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Matthias Rath ist in Nürnberg siegreich
Gold anzuvisieren wäre für Matthias Rath "unvernünftig" gewesen © getty

Das Fehlen der vier besten Reiterinnen sorgt bei der Dressur-EM in Windsor für das schlechteste deutsche Ergebnis aller Zeiten.

Windsor - Querelen im Hintergrund, Ernüchterung im Wettkampf-Viereck: Die durch vier Ausfälle stark ersatzgeschwächte deutsche Dressur-Equipe erlebte bei der EM im englischen Windsor einen schwarzen Tag.

Der "zweite Anzug" von Bundestrainer Holger Schmezer kam im Mannschaftswettbewerb mit 219,234 Punkten nur auf den dritten Platz und konnte damit das schlechteste deutsche EM-Ergebnis aller Zeiten nicht verhindern.

Die Niederlande um die dreimalige Olympiasiegerin Anky van Grunvsen mit "Salinero" verteidigten souverän den Titel mit 238,595 Punkten vor Gastgeber Großbritannien (221,659).

21 EM-Siege in Folge

Deutschland hatte von 1965 bis 2005 21-mal in Folge EM-Gold gewonnen.

Die längste Siegesserie im deutschen Sport endete 2007 bei der EM in Turin mit Platz zwei hinter dem ewigen Rivalen Niederlande.

Die deutschen Reiter konnten mit ihren Einzel-Auftritten auf dem Gelände vor der malerischen Schlosskulisse der königlichen Wochenendresidenz zufrieden sein.

Debütantin Susanne Lebek (71,277 Prozent) mit ihrem Hengst "Potomac" und Ellen Schulten-Baumer (70,638) mit der Stute "Donatha S" erfüllten am ersten Tag ebenso die Erwartungen wie tags drauf der deutsche Meister Matthias Alexander Rath (75,617) mit "Sterntaler" und Monica Theodorescu (72,340) mit "Whisper".

Die vier Besten fehlen

"Natürlich hätten wir gerne Silber geholt, doch mehr war einfach nicht drin", sagte Holger Schmezer.

Eine Überraschung war die mäßige Platzierung des Rumpfteams nicht. Schließlich musste Schmezer auf seine besten vier Reiterinnen verzichten.

Die fünfmalige Olympiasiegerin Isabell Werth ist wegen eines Dopingfalles gesperrt, die Mannschafts-Olympiasiegerinnen Ulla Salzgeber, Nadine Capellmann und Heike Kemmer hatten allesamt wegen Verletzungen ihrer Pferde abgesagt.

Niederlande eine Klasse für sich

Der deutsche Meister Matthias Alexander Rath erhielt nach seiner Leistung ein dickes Lob vom Bundestrainer. "Das war optimal. Er hat voll ausgeritten und ist hohes Risiko gegangen", sagte Schmezer.

Auch Vater und Trainer Klaus-Martin Rath war mit der Leistung seines Sohnes zufrieden: "Es war sein erstes Championat. Dafür hat er sich nervenstark und souverän präsentiert.

"Ich bin glücklich, dass unser Team gestern die guten Runden vorgelegt hat. Das hat den Druck von mir genommen", sagte Rath und fügte an: "Es wäre unvernünftig gewesen, wenn wir hier Gold anvisiert hätten."

Die Niederländer seien zurzeit eine Klasse für sich. "In dieser Situation waren wir auch einmal. Jetzt müssen wir daran arbeiten, bis Olympia 2012 dieses Nivau wieder zu erreichen", sagte Rath.

Machtkampf der Funktionäre

Zuvor hatte der Machtkampf der Funktionäre in Windsor erneut für viel Wirbel gesorgt.

Reiter-Präsident Breido Graf zu Rantzau lehnte es ab, den von einer Gruppe von Verbands-Kritikern geforderten Rücktritt von Springausschuss-Chef Peter Hofmann wegen der anhaltenden Doping-Vorwürfe aus der Zeit von Olympia 2008 einzuleiten.

"Das kommt nicht in Frage. Wir haben im Mai mit der Einberufung der DOSB-Kommission unseren Weg in der Sache abgesteckt. Wieso hat sich damals keiner von diesen Leuten gemeldet", meinte zu Rantzau.

"Ein Schrecken ohne Ende"

Kritiker wie Klaus-Martin Rath legten nach.

Der Verband sollte sich überlegen, wie er den Weg freimachen kann für einen Neuanfang. "Die Informationspolitik seit Olympia 2008 sei katastrophal. "Hier droht ein Schrecken ohne Ende."

Sportausschuss-Vorsitzner Peter Danckert, wie Rath Kritiker der FN-Spitze, hatte angedroht, personelle Konsequenzen im Verband zu erzwingen, falls der Verband am 2. September auf seiner Präsidiumssitzung keine klaren Aussgagen zu den anhaltenden Doping-Anschuldigungen von Olympia in Hongkong mache.

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