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War bester deutscher Dressurreiter: Matthias Alexander Rath © getty

Deutschlands Pferdesportler stecken bei der EM eine bittere Pleite ein. Ein Ex-Topreiter kritisiert Peter Danckert massiv.

Windsor - Nach dem historischen Absturz und der Wachablösung im Garten von Schloss Windsor zeigte die deutsche Dressur-Equipe Größe.

Bundestrainer Holger Schmezer und seine geschlagene Reiter-Staffel kapitulierten am Ende der EM artig vor den Weltrekord-Artisten aus den Niederlanden und akzeptierten den endgültigen Sturz vom Dressur-Thron.

"Das war klasse, was die Niederländer hier gezeigt haben", sagte Schmezer. Der Coach wollte die hohen Noten für den Erzrivalen nicht anzweifeln.

"Ich werde nicht nach Fehlern suchen"

Sieger Edward Gal hatte mit seinem "Wunderpferd" Totilas in der Kür den Weltrekord auf 90,750 Prozentpunkte geschraubt. "Ich werde jetzt nicht in typisch deutscher Manier bei denen noch nach Fehlern suchen", sagte Schmezer.

EM-Debütant Matthias Alexander Rath (77,850) landete als Bester der ersatzgeschwächten deutschen Equipe mit dem 14 Jahre alten Wallach Sterntaler auf Rang sechs.

"Wir haben leider nur einen Sterntaler", sagte Schmezer. Sein Team holte mit Bronze im Teamwettbewerb nur eine Medaille, während die Niederlande in allen Disziplinen Weltrekorde aufstellte.

Schlechte Bilanz keine Überraschung

Die schlechte Bilanz war für Schmezer keine Überraschung. "Wenn Isabell Werth hier gewesen wäre, hätten wir eine Einzelmedaille geholt."

Werth war wegen Dopings gesperrt, zudem fehlten die Team-Olympiasiegerinnen Heike Kemmer (Winsen), Nadine Capellmann (Würselen) und Ulla Salzgeber (Bad Wörishofen) wegen Verletzungen ihrer Pferde.

Bei dem niederländischen Dreifach-Triumph mit Adelinde Cornelissen auf Parzival (87,350) als Zweite und Anky van Grunsven (87,250) auf Rang drei kam Monica Theodorescu (Füchtorf/75,950) mit Whisper auf Platz neun, Susanne Lebek (Braubach/72,450) landete mit dem Hengst Potomac auf dem 14. Platz.

Auch mit der Mannschaft nur Bronze

Damit blieben die Deutschen erstmals seit den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki bei einem internationalen Championat (WM, EM und Olympia) ohne Einzelmedaille. Zudem hatte es in der Mannschaftsentscheidung zum ersten Mal nur zu Bronze gereicht.

Nach dem Sturz vom Thron kam Schmezer ins Grübeln: "Vielleicht beginnt eine neue Ära", meinte der Coach. Laute Musik und viel Show hatten immerhin 8000 Besucher nach Windsor gelockt.

Dazu passte, dass die spektakuläre Reitweise der Niederländer mit in der Höhe noch nie dagewesenen Noten honoriert wurde. Während viele Holländer ihre Pferde unter hohe Anspannung setzen und damit mehr Verschleiß riskieren, verfolgt Deutschland die Losgelassenheit der klassischen Reitschule.

"Wir müssen uns wohl anpassen"

"Wenn wir auch volle Tribünen haben wollen, müssen wir uns wohl anpassen", meinte Schmezer. Der frühere Springreit-Champion und heutige Pferde-Händler Paul Schöckemöhle (Mühlen) sieht die deutsche Mannschaft langfristig in der Hinterhand.

"Wir werden die Niederländer in den kommenden zwei, drei Jahren aus der Spitze nicht verdrängen können", sagte Schockemöhle.

Die jungen deutschen Reiter nahmen das Ergebnis eher gelassen zur Kenntnis. "Man sollte den Medaillen nicht nachtrauern. Es ist für den Sport gut, wenn es Veränderungen gibt", sagte Rath.

Der 25 Jahre alte Jungstar konnte mit seinem ersten Championat zufrieden sein. "Ich bin im Plan. Für die WM im kommenden Jahr in Kentucky plane ich einen weiteren Schritt Richtung Medaillenplätze", sagte der Stiefsohn von Olympiasiegerin Ann Kathrin Linsenhoff.

Schockemöhle kritisiert Danckert

Derweil eskaliert die Dopin-Debatte weiter. Schockemöhle hat im Streit der Reitsport-Funktionäre um die Aufarbeitung möglicher Doping-Praktiken bei Olympia 2008 den Sportausschusssitzenden Peter Danckert kritisiert.

"Er hätte zunächst häufiger das Gespräch mit der Verbandsspitze suchen sollen, bevor er sich so weit aus dem Fenster lehnt", sagte der Europameister der Jahre 1981 bis 1985, der heute einflussreicher Pferdezüchter ist.

Danckert hatte in den letzten Tagen die Führungsriege der FN hart attackiert.

Der Vorsitzender des Reitsport-Landesverbandes Berlin/Brandenburg drohte an, personelle Veränderungen erzwingen zu wollen, falls das Verbandspräsidium auf seiner Sitzung am 2. September keine "klaren Reaktionen" auf die Doping-Gerüchte zeigen würde.

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