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Isabelle Werth gewann 1996 mit Gigolo den olympischen Einzelbewerb © getty

Die deutsche Dressur-Equipe verpasst erstmals seit 1970 die Goldmedaille. Die Niederlande werden ihrer Favoritenrolle gerecht.

Lexington - Das deutsche Dressur-Team hat bei der Reit-WM eine historische Niederlage kassiert.

Der einstige Serienmeister musste den Sieg den Niederlanden überlassen und blieb erstmals seit 1970 bei Weltmeisterschaften ohne Goldmedaille.

Angeführt von der fünfmaligen Olympiasiegerin Isabell Werth kam das deutsche Team mit 220,595 Punkten nicht über den Bronzerang hinaus.

Dem favoritierten Oranje-Team war mit 229,745 Punkten der Sieg schon frühzeitig nicht mehr zu nehmen gewesen, auch England (224,767) blieb vor der deutschen Equipe.

Frust im deutschen Lager

Im deutschen Lager herrschten schon vor Ende des Wettbewerbs Frust und Enttäuschung, schließlich hatte man Silber im Vorfeld als Ziel ausgegeben.

Werth zeigte mit ihrem Wallach "Warum nicht" eine starke Leistung, erhielt von den Punktrichtern allerdings nur 75,4 Punkte.

"Da wären sicher etwas mehr möglich gewesen", sagte der deutsche Equipechef Klaus Röser.

Werth dennoch zufrieden

Werth war mit ihrer Leistung in Kentucky ebenfalls zufrieden gewesen (Alle Mehrsport-News).

"Bis auf ein paar Kleinigkeiten war alles okay", sagte die 41-Jährige und versuchte, die Enttäuschung zu verdrängen: "Ich denke, unsere Mannschaft kann auf ihr Ergebnis stolz sein."

Die WM-Debütanten Matthias Alexander Rath (Kronberg/72,6) mit Sterntaler und Christoph Koschel (Hagen/72,6) auf Donnperignon zeigten solide Leistungen.

Nur Anabel Balkenhol (Rosendahl/67,7) enttäuschte und sorgte für das Streichergebnis.

Gal mit bestem Einzelergebnis

Angeführt von Europameister Edward Gal ritten die Niederlande souverän zum WM-Titel.

Gal und sein Wunderpferd Totilas kassierten für eine beeindruckende Vorstellung mit 84,00 Punkten das mit Abstand beste Einzelergebnis.

Der Blondschopf gilt für beide Einzelwettbewerbe im Special am Mittwoch und in der Kür am Freitag als Top-Favorit auf den Titel.

Cornelissen disqualifiziert

In der Stunde des Sieges konnte auch die Niederländerin Adelinde Cornelissen wieder lachen.

Die 31 Jahre alte Englischlehrerin hatte einen Albtraum erlebt. Der Chefrichter sah bei laufender Prüfung im Maul ihres Pferdes Parzival Blut und klingelte das Paar aus dem Viereck.

Damit war die WM für die Europameisterin beendet. Der Grand Prix gilt auch als Qualifikation für die Einzelwettbewerbe.

Parzival beisst sich auf die Zunge

"Auf der einen Seite bin ich total traurig. Ich war in so guter Form. Auf der anderen Seite freue ich mich, dass meinem Pferd nichts Schlimmes passiert ist", sagte die Englisch-Lehrerin.

Das Pferd hatte sich beim Rückwärtslaufen offenbar auf die Zunge gebissen. Eine grobe Verletzung lag nicht vor.

"Als Parzival in den Stall zurückkam, haben wir noch drei Tropfen Blut an der Zunge gefunden. Man hätte das Pferd untersuchen und Adelinde eine neue Chance geben sollen. Aber das ist leider laut Regelwerk nicht möglich", sagte der niederländische Teamarzt Jan Greve.

USA als schlechtes Pflaster

Einen Grund für den Biss auf die Zunge und die plötzliche Blutung konnte niemand nennen.

"So etwas passiert bei jedem Pferd mal, nur eben selten im Wettbewerb. Das ist blöd", sagte der niederländische Cheftrainer Sjef Janssen, der ratlos wirkte: "Sie hat immer so ein Pech in den USA. Beim Weltcup-Finale in Las Vegas war ihr Pferd lahm aus dem Flieger gehumpelt. Da ging auch nichts mehr", sagte der Coach.

Cornelissen galt in beiden Einzelwertungen am Mittwoch und Freitag als sichere Silber-Kandidatin.

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