Das älteste Derby-Pferd war das beste: Im Sattel des bereits 19 Jahre alten "Hufen-Opas" Hello Max hat Gilbert Tillmann in einem spannenden Stechen das 84. deutsche Spring-Derby in Hamburg-Klein Flottbek zu seinen Gunsten entschieden.

Der Reiter aus Neukirchen war in der Entscheidung eine Sekunde schneller als Carsten-Otto Nagel aus Wedel mit Lex Lougar. Beide leisteten sich auch im Stechen einen Springfehler.

Vor 20.000 Zuschauern ging Rang drei an Hilmar Meyer aus Schwarme mit Coverlady, der im Normalparcours zwei Abwürfe zu verzeichnen hatte.

"Ich bin total stolz auf mein Pferd und kann diesen Sieg überhaupt noch nicht fassen. Hello Max hat 200 Prozent gegeben, unglaublich", sagte der Gewinner des Blauen Bandes, der freudestrahlend die obligatorische Ehrenrunde absolvierte.

Eine herbe Enttäuschung hingegen erlebte Titelverteidiger Nisse Lüneburg. Der Vorjahressieger aus Uetersen sammelte mit dem 16 Jahre alten Derby-Routinier Calle Cool 16 Strafpunkte ein und war damit chancenlos.

Auch Topfavorit Pius Schwizer aus der Schweiz kam mit zwölf Fehlerpunkten nur auf den achten Platz.

Erneut erwies sich der 1230 Meter lange Naturparcours mit 17 Hindernissen und 26 Sprüngen als äußerst selektiv. Mehr als ein Dutzend Starter erreichten nicht das Ziel, allerdings kam es weder bei Reitern noch bei Pferden zu Verletzungen.

Bereits am Mittag hatte Fabienne Lütkemeier das 55. deutsche Dressur-Derby mit Pferdewechsel gewonnen.

Die Studentin aus Paderborn siegte mit 3854 Punkten deutlicher als erwartet vor Olympiareiterin Annabel Balkenhol aus Rosendahl (3739) sowie der Hagenerin Bianca Kasselmann (3735).

Der Olympia-Ersatzreiterin gelang bei ihrem ersten Derby-Triumph das Kunststück, nicht nur mit ihrem Pferd Qui Vincit Dynamis, sondern auch mit den Pferden ihrer beiden Konkurrentinnen die jeweils höchste Punktzahl zu erreiten.

Die 23 Jahre alte ehemalige Europameisterin bei den Jungen Reitern hatte in der Derby-Qualifikation noch Rang zwei hinter Balkenhol belegt.

"Vor dem für mich ungewohnten Pferdewechsel war ich schon ein wenig kribbelig, aber als es losging, hatte sich das wieder gelegt", sagte Lütkemeier.

Eine Aussage, die Turnierdirektor Volker Wulff wohlwollend zur Kenntnis nahm: "Der Pferdewechsel kommt beim Publikum und auch bei den Reitern immer mehr an. Wir werden ihn deshalb beibehalten."