vergrößernverkleinern
Ludger Beerbaum wurde im Mai 2009 wegen Dopings vom Verband suspendiert © getty

Die Doping-Affären im deutschen Reitsport haben Konsequenzen. Das Verbandspräsidium räumt in der Führungsetage auf.

München - Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat mit der Ankündigung tiefgreifender Regeländerungen in der Doping-Krise zum Rundumschlag ausgeholt. Die FN stellt ihre ärgsten Kritiker damit vorerst zufrieden.

"Das war ein erster Schritt. Wir müssen jetzt abwarten, was die Steiner-Kommission empfiehlt. Dann können wir sehen, welche weiteren Maßnahmen nötig sind", sagte Chef-Kritiker Peter Danckert.

Danckert, Vorsitzender des Sportausschusses im Bundestag, hatte die Verbandsspitze zuletzt heftig kritisiert und einschneidende Maßnahmen im Anti-Doping-Kampf gefordert.

Die sogenannte Steiner-Kommission wird ihren Bericht zur Situation im Reitsport Ende September vorlegen.

Komissionschef Wendt verliert Kompetenzen

Das FN-Präsidium kündigte an, dass es demnächst eine neue Führungskraft für den Bereich Spitzensport im Verband geben wird, die bei Olympischen Spielen die Rolle des Chef de Mission übernehmen wird.

"Das ist keine Entmachtung von Reinhard Wendt", sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach. Wendt ist derzeitig Chef der Mission und soll Geschäftsführer des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei (DOKR) bleiben.

Mit umfangreichen Maßnahmen soll der Kampf gegen Doping verstärkt werden. Neben Wettkampfkontrollen plant der Verband in Zukunft Trainingskontrollen. Dafür will die FN zusätzlich 170.000 Euro ausgeben.

"Damit sind wir international Vorreiter", sagte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau. Die Verbandsspitze hofft bei der Umsetzung auf die Hilfe der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA).

Tierärzte mit verantwortlich gemacht

Zusätzlich wird die Zahl der Wettkampfkontrollen erhöht und das System mit Hilfe von geschulten Kontrollteams verbessert.

Zudem soll nicht mehr allein der Reiter für einen Doping-Fall verantwortlich gemacht werden. In Zukunft sollen auch die Tierärzte zur Rechenschaft gezogen werden.

Darüber hinaus soll der Strafrahmen bei einem Dopingverstoß erhöht werden.

Sieht das Regelwerk bei Doping derzeit eine Regelsperre von sechs Monaten vor, soll diese künftig grundsätzlich zwei Jahre betragen.

Kadersportler zukünftig härter bestraft

Für Kaderreiter gelten auch bei generellen Verstößen härtere Regeln. Bei Nichtbeachtung getroffener Vereinbarungen sind Geldbußen in Höhe von bis zu 25.000 Euro und Sperren von bis zu fünf Jahren möglich.

Kaderathleten müssen sich zukünftig allein der Sport-Schiedsgerichtsbarkeit unterwerfen, sodass langwierige Verfahren vor ordentlichen Gerichten wie in der Vergangenheit wegfallen.

Einbezogen ins Strafmaß werden in Zukunft auch Pferde. Im Falle eines Dopingvergehens werden sie automatisch für zwei Monate gesperrt.

Wie die FN mitteilte, seien viele der Neuerungen Bestandteil eines neuen Anti-Doping-Codes Pferd, der sämtliche Anti-Doping- und Medikations-kontrollregeln für den Pferdesport beinhaltet.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel