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Christian Ahlmann wurde 2003 in Donaueschingen Doppel-Europameister © getty

Christian Ahlmann steht vor seinem Comeback, will aber kein "Pausenclown" werden. Die Dopingvorwürfe sitzen mit im Sattel.

Marl - Geburtstag am Mittwoch, Ende der Sperre am Donnerstag und der erste Ritt am Freitag: Für Christian Ahlmann wurde das Weihnachtsfest auf den Tag genau um eine Woche vorverlegt.

"Ich bin einfach nur glücklich, dass ich wieder reiten kann", sagt der Springreiter aus Marl. Am Wochenende gibt er beim Turnier im spanischen La Coruna nach viermonatiger Sperre sein Comeback.

"Die vergangenen Monate waren sehr schwierig für mich. Es wird höchste Zeit, dass ich wieder eine Perspektive habe", sagt Ahlmann.

Ansehen, Freunde und Geld verloren

Seit Bekanntgabe der positiven A-Probe bei seinem Wallach Cöster während Olympia in Hongkong war der Doppel-Europameister von 2003 gesperrt.

In der Folge musste er einen wahren Verhandlungsmarathon über sich ergehen lassen. Dabei hat er viel verloren: Ansehen, Freunde und Geld.

"So etwas wünscht man keinem", sagt Ahlmann heute. Der Weltreiter-Verband FEI sperrte den langjährigen Championatsreiter (Bundestrainer hält zu Ahlmann) wegen unerlaubter Medikation für vier Monate, weil bei Cöster wie bei vier weiteren Springpferden in Hongkong Capsaicin oder ein ähnliches, für den Wettkampf verbotenes Mittel gefunden wurde.

Doping-Vorwürfe sitzen mit im Sattel

In Deutschland löste der Fall eine heftige Doping-Debatte aus. Der nationale Verband FN musste Stärke zeigen, schmiss ihn für zwei Jahre aus seinen Mannschaften und zog vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS.

Dort soll nachgewiesen werden, ob es sich wirklich "nur" um eine verbotene Medikation handelte.

Die Folge: Die Doping-Vorwürfe sitzen nun wieder mit im Sattel, nach jedem Ritt droht eine neuerliche Sperre. "Ich glaube nicht, dass sich die Beweislage ändert. Sonst wäre die Welt verrückt", sagt der "Dauer-Angeklagte".

Keine Lust, "Pausenclown" zu spielen

Nach der langen Leidenszeit freut sich Ahlmann umso mehr, dass er wieder das machen kann, was er seit Kindesbeinen getan hat und so gut beherrscht wie kaum ein Zweiter: das Reiten.

"Ich will einfach zurück in die Normalität", sagt er. In den vergangenen Monaten mied der gelernte Pferdewirt die Öffentlichkeit und wählte bewusst ein ausländisches Turnier für sein Comeback aus. "Ich will ja nicht ständig der Pausenclown sein", sagte er.

Erstes Weltcup-Turnier in Mechelen

Auch die Geburtstagsfeier hält sich im Rahmen. "Wir werden hier zu Hause in Marl im kleinen Kreis anstoßen", kündigte der Westfale an.

Der Trubel wird in den kommenden Wochen noch groß genug. Zwischen den Jahren will Ahlmann sein erstes Weltcup-Turnier im belgischen Mechelen bestreiten und plant zudem einen Abstecher zum Turnier seines Onkels im heimischen Marl.

Die Rückkehr auf der großen Bühne in Deutschland soll Anfang Januar in Münster folgen.

Ribery soll Cöster folgen

Anfang Februar wird auch Ahlmanns Top-Pferd Cöster in den Parcours zurückkehren. Zwei Jahre will er den Wallach noch reiten.

Für die Zeit danach hat Ahlmann bereits einen neuen Hoffnungsträger. Der fünf Jahre alte Fuchswallach Ribery soll zu einem Spitzenpferd reifen.

"Er ist ein großes Talent mit enormem Vermögen", sagt Ahlmann über den Vierbeiner aus niederländischer Zucht.

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