehen wird", sagte Becker nach den "guten Nachrichten" der Kommission.

Wegen der EM war der Zwischenbericht der DOSB-Kommission für Mittwoch anberaumt worden, denn die Bundestrainer Becker und Holger Schmezer (Dressur) können nur die Reiter berücksichtigen, die in den Kader zurückkehren. Dies war bei allen angehörten Reitern der Fall.

Werth im nächsten Block

Bis kommenden Montag wird die Longlist veröffentlicht, die endgültigen EM-Aufgebote werden Mitte August bekannt gegeben.

Mit dem endgültigen Kommissions-Bericht ist im Herbst zu rechnen, vom 11. bis 13. August steht der dritte Anhörungsblock der Kommission auf dem Programm.

Dann wird auch Isabell Werth vor das Gremium treten. (Werth: "Ich bin keine Kriminelle") Die fünfmalige Dressur-Olympiasiegerin ist derzeit wegen eines Dopingfalls bei ihrem Nachwuchspferd Whisper suspendiert. Für die EM kam die Rheinbergerin ohnehin nicht in Betracht.

Mehr juristische Verantwortung für den Tierarzt

"Das ist ein rätselhafter Fall", sagte dazu Udo Steiner, der nach den Anhörungen neben der "sehr guten Zusammenarbeit mit der "FN" vor allem der nachrückenden Reiter-Generation ein gutes Zeugnis ausstellte.

"Die junge Garde hat ein positives Bild abgegeben, da wächst eine ethisch verantwortungsvolle Generation heran", sagte Steiner, der aber auch noch einige Baustellen im Reitsport sieht.

Als großen Schwachpunkt machte Steiner den Tierarzt aus, von dem der Reiter "sehr stark abhängig sei". Seine Empfehlung: "Wir werden den Arzt mehr in die juristische Verantwortung nehmen müssen."

Des Weiteren sprach sich Steiner für "stärkere Kontrollen, Trainingskontrollen für Pferde und die ausgeweitete Pflicht zur Führung eines Medikationsbuches" aus.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel