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Auch in der Dressur wird mit harten Bandagen trainiert © getty

Wegen Tierquälerei hat das Landgericht Kiel die ehemalige Dressurreiterin Christine W. zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Kiel - Wegen Tierquälerei hat das Landgericht Kiel die ehemalige Weltklasse-Dressurreiterin Christine W. zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten sowie einem dreijährigen Pferdehaltungsverbot verurteilt.

Der 60-Jährigen, Neunte beim Weltcup-Finale 1992, wurde zudem für drei Jahre der berufsmäßige Umgang mit Pferden verboten, außerdem muss sie 150 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Das Urteil, das bereits am dritten von sieben angesetzten Verhandlungstagen fiel, wurde von der Angeklagten akzeptiert und ist somit rechtskräftig.

Mit großer Erleichterung wurde das Strafmaß bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN aufgenommen.

Urteil mit Signalwirkung

Deren Generalsekretär Hanfried Haring meinte: "Das Urteil hat eine Signalwirkung! Hier wurde in aller Deutlichkeit gesagt, dass man sogar ins Gefängnis kommen kann, wenn man ein Pferd derart behandelt. Das war reine Tierquälerei. Wie Ausbildung von Pferden richtig auszusehen hat, ist in unseren Richtlinien für Reiten und Fahren festgelegt."

Das Verfahren bezog sich auf Vorkommnisse auf Reitanlagen in Norderstedt und Halstenbek im Zeitraum von 2006 bis 2007.

Christine W. wurde von mehreren Reitern angezeigt, die ihre brutalen Trainingmethoden dokumentierten. Insgesamt lagen Anklagen in 15 Fällen wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz vor.

Videoaufnahmen sorgen für Empörung

Für besondere Empörung hatten Videoaufnahmen vom vergangenen September gesorgt. Darauf war zu sehen, wie Christine W. ein Pferd binnen einer halben Stunde mehr als 450-mal mit der Peitsche schlägt.

"Die ist nicht ganz bei Trost, sie muss krank sein. Ich kann nicht verstehen, wie man etwas so Sinnloses tun kann. Das hat mit Ausbildung nichts zu tun", sagte Hanfried Haring damals nach der Sichtung des Materials. FN-Ausbildungsleiter Christoph Hess meinte dazu: "Das ist reine Tierquälerei. Mit der gezeigten Methode versucht sie, das Pferd nur zu unterjochen."

Auch die FN reagierte deshalb auf die Vorfälle. Es wurde ein Ausschlussverfahren eingeleitet und Antrag auf Strafverfolgung wegen des Verdachts auf Tierquälerei gestellt.

Tierschützer fordern das Auspeitschen von Christine W.

"Ich bin froh, dass Frau W. verurteilt und damit ein klares Zeichen gesetzt wurde, dass so mit Pferden nicht umgegangen werden kann", erklärte Ferdi-Jürgen Wassermeyer, der Dressurausschuss-Vorsitzende des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR).

Der Fall hatte auch in der Öffentlichkeit hohe Wellen geschlagen. Im Internet hatte es wüste Beschimpfungen und Gewaltandrohungen von Tierschützern gegeben, daher wurde die Polizei eingeschaltet.

Auch das Landgericht wurde mit der Wut einiger Tierschützer konfrontiert. "Wir haben Anrufe erhalten, in denen gefordert wurde, dass Christine W. ausgepeitscht werden solle, so wie sie es mit ihren Pferden gemacht haben soll", berichtete Richter Peter Döbel.

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