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Otto Becker wurde 2000 in Sydney mit der deutschen Equipe Olympiasieger © getty

Nach dem Olympia-Desaster von Hongkong haben die deutschen Springreiter ihre wichtigste Personalentscheidung getroffen.

Warendorf - Vom Sattel auf den Trainerposten: Team-Olympiasieger Otto Becker soll das deutsche Springreiten aus einer seiner größten Krisen führen und für frischen Wind sorgen. Der 49-Jährige wird ab Januar 2009 für vier Jahre Chef-Bundestrainer, ihm soll Heinrich Hermann Engemann als Disziplincoach zur Seite stehen.

"In der jetzigen Krise ist das eine schwierige, aber auch reizvolle Aufgabe", sagte Becker, der seine Karriere als Springreiter Ende des Jahres beenden will.

"Dieser Entschluss ist mir nicht leicht gefallen, doch ich werde im Dezember 50 Jahre alt, und da passt ein Schnitt gut", sagte Becker, der bei Olympia 2000 in Sydney mit der deutschen Equipe Gold gewann.

Nachfolger von Gravemeier

Becker wird sich als Chef-Bundestrainer und Nachfolger von Kurt Gravemeier in erster Linie um die Olympia- und Spitzenmannschaften kümmern und steht nach dem Doping-Desaster und der sportlichen Pleite bei den Olympischen Spielen von Hongkong vor einer Herkules-Aufgabe.

Gravemeier hatte nach Olympia erklärt, dass er seinen Vertrag nicht verlängern wolle. "Da kommt viel Arbeit auf uns, doch wir blicken optimistisch nach vorne", so Becker.

"Heiner" Engemann wird ihm zur Seite stehen und gleichzeitig den Aufbau einer Perspektivgruppe Springen verantworten. "Wir müssen jetzt Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückgewinnen", sagte Engemann.

"Wir erhoffen uns Impulse"

Der 49 Jahre alte Ex-Nationenpreisreiter hatte bereits Ende August seine Karriere beendet und kann sich auf die neue Traineraufgabe konzentrieren. Seinen größten Erfolg als Reiter feierte Engemann im April auf Aboyeur mit Platz drei beim Weltcup-Finale von Göteborg.

"Wir erhoffen uns von den neuen Trainern Impulse für Verband, Reiter und Öffentlichkeitsarbeit", sagte Geschäftsführer Reinhardt Wendt vom Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR).

Vorgeschlagen wurde das neue Trainer-Konzept vom Springausschuss, der DOKR-Vorstand muss noch zustimmen. "Da wird es aber keine Einwände geben. Das Konzept ist gut", so Wendt.

Aufgabe: Chaos in den Griff bekommen

Springausschuss-Vorsitzender Peter Hofman ist davon überzeugt, dass Becker das Chaos im Springreiter-Lager in den Griff bekommen wird. "Nach Sichtung aller Kandidaten haben wir festgestellt, dass Otto Becker der am besten geeignete Kandidat ist.

Er ist ein Mann aus dem Sport, hat eine klare Meinung und kann sich durchsetzen", sagte Hofmann. Vor allem die Doping-Affäre um Christian Ahlmann, dessen Pferd Cöster in Hongkong positiv auf das im Wettkampf verbotene Mittel Capsaicin getestet worden war, hatte dem Verband Schaden zugefügt.

Becker wurde schon seit langer Zeit als Kandidat gehandelt, obwohl er zunächst ablehnte, weil er Springreiter bleiben wollte.

In Reiterkreisen genießt er einen guten Ruf, weil er stets seine eigene Meinung vertrat und dabei auch vor Konflikten mit dem langjährigen Springreit-Leader Ludger Beerbaum nicht zurückschreckte. Sein Durchsetzungsvermögen wird nötig sein, wenn die Struktur-Reformen im Verband greifen sollen.

Lange und erfolgreiche Karriere

Als Reiter nahm Becker an drei Olympischen Spielen teil und gewann neben Gold in Sydney in Athen 2004 Team-Bronze. Mit seinem Paradepferd Cento siegte er 2000 beim Großen Preis von Aachen und zwei Jahre später in Leipzig beim Weltcup-Finale.

Nach der Verabschiedung von Cento gelang dem gebürtigen Franken der Sprung ins Championatsteam nicht mehr.

Becker und Engemann sind die Gesichter eines neuen Aufgabenkonzeptes der Springreiter. Drei weitere Trainer arbeiten ihnen zu.

Dietmar Gugler ist für die Junioren und Jungen Reiter zuständig, Lars Meyer zu Bexten kümmert sich um die Springreiter der Sportschule der Bundeswehr und leitet das Training am Bundesleistungszentrum. Die Pony-Springreiter werden wie bisher von Peter Teeuwen betreut.

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