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Christian Ahlmanns Pferd "Cöster" wurde bei Olympia positiv auf Capsaicin getestet © getty

"Er gehört zu uns wie das Hofbräuhaus zu München", sagt Ludger Beerbaum über Christian Ahlmann. Doch der erwägt einen Wechsel.

Berlin - Das deutsche Reiter-Lager hat mit Unverständnis auf Überlegungen von Springreiter Christian Ahlmann (Marl) reagiert, nach dem Ausschluss aus der deutschen Equipe für eine andere Nation starten zu wollen.

"Fußgänger haben manchmal merkwürdige Ideen. Davon kann ich nur abraten", sagte Generalsekretär Hanfried Haring von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN in Anspielung auf Ahlmanns zweijährigen Ausschluss aus allen deutschen Mannschaften.

Der viermalige Olympiasieger Ludger Beerbaum war regelrecht geschockt: "Ich kann mir nur vorstellen, dass Christian so etwas in einem äußerst emotionalen Moment gesagt hat. Er gehört zur deutschen Equipe wie das Hofbräuhaus nach München. Er wird auch wieder für Deutschland reiten."

Beerbaum will selbst mit seinem langjährigen Team-Kollegen reden, falls dieser von seinen Plänen nicht abzubringen ist.

Engemann warnt vor Schnellschüssen

Heinrich Hermann Engemann, der ab Januar gemeinsam mit Chef-Bundestrainer Otto Becker die deutschen Equipen betreut, warnte vor Schnellschüssen: "Die Situation, in der Christian steckt, muss erst geklärt werden. Man sollte zunächst die Entscheidung des CAS abwarten."

Becker betonte, dass ein solcher Schritt von Ahlmann "äußerst bedauerlich" wäre.

Die FN hatte die viermonatige Sperre für Ahlmann durch den Weltverband FEI in Folge eines positiven Medikationsfalles bei seinem Pferd Cöster während Olympia als "zu milde" eingestuft.

Der Verband kündigte Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof CAS an und schloss Ahlmann für zwei Jahre aus allen Mannschaften aus.

Gekränkter Stolz

Ahlmann hatte in einem Zeitungsinterview am Montag erklärt, er denke über einen Nationenwechsel nach. "Es verbietet mir mein Stolz, nach allem, was vorgefallen ist, an irgendwelche Teilnahmen mit dem deutschen Team zu denken", sagte der 33-Jährige.

Daher komme für ihn auch ein Verbandswechsel in Betracht. "Es gibt noch keine konkreten Kontakte, aber in Erwägung ziehe ich das schon", sagte der 33-Jährige. Angeblich soll er schon Kontakt zur Ukraine gehabt haben.

Werden Wechselbedingungen verschärft?

Nationalitätenwechsel sind im Reitsport nicht ungewöhnlich. So hatte die Ukraine bei den Weltmeisterschaften 2006 in Aachen unter anderem mit zwei gebürtigen Deutschen Bronze nur hauchdünn verpasst. Zur Mannschaft gehörten damals wie auch zwei Jahre später bei den Olympischen Reiterspielen in Hongkong die frühere deutsche Meisterin Katharina Offel (Lohmar) und Björn Nagel (Friedrichskoog).

Vor einem Jahr hatte auch der dreimalige deutsche Meister Rene Tebbel (Emsbüren) über einen Wechsel ins Ausland nachgedacht, ehe ihn der damalige Bundestrainer Kurt Gravemeier davon abbringen konnte.

Als Voraussetzung für einen Nationenwechsel muss der Reiter einen Pass des neues Landes besitzen sowie beim Weltverband FEI einen entsprechenden Antrag stellen. Nach der Kritik an den zunehmenden Nationenwechseln hatte die FEI zuletzt angekündigt, die Bedingungen weiter zu verschärfen.

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