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Otto Becker (r.) mit Christian Ahlmann (l.) und Vater Georg Ahlmann © imago

Becker fordert im Dopingthema bei den Reitern einen "kühlen Kopf". Der künftige Chefcoach steht weiter zu Dopingsünder Ahlmann.

München - Der zukünftige Springreit-Bundestrainer Otto Becker hat in der Debatte um die Manipulation von Pferden einen kühlen Kopf gefordert.

"Pferde müssen medizinisch betreut werden, ohne dass man in den Bereich der Leistungsbeeinflussung vorstößt", sagte Becker.

Er warnt vor Panikmache: "Der Verband muss sich mit Tierärzten und Wissenschaftlern zusammensetzen und das Regelwerk nach neuesten Erkenntnissen ergänzen."

Becker forderte Verständnis für die Tierärzte und wies jüngste Berichte über umherziehende "Zauberärzte" zurück, die bei Wettkämpfen Dopingmittel verkaufen: "Dass ein Tierarzt von Turnier zu Turnier reist, ist erst einmal keine schlechte Sache. Das muss nicht automatisch jemand sein, der auch Dopingmittel verkauft."

Gegen verbotene Substanzen vorgehen

Sollte jemand verbotene Substanzen anbieten, müsse dagegen vorgegangen werden, so Becker.

Der 49 Jahre alte Familienvater widersprach dem Vorwurf, dass Top-Reiter ihre Spitzenpferde einem zu großen Turnierstress aussetzen.

"Laut einer neuesten Studie unseres Verbandes haben Championats-Pferde in den vergangenen Jahren im Schnitt pro Monat ein Turnier bestritten. Das ist wirklich nicht viel", sagte Becker, der es bislang nicht bereut hat, das Amt des Chef-Bundestrainers angenommen zu haben: "Ich wusste nach Hongkong, was auf mich zukommt."

Auf altes Personal zurückgreifen

Bei der Zusammenstellung der Championats-Mannschaft will Becker, dessen Job offiziell am 1. Januar beginnt, keinen Schnitt vollziehen.

"Ich werde auf das bisherige Gerüst zurückgreifen", kündigte der Team-Olympiasieger von Sydney 2000 an und hofft, dass Marcus Ehning und Carsten-Otto Nagel die Mannschaft ergänzen.

Generell habe Deutschland kein Reiter-, sondern ein Pferde-Problem. Deshalb sei es wichtig, mit Sponsoren zu sprechen und sie zu ermutigen, Pferde für deutsche Reiter zu kaufen.

Ein Hintertürchen für Ahlmann

Ein Hintertürchen hält der neue Chef-Bundestrainer Christian Ahlmann (Marl) offen, der nach dem positiven Medikationsfall bei seinem Pferd "Cöster" während Olympia vom nationalen Verband für zwei Jahre aus den deutschen Mannschaften verbannt wurde.

"Wenn die Geschichte abgehakt ist und er wieder zur Verfügung steht, dann möchte ich gerne wieder mit ihm zusammenarbeiten. Er ist ein sehr guter Reiter, der sich über Jahre für Deutschland eingesetzt hat", sagte Becker.

Seinen eigenen Abschied als Aktiver beim Turnier vor knapp drei Wochen in Hannover hatte Becker so nicht geplant: "Aber der richtige Moment war in Hannover plötzlich da. Turnier-Veranstalter Paul Schockemöhle hatte eine kleine Feier vorbereitet. Meine Mutter war da, meine Frau mit den Kindern und auch mein langjähriges Top-Pferd Cento. Dazu hatte ich noch den Großen Preis gewonnen. Es stimmte einfach alles. Da habe ich eben Schluss gemacht."

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