vergrößernverkleinern
Isabell Werth droht nun hinsichtlich Olympia 2012 ein Geduldsspiel © getty

Abschlussbericht des DOSB: Isabell Werth soll nach dem Doping-Fall bei ihrem Pferd Whisper für ein Jahr ausgeschlossen werden.

Warendorf - Nächster Schock für Isabell Werth: Die fünfmalige Dressur-Olympiasiegerin aus Rheinberg soll neben ihrer sechsmonatigen Sperre durch den Reiter-Weltverband FEI wegen Dopings zusätzlich für ein Jahr aus dem deutschen Kader verbannt werden.

Das ist die zentrale Empfehlung der Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), die am Dienstag in Warendorf ihren Abschlussbericht vorlegte.

"Wir werden den Empfehlungen der Kommission folgen", sagte Generalsekretär Soenke Lauterbach von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN).

Damit muss sich die 40 Jahre alte Werth auf einen Ausschluss aus dem deutschen Dressur-Spitzenkader bis 2010 gefasst machen und muss um ihre Teilnahme an der WM im Spätsommer in Kentucky/USA bangen.

Werth: "Verband hat eigenen Stil"

"Dass es für mich eine Enttäuschung ist, ein Jahr nicht im Kader zu sein, ist klar, der Verband hat da so seinen ganz eigenen Stil", sagte Werth, reagierte aber relativ gefasst: "Ich gehe davon aus, dass ich im kommenden Jahr wieder Turniere reiten kann, auch wenn ich für die Nationalmannschaft gesperrt bin. Was mit der WM wird, muss man sehen."

Werths Anwalt schockiert

Schockiert war dagegen Werths Anwalt. "Dieses Urteil ist ein absoluter Skandal", sagte Ulf Walz der "Rheinischen Post", "das hat mit einem rechtsstaatlichen Verfahren nichts zu tun. Wir sind vorab nicht über die Entscheidung informiert worden, sondern haben es aus der Presse erfahren."

Man könne den Eindruck gewinnen, so Walz, an Werth solle ein Exempel statuiert werden. Man werde sich alle rechtlichen Mittel vorbehalten.

Sechs Monate Sperre durch den Weltverband

Die zurzeit schwangere Doppel-Weltmeisterin vom Niederrhein war Anfang September von der FEI für sechs Monate bis zum 22. Dezember gesperrt worden.

Bei ihrem Pferd Whisper war das Psychopharmakon Fluphenazin nachgewiesen worden. Die Gefährlichkeit des Dopingmittels würde die Forderung nach der einjährigen Sperre rechtfertigen, sagte die Kommission.

Nur Auflagen für Tebbel

Wie zuvor schon bei Ludger Beerbaum, Marko Kutscher und Daniel Deusser wurden auch für Springreiter Rene Tebbel Auflagen empfohlen.

Der dreimalige deutsche Meister soll wie seine drei Kollegen bis zum 31. Dezember 2011 jede Medikation seiner Pferde mit dem deutschen Mannschaftstierarzt abstimmen.

Die Kommission bestätigte zudem die Sanktion für Springreiter Christian Ahlmann (Marl), der nach seinem Dopingfall vom Verband für alle deutschen Mannschaften zwei Jahre gesperrt worden war.

Keine "unredliche" Struktur

Unter Vorsitz des früheren Verfassungsrichters Udo Steiner hatte die Kommission 84 Reiter und 15 Funktionäre befragt.

So sollten Antworten auf die im deutschen Reitsport anhaltenden Doping-Anschuldigungen gefunden werden.

Generell sei die Situation im deutschen Reitsport "strukturell nicht unredlich", sagte Steiner, allerdings gebe es "einzelne Brandherde."

Keine Legitimierung einzelner Medikationen

Gleichzeitig wurde bei Medikationen die Beibehaltung der Null-Lösung gefordert, sodass die Forderung vieler Reiter nach der Legitimierung einzelner Medikationen bei Turnieren in Deutschland unerfüllt blieb.

"Alles andere würde zwangsläufig zu Konflikten mit dem Tierschutz führen", sagte Steiner. Nur in wenigen Einzelfällen sei die Bestimmung von Grenzwerten möglich.

Maßnahmen stoßen auf Zustimmung

Generell begrüßte die Kommission die jüngsten Maßnahmen des Verbandes nach der Einführung von Trainingskontrollen, Stallbüchern und härteren Strafen gegen Doping-Sünder.

Zudem wurde die Installation eines "Funktionsträgers" vorgeschlagen, der bei großen Turnieren über sämtliche Fragen der Medikationen wacht.

Auch solle die FN eine Abteilung "Sicherheit und Ordnung" gründen. "Mit diesen Maßnahmen reagieren wir auf die Vorfälle von Hongkong", sagte Steiner.

"Stallgassen-Affäre" in Hongkong

Bei Olympia in Hongkong 2008 war es im Zuge der sogenannten Stallgassen-Affäre zu einer unangemeldeten Behandlung des Pferdes Cornet Obolensky von Springreiter Marko Kutscher gekommen.

DOKR-Geschäftsführer Reinhardt Wendt soll den Vorfall mitbekommen haben. Der Funktionär bestritt dies. Dennoch wird ein neuer Geschäftsführer das deutsche Reitteam bei den nächsten Großveranstaltungen als Chef de Mission anführen.

Im Mai hatte die FN in einem ungewöhnlichen Akt mit der Auflösung ihrer Kader auf die anhaltenden Doping-Anschuldigungen reagiert. Mit der Einberufung der Kommission sollten die Vorwürfe aufgeklärt und danach ein Neuanfang gestartet werden.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel