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Isabell Werth gewann seit 1994 zweimal WM-Gold im Einzel und viermal mit dem Team © getty

Bei El Santo wird ein verbotenes Mittel entdeckt. Die Dressur-Queen pocht auf ihre Unschuld. Ihre Erklärung klingt wie ein Krimi.

München - Eine defekte Trinkanlage im Stall könnte Isabell Werth eine einjährige Sperre einbringen.

Die fünfmalige Olympiasiegerin muss sich wegen einer verbotenen Medikation bei ihrem Pferd El Santo verantworten. Bei dem Wallach wurde während der Rheinischen Meisterschaften in Langenfeld im Juni 2012 bei einer Dopingprobe die verbotene Substanz Cimetidin festgestellt.

Werth bestreitet, ihrem Pferd das Medikament gegen Magenschmerzen verabreicht zu haben. Stattdessen sei es wegen eines technischen Defekts in die Trinkschale von El Santo gelangt.

Substanz für Warum Nicht

"Ich habe ein reines Gewissen, weil ich El Santo nie mit diesem Medikament behandelt habe", sagte Werth: "Wir arbeiten seit vergangenem Sommer mit einem ganzen Team unter Hochdruck daran, den Fall aufzuklären. Das passierte immer hinter den Kulissen. Warum das jetzt an die Öffentlichkeit gelangt ist, weiß ich auch nicht."

Werth hat umfangreiche Untersuchungen und Gutachten veranlasst, die den Sachverhalt aufklären sollen.

El Santos Stallnachbar Warum Nicht hat wegen eines Hüftbruchs die Substanz Cimetidin über seine Tränke erhalten.

Schon einmal aufgefallen

Werths weitere Annahme, die sich anhört wie ein Krimi: Durch einen Stromausfall sei vorübergehend die Wasserpumpe ausgefallen.

Dadurch sei Unterdruck entstanden und das Wasser von Warum Nichts Tränke in die von El Santo gepumpt worden.

Der Fall trug sich im vergangenen Sommer zu, seitdem berät die Disziplinar-Komission. Werth droht ein Jahr Sperre, weil sie schon mal durch verbotene Substanzen bei ihren Tieren aufgefallen ist.

Diesmal bei einem nationalen Event

2009 wurde die Juristin wegen Dopings bei ihrem Pferd Whisper für sechs Monate gesperrt. Damals war der zehn Jahre alte Wallach beim Pfingstturnier in Wiesbaden positiv auf das Psychopharmakon Fluphenazin getestet worden.

"Das kann man aber nicht miteinander vergleichen. Das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe", meinte Werth, die sich auch vehement gegen die Bezeichnung "Wiederholungstäterin" wehrt.

Die Sperre von 2009 wurde durch den Internationalen Verband (FEI) ausgesprochen. Aus der FEI-Zentrale muss Werth dieses Mal aber keine Konsequenzen befürchten, weil es sich bei dem Turnier in Langenfeld um ein nationales Event handelt.

Kein Doping, keine sofortige Sperre

International ist der Einsatz von Cimetidin sogar erlaubt, muss aber vom Reiter dokumentiert werden.

Die Medikationsregeln der FEI sind deutlich lascher als die des deutschen Verbandes. "In dem neuen Fall handelt es sich nicht um Doping", sagte Sprecherin Susanne Hennig vom deutschen Verband (FN), da das Mittel nicht auf der Dopingliste stehe.

Es sei eine verbotene Medikation. Nur im Reitsport wird nach diesen beiden Klassen unterschieden.

"Bei Doping gibt es sofort eine Sperre. Bei einer verbotenen Medikation warten wir die Entscheidung der Disziplinarkommission ab", sagte Henning.

Zuletzt Pech mit den Pferden

"Ich hoffe, dass wir auf dem nächsten Treffen der Disziplinarkommission im März schon weitere Ergebnisse präsentieren können und bald zu einem Abschluss kommen", meinte Werth, die mit El Santo in den letzten beiden Jahren nicht den Sprung an die Spitze schaffte.

Nach enttäuschenden Europameisterschaften 2011 in Rotterdam konnte sich Deutschlands erfolgreichste Dressurreiterin mit dem Rheinländer nicht für die Olympischen Spiele in London qualifizieren.

Werth gilt als Deutschlans erfolgreichste Dressurreiterin. Fünfmal holte die Mutter eines Sohnes seit 1992 bei Olympia Gold, sechsmal wurde sie Weltmeisterin.

Zuletzt hatte sie allerdings Pech mit ihren Pferden, nachdem sie ihre langjährigen Top-Partner Satchmo und Warum Nicht aus Altersgründen aus dem Wettkampfsport genommen hatte.

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