vergrößernverkleinern
Knapp am Sieg vorbei: Helen Langehanenberg
Helena Langehanenberg belegte bei den Deutschen Meisterschaften zweimal den ersten Platz © getty

Beim CHIO in Aaachen überzeugt die deutsche Dressur-Equipe mit herausragenden Leistungen und fährt selbstbewusst nach London.

Aachen - Ausgerechnet ein Mikrofon brachte das deutsche Dressur-Team um Bundestrainer Jonny Hilberath dann doch noch in Schwierigkeiten - nur kurz natürlich.

"Lasst den Papa das mal machen", sagte Hilberath auf der Abschluss-Konferenz des CHIO in Aachen.

Tadellose Vorstellung

Am Ende konnten jedoch weder ein Mikrofon noch das Totilas-Theater oder die unglaubliche Kulisse in der Soers die deutschen Dressur-Prinzessinnen vor Probleme stellen.

Und schon gar nicht vermochte das die internationale Konkurrenz.

Zwei Minuten in einem kleinen Presseraum spiegelten eine glanzvolle Woche beim weltweit wichtigsten Reitturnier perfekt wider. Drei über das ganze Gesicht strahlende Reiterinnen und ein Bundestrainer, der zufriedener nicht hätte sein können.

Hilberath der Vater des Erfolgs

Nur selten trat Hilberath in den Vordergrund. Wenn ihn seine Schützlinge aber brauchten, war er da. Und wurde dadurch zum Vater des Erfolgs. Auch das Mikrofon-Rätsel entschlüsselte er im Nu - und bereitete seinen Reiterinnen damit abermals die große Bühne.

"Natürlich wollen wir gewinnen", sagte Kür-Siegerin Helen Langehanenberg (Havixbeck) mit Blick auf die Olympischen Spiele (27. Juli bis 12. August): "Wir haben nichts zu verlieren und sehr gute Chancen."

Das nötige Selbstvertrauen für diese Prognose hatte sich die zweifache deutsche Meisterin mit Damon Hill kurz vorher im Dressur-Viereck geholt. Mit einer exzellenten Vorstellung und 85,150 Punkten sorgte sie für glückliche Gesichter im deutschen Lager.

Totilas-Ausfall gerät in den Hintergrund

Gleichzeitig drängte sie den ohnehin lahmgelegten Totilas noch weiter in den Hintergrund. (BERICHT: Totilas-Drama um Rath).

"Wir haben das alles ausgeblendet und uns fokussiert. Das hat uns nicht beschäftigt", sagte Langehanenberg. Vergleiche hinken bekanntlich, aber der so oft als Wunderhengst bezeichnete Totilas hatte es mit seinem Reiter Matthias Rath im vergangenen Jahr "nur" auf 82,825 Kür-Punkte gebracht.

Sprehe ganz stark

Selbst den Gala-Auftritt der zweitplatzierten Kristina Sprehe (84,700) bewertete die Jury noch höher.

Zu Recht. Mit Desperados legte der Youngster im deutschen Team nach den Triumphen im Grand Prix und Special erneut einen phänomenalen Ritt hin.

"Nicht die Leistung überrascht mich, sondern ihre unglaubliche Konstanz", sagte Hilberath und bescheinigte der 25-Jährigen einmal mehr einen "astreinen und fehlerlosen Ritt".

Zweifellos gehören Langehanenberg und Sprehe mit den gezeigten Leistungen in London zu den ganz heißen Favoritinnen auf die Goldmedaille.

Schneider sichert sich Olympia-Ticket

Und dann saß ganz außen auf dem Podium ja noch Dorothee Schneider (Framersheim), die sich dank der CHIO-Leistungen in letzter Sekunde das London-Ticket schnappte.

"Dass ich hier jetzt sitze, hatte ich nicht zu hoffen gewagt", sagte Schneider, die am Abend noch einige Sektkorken knallen lassen wollte. "Wenn ich an Olympia denke, bekomme ich ja Schnappatmung", sagte sie mit Freundentränen in den Augen.

Kaum auszumalen, was passiert, wenn das Trio in der britischen Metropole ähnliche Leistungen zeigen wird. Ganz sicher werden sie dann aber wieder im Rampenlicht stehen und in das ein oder andere Mikorofon sprechen. Aber das sollte nach den Aachener Tagen ja kein Problem mehr sein.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel