Auch Isabell Werth hat die Misere der deutschen Dressurreiter bei den Europameisterschaften in Rotterdam nicht beenden können.

Die fünfmalige Olympiasiegerin aus Rheinberg holte mit dem Nachwuchspferd El Santo im Teamwettbewerb nach Patzern in der Piaffe nur 75,213 Prozentpunkte.

Der Brite Carl Hester von Gold-Konkurrent Großbritannien indes legte mit Uthopia eine Traumvorstellung hin und erzielte mit 82,568 Prozent ein herausragendes Ergebnis. Damit haben die Briten Gold nahezu sicher, bevor die letzten Paare am Nachmittag ins Viereck gehen.

"Er war noch etwas schüchtern, beim nächsten Mal muss ich noch ein paar Kohlen drauflegen", sagte Werth nach ihrer Vorstellung vor nur wenigen hundert Zuschauern.

Mehrere Male patzte ihr "Ernie" in den Piaffen. "Unterm Strich war es eine gute Runde", meinte aber Bundestrainer Holger Schmezer: "Natürlich gab es Fehler in der Piaffe, doch die Pirouetten und die Einer-Wechsel waren echte Höhepunkte."

Allerdings stand Werth klar im Schatten von Hester. Der 44 Jahre alte Routinier, seit Jahren eher mittelprächtig im Geschäft, präsentierte seinen in den Niederlanden gezogenen zehn Jahre alten Hengst Uthopia als die große Entdeckung.

Nicht so spektakulär wie Totilas, dafür locker und leicht glitt das Paar durch die Lektionen. Für den verstärkten Trab gaben alle fünf Punktrichter eine zehn - eine absolute Seltenheit.

"Ich bin happy. Es war heute ein Traum", sagte Hester, um den sich im Anschluss die TV-Teams und Journalisten drängten. Zum Raunen im Stadion nach seinem Trab sagte er mit typisch britischem Humor. "Da dachte ich erst, es wäre ein Hund durchs Stadion gelaufen oder ein Vogel gelandet." Sein Pferd hat er vierjährig in den Niederlanden gefunden und dann ausgebildet. Jeden Tag melden sich Kaufinteressenten, doch bis Olympia will Hester das Pferd behalten.

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