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Christian Ahlmann gewann 2004 in Athen Mannschaftsbronze © getty

Im Fall des deutschen Springreiter Ahlmann ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, denn der Verband geht in die Berufung.

Lausanne - Nach dem Urteil im Fall Christian Ahlmann herrschte im Reiterlager überwiegend Erleichterung, doch für den nationalen Verband ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen:

Die FN kündigte an, vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne Berufung einzulegen. Zudem soll eine schnelle Rückkehr Ahlmanns in die Nationalmannschaft verhindert werden.

"Vier Monate Sperre sind zu milde. Das Strafmaß ist vor allem im Vergleich zu den Bestimmungen des WADA-Codes nicht ausreichend", sagte FN-Generalsekretär Hanfried Haring.

Ausschluss aus dem Bundeskader

Ahlmann bleibe deshalb aus dem Bundeskader ausgeschlossen und werde die kommenden zwei Jahre nicht in einer deutschen Mannschaft aufgestellt.

"Das gilt für Nationenpreise wie auch für Welt- und Europameisterschaften", heißt es in einer Pressemitteilung der FN.

Lösung wird gesucht

In Zusammenarbeit mit Turnierveranstaltern soll nach Wegen gesucht werden, um die Entscheidung des Verbandes umzusetzen, "ohne durch juristische Maßnahmen daran gehindert zu werden".

Der Weltverband FEI hatte den Fall als Medikation der Klasse A eingestuft, nachdem Ahlmanns Pferd Cöster während Olympia positiv auf Capsaicin getestet worden war.

Demnach gilt Ahlmann, der bis zum 18. Dezember gesperrt ist, nicht als Doping-Sünder.

Gerichtsgang offen

Während die FN das anders sieht, war Ahlmanns Anwalt Andreas Kleefisch (Münster) am Tag nach dem Urteil zunächst "einmal froh, dass der Doping-Verdacht vom Tisch ist". Mit einer Reaktion der FN hatte er nur bedingt gerechnet.

"Bei den Äußerungen einiger Herren aus dem Verband hatte man zuletzt das Gefühl, dass die Kampfbereitschaft nicht mehr so ausgeprägt ist", meinte Kleefisch.

Ob die Ahlmann-Seite ihrerseits vor den CAS ziehen wolle, ließ der Anwalt am Donnerstag zunächst offen.

Kollegen begrüßen Urteil

Die Reiter-Kollegen hatten sich jedenfalls zufrieden mit dem FEI-Urteil gezeigt: "Gut ist, dass Christian jetzt weiß, wann er wieder reiten kann", sagte Marco Kutscher (Hörstel), der wie Ahlmann in Hongkong zur deutschen Equipe gehörte.

"Warum jedoch unterschiedliche Sperren über drei, dreieinhalb oder vier Monate ausgesprochen wurden, verstehe ich nicht", meinte der Doppel-Europameister von 2005.

Unterschiedliche Auslegung

Während Ahlmann eine Turniersperre von vier Monaten erhalten hatte, sperrte die FEI Bernardo Alves (Brasilien) für dreieinhalb Monate und Denis Lynch (Irland) für drei Monate.

Den Pferden beider Reiter war wie bei Ahlmanns Cöster Capsaicin nachgewiesen worden. Rodrigo Pessoa, bei dessen Pferd die Substanz Nonivamide gefunden wurde, erhielt eine Zwangspause von viereinhalb Monaten. Im Fall des Norwegers Tony Andre Hansen steht ein Urteil noch aus.

Beerbaum mahnt Vorverurteilung an

Der viermalige Olympiasieger Ludger Beerbaum (Riesenbeck) wollte zu dem Fall eigentlich nichts mehr sagen, zeigte sich aber vom Strafmaß nicht überrascht.

Der beste deutsche Springreiter der letzten 20 Jahre sprach angesichts der anhaltenden Diskussion in der Öffentlichkeit von einer schwierigen Situation: "Wieder haben alle zu Beginn von Doping-Fällen gesprochen, obwohl es sich am Ende um Medikationsfälle handelt. Diese Unterscheidung wird in der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen. Das muss sich ändern", sagte der 45-Jährige.

Comeback vor heimischer Kulisse?

Ahlmann soll nach Äußerungen seines Vaters Georg Ahlmann in den vergangenen Wochen "schwere Zeiten" durchgemacht haben.

"Wenn da nicht unsere Mäzenin Marion Jauß gewesen wäre, hätte Christian die Brocken hingeschmissen", erklärte Ahlmann senior, der jetzt davon ausgeht, dass sein Sohn zurück in den Turniersport findet.

Ab dem 19. Dezember darf Ahlmann nach drezeitigem wieder an nationalen und internationalen Turnieren teilnehmen.

So kann es sein, dass der 33-Jährige ausgerechnet im heimischen Marl sein Comeback gibt. Ende Dezember veranstaltet dort der RV Alt Marl ein Turnier, bei dem der berühmte Sohn der Stadt in der Vergangenheit gerne mit von der Partie war.

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