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Beerbaum gewann sein erstes Olympia-Gold 1988 in Seoul © getty

Mit seinem 4. Sieg beim German Masters ist Beerbaum alleiniger Rekordhalter. Die neue Medikationsliste der FEI sorgt für Wirbel.

Stuttgart - Deutschlands Reit-Idol Ludger Beerbaum hat zum vierten Mal das Germans Masters in Stuttgart gewonnen und ist damit wieder der alleinige Rekordsieger.

Der viermalige Olympiasieger aus Riesenbeck entschied auf Gotha das Stechen mit neun Teilnehmern mit einem fehlerfreien Ritt in 38,25 Sekunden für sich und erhielt für seinen neuerlichen Triumph ein Auto des Hauptsponsors Mercedes im Wert von 52.000 Euro.

Beerbaum hatte die Prüfung bereits in den Jahren 1994, 2000 und 2002 gewonnen.

Ludger Beerbaum trat in Stuttgart die Nachfolge seiner Schwägerin Meredith Michaels-Beerbaum an, die in den vergangenen drei Jahren triumphiert hatte.

Schwangerschaftspause für Michaels-Beerbaum

Die zweimalige WM-Dritte aus Thedinghausen war dieses mal wegen ihrer Schwangerschaftspause nicht am Start.

Ägerlich war Beerbaum aber trotz seines Erfolges: "Ich bin hier in allen Prüfungen mit meinem Pferd gerutscht, im nächsten Jahr braucht man hier einen neuen Boden."

Einen deutschen Doppelsieg verhinderte der bereits 61 Jahre alte Franzose Michel Robert, der als letzter Starter auf Kellemoi de Pepita in 39,09 Sekunden eine Zehntelsekunde schneller war als der EM-Zweite Carsten-Otto Nagel aus Wedel auf Corradina.

WM-Verzicht möglich

Neben dem großen Sport war das in Stuttgart der Streit zwischen dem Weltverband FEI und zahlreichen nationalen Verbänden nach der Zulassung einer gelockerten Medikationsliste.

Dabei hält Breido Graf zu Rantzau, Präsident des deutschen Verbandes FN, sogar einen Verzicht der Europäer auf die WM 2010 in Kentucky für möglich.

"Es ist denkbar, dass die europäischen Nationen nicht bei der WM antreten werden, weil dort ungleiche Bedingungen herrschen", sagte der Reiter-Chef.

Phenylbutazon wieder erlaubt

Die FEI hatte am vergangenen Donnerstag auf ihrer Generalversammlung in Kopenhagen eine neue Medikationsliste abgesegnet, die es Reitern erlaubt, Mittel einzusetzen, die vorher auf der Verbotsliste standen.

Als besonderes Problem erweist sich dabei die wieder möglich gewordene Anwendung des Schmerzmittels Phenylbutazon für Pferde mit einem viermal so hohen Grenzwert wie vor dem Verbot in den 90er Jahren.

Verstoß gegen Tierschutzgesetz

"Dieses Mittel macht lahme Pferde fit. So etwas verstößt bei uns gegen das Tierschutzgesetz und wird mit einer Geldstrafe geahndet", sagte der FN-Jurist Joachim Wann.

Ähnlich gelagert ist die Situation auch in anderen Ländern wie etwa in Frankreich, der Schweiz, Schweden und Norwegen, die ebenfalls bereits ihren Widerstand gegen die gelockerte Medikationsliste angekündigt haben.

Absichtliche Täuschung

Graf Breido zu Rantzau erklärte in Stuttgart, dass viele der FEI-Mitglieder offenbar bei der mit 53:48 Stimmen knapp ausgefallenen Abstimmung über die Zulassung der Medikationsliste getäuscht worden seien:

"Viele hatten bei der Abstimmung gedacht, dass es sich um eine ältere Liste vom 20. Oktober handelt, die so genannte 'current list'.

Dies ist auch am Vortag der Abstimmung bei einem Workshop so angedacht gewesen. Doch dann legte man plötzlich doch die im Workshop abgelehnte 'progressive list' vor. Doch offenbar hat dieser Vorgang viele Mitglieder verwirrt.

Medikationsliste gegen nationales Recht

Breido zu Rantzau zweifelt daher an, dass diese Abstimmung rechtlichen Bestand habe.

Zudem werde in vielen Mitgliedsländern geprüft, ob diese Liste mit dem nationalen Recht vereinbar ist.

Der französische Verband hat bereits mitgeteilt, dass diese Liste gegen französischen Recht verstoße.

Genaue Prüfung erforderlich

Die FN will bei nationalen Turnieren an seinem eigenen Regelwerk festhalten, wonach ein Pferd im Wettkampf frei von wirksamen Substanzen sein muss.

Problematisch wird es aber bei den vielen international ausgeschriebenen Turnieren in Deutschland. Normalerweise habe das staatliche Recht immer Vorrang.

"Hier müssen wir jetzt genau prüfen", sagte Jurist Joachim Wann.

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