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Markus Ehning gewann bei Olympia 2000 Gold mit der Mannschaft © imago

Für die deutsche Equipe geht es bei den Welt-Reiterspielen nicht nur um Medaillen, sondern auch um die Arbeit am eigenen Ruf.

Lexington - Neubeginn in Kentucky: Nach den Dopingskandalen seit Olympia 2008 wollen die deutschen Reiter bei den Weltreiterspielen in Lexington sportlich wieder für Schlagzeilen sorgen.

Die Bühne in Amerikas Pferdesport-Mekka ist bereitet. Die Blue-Grass-Region in Kentucky bietet von Samstag bis zum 11. Oktober ein Reitsportfest der Superlative.

"Natürlich wollen wir viel Gold. Doch wichtig ist, dass wir keine böse Doping-Überraschung erleben", sagte der Chef de Mission Reinhard Wendt.

Noch immer hat sich der deutsche Reitsport nicht vollständig vom Dopingfall seines Springreiters Christian Ahlmann und den Nachwehen erholt. "Ich habe Trainer und Reiter noch einmal ins Gebet genommen", sagt Wendt, der aber weiß: "Wenn einer unbedingt manipulieren will, kann man das kaum verhindern."

"Hoffen auf die Wende"

"Wir haben schwere Zeiten hinter uns und hoffen auf die Wende", sagt Otto Becker.

Der Springreit-Bundestrainer kam nach dem Doping-Chaos ins Amt und erwies sich seitdem als Glücksgriff. Becker steht für sauberen Sport und vermied dank seiner sachlichen Art und klugen Organisation zusätzlichen Trubel in der Öffentlichkeit.

Doch ein Doping-Fall auf der Weltbühne in Kentucky würde auch seiner Ära einen nicht gutzumachenden Schaden zufügen.

Becker setzt auf Erfahrung

Auch sportlich haben Beckers Schützlinge einiges gutzumachen. Der letzte Mannschaftstitel bei einem Championat gelang bei den Europameisterschaften 2005. Seitdem waren die Auftritte der einstigen Großmacht im Parcours kein Ruhmesblatt.

Becker kennt die Gründe: "Die Fußballer von Jogi Löw haben es uns in Südafrika vorgemacht. Wir müssen als Team auftreten. Dann haben wir eine Chance." (Alle Mehrsport-News)

Der Bundestrainer setzt bei seinem ersten Championat als Cheftrainer ab dem 4. Oktober auf ein erfahrenes Quartett.

Weltcup-Sieger Marcus Ehning (Borken) mit Plot Blue, Vize-Europameister Carsten-Otto Nagel (Wedel) mit Corradina, Marco Kutscher (Hörstel) mit Cash und Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) mit Checkmate könnten bei optimalem Verlauf auch um eine Einzelmedaille reiten.

Historische Schlappe droht

In der Dressur droht der deutschen Equipe eine historische Schlappe.

Gegen die starken Niederländer ist man chancenlos, so dass die Mannschaft um die fünfmalige Olympiasiegerin Isabell Werth (Rheinberg) wohl erstmals seit 1970 bei einer WM kein Team-Gold holen wird. In der Vielseitigkeit will das Team von Bundestrainer Hans Melzer Gold. "Wir sind stark genug, um den Titel von 2006 zu verteidigen", sagt der Coach.

Erstmals werden bei Weltreiterspielen, die seit 1990 in Stockholm das Nachfolgeformat für Weltmeisterschaften bilden, acht Disziplinen ausgetragen.

Neben den olympischen Sportarten Springen, Dressur und Vielseitigkeit werden Weltmeister im Distanzreiten, Voltigieren, Westernreiten, Fahren sowie für Sportler mit Behinderungen (Para-Equestrian) ermittelt.

Fest der Superlative

Bei den letzten Weltreiterspielen in Aachen 2006 untermauerte die deutsche Mannschaft mit sechs Goldmedaillen vor den USA und den Niederlanden mit je zweimal Gold ihren Ruf als Pferdesportnation Nummer eins.

Kentucky rüstet sich zum Fest der Superlative. Der Horse Park von Lexington, 140 Kilometer entfernt vom Austragungsort des legendären Kentucky-Derby der Galopper, erlebt die ersten Weltreiterspiele in Übersee. 973 Reiter aus 62 Nationen nehmen an den sechsten Weltreiterspielen teil. Rund 600.000 Besucher werden auf dem 500 ha großen Turniergelände erwartet.

Deutschland ist neben den USA und Australien die einzige Nation, die in allen acht Disziplinen mit einer Mannschaft an den Start geht. "Die Spiele sind für uns in sportlicher, logistischer und finanzieller Hinsicht eine riesige Herausforderung", sagt Wendt.

Die Verschiffung der Kutschen, Transport und Unterbringung der Pferde und Reiter verschlangen Kosten von 1,445 Millionen Euro. Das Bundesinnenministerium steuerte 550.000 Euro bei, den Rest schießen Sponsoren zu.

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