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Meredith Michaels-Beerbaum kam mit einem Abwurf durch den Parcours © getty

Eine geschwächte deutsche Mannschaft reitet bei der EM in Windsor zu Bronze. Die Freude darüber ist bei den Reitern riesengroß.

Windsor - Der Reiter-Präsident drückte seinen Bundestrainer an die Brust und wollte ihn nicht mehr loslassen.

Generalsekretär Soenke Lauterbach schwenkte die schwarz-rot-goldene Fahne, und die Reiter lagen sich in den Armen. Nach dem glücklichen Gewinn der Bronzemedaille bei der EM in Windsor feierten die deutschen Springreiter, als hätten sie Gold gewonnen.

"Ich bin echt baff. Die Mannschaft war großartig", sagte Bundestrainer Otto Becker nach seiner geglückten Premiere als Coach bei einem internationalen Championat.

"Super, auch wenn wir Glück hatten"

"Ich bin stolz auf diesen Bundestrainer", sagte Reiter-Präsident Breido Graf zu Rantzau im Überschwang der Gefühle. Und Lauterbach meinte nur noch: "Super, super, super, auch wenn wir diesmal wirklich viel Glück hatten."

Bundestrainer Becker sprach von einem Herzschlagfinale: "Von Platz eins bis fünf war alles möglich."

Vor dem letzten Reiter der Niederlande sah es so aus, als würde es nur der vierte Platz für die deutsche Mannschaft werden. Doch dann erlaubte sich Hollands Marc Houtzager zwei Abwürfe, und Deutschland zog vorbei.

Siebtes Edelmetall in Folge

Letztlich reichten 31,75 Strafpunkte der deutschen Equipe für Bronze. Es war das siebte Edelmetall bei einer EM in Folge. Die Schweiz (27,66) gewann Gold vor Italien (31,00).

"Wir waren die konstanteste Mannschaft. Keiner hat enttäuscht. Alle haben ihre Nominierung gerechtfertigt", sagte Becker strahlend. Allerdings gab es wie am Mittwoch im Zeitspringen wieder keinen Nullfehlerritt.

"Daran müssen wir unbedingt arbeiten", meinte Becker, der erst seit Januar 2009 im Amt ist.

Ehning mit zwölf Fehlehrpunkten

Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) hatte mit ihrem 14 Jahre alten Wallach Checkmate in zwei Runden zwei Abwürfe (acht Strafpunkte).

Carsten-Otto Nagel (Wedel) erlaubte sich mit Corradina ebenfalls acht Fehlerpunkte.

EM-Debütant Thomas Mühlbauer (Kötzting) kam mit Asti Spumante auf neun Zähler. Der ehemalige Weltranglisten-Erste Marcus Ehning (Borken) kassierte mit dem Hengst Plot Blue zwölf Fehlerpunkte.

Pech für Mühlbauer

Pech hatte Newcomer Mühlbauer, der am letzten Hindernis einen Abwurf hatte und nebenbei einen Zeitfehler kassierte.

"Wenn man am letzten Sprung einen Patzer hat, ärgert man sich tierisch", sagte der Bayer, der als letzter Reiter in die EM-Mannschaft gerückt war.

In der Einzelwertung liegt Nagel mit 9,64 Strafpunkten als bester Deutscher vor dem Finale am Sonntag auf Rang sieben.

Es führt der Italiener Natale Chiaudani (4,47). Michaels-Beerbaum (12, 31) rangiert auf Rang zehn, Ehning (13,80) belegt Platz 14, Mühlbauer (14,43) kam auf Rang 16.

"Ich freue mich auf Sonntag. Ich glaube, dass zwei Nullrunden möglich sind", sagte Nagel selbstbewusst.

"Diese Medaille war ganz wichtig für uns", sagte Graf zu Rantzau erleichtert.

Linsenhoff wird nicht Präsidentin

Die vielen Querelen im Verband wegen der Doping-Debatte und die Forderung nach seiner Ablösung hatten dem Verbands-Vorsitzenden in den vergangenen Tagen mächtig zugesetzt.

Zudem hatten die mäßigen Leistungen der Dressur-Reiter ebenfalls für Kritik gesorgt.

Derweil ließ Olympiasiegerin Ann Kathrin Linsenhoff (Kronberg) im Machtkampf der Funktionäre mitteilen, dass sie nicht für das Amt der Präsidentin der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) zur Verfügung stehe.

Linsenhoff gehört zu einer Oppositions-Gruppe, die zu Rantzau zuletzt scharf kritisiert hatte.

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